Das eindrückliche ZDF-Drama "Nie mehr wie es war" mit Christiane Paul als Ehefrau, deren langjähriges Geheimnis auffliegt, nimmt den Zuschauer mit auf eine emotionale Tortour.

Für Männer ist es ein Albtraum: zu hören, dass das vorgeblich eigene Kind doch nicht von einem selbst stammt, gehört zu den Erfahrungen im Leben, die man(n) sich gern sparen möchte. Nicht erspart bleibt es der männlichen Hauptfigur im eindrücklichen ZDF-Drama "Nie mehr wie es war", das im Zweiten zur Primetime am Montag ausgestrahlt wird. Wie komplex die Gemengelage einer solchen Lebensveränderung sein kann, zeigt Christiane Paul als Ehefrau und Mutter, die das Geheimnis 17 Jahre lang für sich bewahrte. Zwischen der ambivalenten Frage, was denn nun echte Vaterschaft eigentlich sei, und einem toxischen Gefüge aus Schuld, Verlust und Angst nähert sich das Familiendrama dem ewigen Kuckuckskinder-Thema bedrückendend, doch unhysterisch.

Eigentlich ist das Leben der Familie Frese in Ordnung: Tomas, mit grummelnder Lässigkeit von Fritz Karl verkörpert, und seine von Christiane Paul überragend gespielte Ehefrau Nike besitzen eine kleine Bar, die gut läuft. Sie lieben ihren Sohn Milan (Matti Schmidt-Schaller) und führen ein bisweilen stressiges, aber doch harmonisches Leben. Bis zu jenem Moment, nach dem alles "Nie mehr wie es war" sein wird: Nike fährt zu einer Fortbildung, Tomas findet in einer verborgenen Kiste den Mutterpass – und ein Ultraschallbild, datiert auf ein Datum, das seine Vaterschaft sehr unwahrscheinlich macht.

Stammt Milan etwa nicht von ihm? Tomas stößt auf ein Bild von Nikes ehemaligem Uni-Professor Dr. Karoly Gaàl (Michael Wittenborn) – und ist sich sicher: Der ist der eigentliche biologische Vater. Als er Nike mit den Vorwürfen konfrontiert, gerät das Familienleben völlig aus der Bahn.

Große Gefühlen, die nie ins Kitschige rutschen

Das nachvollziehbar erzählte und gespielte Drama begibt sich auf eine emotionale Tortour, die etwas für einen Montagabend-Spielfilm Besonderes leistet: Der Zuschauer versetzt sich nach und nach in alle drei Hauptcharaktere, ergreift Seiten und verwirft sie wieder. Man fühlt mit Tomas, dem Opfer, und verachtet Nike, die Schuldige. Bis man ihre Geschichte hört – wie muss es gewesen sein, 17 Jahre lang zu schweigen? Und ist nicht derjenige ohnehin der Vater, der seinen Sohn von Geburt an aufzog und liebte?

"Nie mehr wie es war" nähert sich großen Fragen und großen Gefühlen, die nie ins Kitschige rutschen. Moralische Verurteilungen finden nicht statt, keine großen Versöhnungsgesten trüben die realistische Handlung der allesamt verzweifelten Figuren. Das Gefühlschaos, das durch die Offenbarung jenes Kuckuckskind-Geheimnisses ausgelöst wird, ereilt vor dem Fernseher auch die Zuschauer. Für ein Drama heißt das: Ziel erreicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst