Ridley Scotts "Exodus – Götter und Könige" ist ein nichtssagender Film von epischer Effekthascherei und spektakulärer Belanglosigkeit. Auch die monströsen Spezialeffekte sowie die prominente Besetzung mit Christian Bale, Sigourney Weaver und Ben Kingsley können über eine schlechte Story einfach nicht hinwegtäuschen.

Der mittlerweile 79-jährige Ridley Scott, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet, inszenierte die Moses-Geschichte in drei Akten: Moses (Christian Bale) am Hof des Pharaos, Moses wird verbannt und findet Familie und Gott in der Wüste, Moses wird zum Anführer der Israeliten und führt sein Volk in die Freiheit. Moses' Konflikte? Gibt es im Prinzip nicht: Er wurde halt vertrieben und muss sich nun arrangieren. Das macht er auch ganz gut mit der schönen Ziegenhirtin Zipporah (María Valverde). Ein bisschen Folklore, schöne Menschen – Moses' Leben ist recht angenehm, bis er Gott trifft. Der kommt in Gestalt eines zehnjährigen Bengels daher und stiftet Moses zur gesellschaftlichen Unruhe an.

Der Prophet entdeckt den Glauben, startet einen Untergrundkrieg, und dann sind schon fast zwei Stunden um, und es muss alles ganz schnell gehen. Weil Ridley Scott für Moses' Zeit als Prinz von Ägypten viel Zeit verwendet und sich immer wieder auf Nebenschauplätze verirrt, werden die zehn Plagen dann relativ zügig abgehandelt, genau wie der Auszug der Israeliten aus Ägypten. Natürlich wartet man vor allem darauf, dass das Meer geteilt wird. Das ist allerdings enttäuschend: Christian Bale wirft einfach sein Schwert ins Wasser. Was die Computereffektspezialisten dann veranstalten, ist durchaus ansehnlich, aber auch nicht wirklich beeindruckend. Das Drehbuch handelt brav die Stationen in Moses' Leben ab. Die inneren Konflikte, die diese biblische Figur hätten spannend machen können, bleiben Randnotizen, für Zwischentöne bleibt keine Zeit.

Aberwitziges Kostüm- und Maskenbild

Wohlwollend könnte man sagen, dass "Exodus" in seinen guten Momenten wie ein großer Film aus den 50-ern wirkt: jede Einstellung, jeder Satz ist ein Monument. Doch wirkt der Gigantismus, der "Die Zehn Gebote" (1956) noch zu einem überragenden Moses-Film machte, komplett aus der Zeit gefallen, genau wie das aberwitzige Kostüm- und Maskenbild: die Augen geschminkt, die Haut gebräunt, die Gewänder goldig. Man sieht genau, wer gut ist, wer böse, wer verschlagen. Dass die erstklassigen Darsteller bei so vielen Klischees latent unterfordert sind, ist nur logisch. Christian Bale als Moses und Joel Edgerton als Ramses können einem fast schon leid tun. Arme Könige.

Eines kann man Ridley Scott aber nicht nachsagen: Faulheit. Bei so vielen Produktionen ist es kein Wunder, dass nicht jede gelungen ist, könnte man sich fast denken. Im Mai startete in den deutschen Kinos seine Regiearbeit "Alien: Covenant", im Februar 2018 soll "All the Money in the World" anlaufen. Als Produzent arbeitete er in diesem Jahr bereits bei sechs unterschiedlichen Filmen mit, unter anderem bei dem am 9. November erscheinenden Remake von "Mord im Orient-Express".


Quelle: teleschau – der Mediendienst