In einer neuen SAT.1-Sendung will Sex-Expertin Paula Lambert gemeinsam mit anderen Coaches den Kandidaten den Schrecken vor dem eigenen Körper zu nehmen. Das Besondere: Die Coaches sind alle nackt.

Sie habe "ihren Hintern immer zu verstecken versucht", erklärt Paula Lambert (45) unter einem Instagram-Post vom Dezember 2019. Kaum vorstellbar, hat sich die Journalistin, Moderatorin und Kolumnistin doch vorwiegend einen Namen damit gemacht, ganz ungeniert und unpeinlich über Körperlichkeit, Sex und Selbstliebe zu reden und zu schreiben. Doch so geht es vielen, jeder Fünfte ist laut einer Forsa-Umfrage unzufrieden mit dem eigenen Körper. Das Foto ihres Insta-Beitrages zeigt "Sexpertin" Paula Lambert nun also nackt: von hinten und ohne instagram-typische Pose, Filter oder Bearbeitung – Hand in Hand mit drei Kandidaten des am 13. Januar, 20.15 Uhr, startenden TV-Projekts "No Body Is Perfect" auf SAT.1. Die zweifache Mutter wird in der neuen Sendung zusammen mit drei weiteren Coaches versuchen, Teilnehmern den Schrecken vor dem eigenen Körper zu nehmen. Was die Beziehungs- und Sexexpertin für sich dabei lernte, erzählt sie im Telefoninterview.

prisma: Entschuldigen Sie die etwas anrüchige Frage, aber sind Sie gerade nackt, Frau Lambert?

Paula Lambert: Nein, das nicht. Ich laufe zu Hause normalerweise nicht nackt herum, auch wenn ich mich dabei immer besser fühle (lacht).

prisma: Woran liegt's?

Lambert: Zum einen wohne ich in Ostberlin, wo man das unverkrampfte Verhältnis zu Nacktheit vor allem an den Badeseen noch heute sehen und erleben kann. Aber auch die Sendung war eine Befreiung für mich. Ich lernte dort, mich nicht mehr allzu ernst zu nehmen. Es ist ganz einfach: egal! Wenn man viel Zeit mit jemand anderem verbringt, ist es doch völlig hinfällig, wie dieser jemand aussieht, es zählt nur, was er sagt und was er tut. Aussehen verliert dabei an Bedeutung, und das hat etwas sehr Öffnendes.

prisma: Sie wurden als offenherzige Expertin rund um das Thema Sex bekannt. Gerade bei Ihnen vermutet man doch, Nacktheit wäre keinerlei Problem für Sie.

Lambert: Es gibt durchaus unterschiedliche Formen von Nacktheit. Bei jemandem, den man liebt und bei dem man sich sicher fühlt, kommt es – idealerweise – zu keiner Bewertung. Außerhalb dieses intimen Kreises ist das aber anders, da spielen Verletzlichkeiten eine viel größere Rolle.

prisma: Geht es dabei nicht vor allem um Eitelkeiten?

Lambert: Nicht bei allen. Gerade in der Sendung wird deutlich, dass diese Angst tief sitzen kann. Da spreche ich etwa von einer Frau in "No Body is perfect", die nach einer Brustkrebs-OP keine Brüste mehr hat, also auch keine künstlichen. Niemand weiß das, niemand durfte sie bisher so sehen. Da ist Nacktheit noch mal etwas ganz anderes.

prisma: Kann man Nacktheit lehren?

Lambert: Man kann beibringen, dass die Vorstellung, was andere Leute über deinen Körper denken, viel größer ist als die Realität. Schon während des ersten Drehtages merkte man, dass es völlig egal war, dass da Nackte am Set sind. Anfangs befürchtete ich auch, dass es megagruselig für mich wird, den ganzen Tag angeglotzt zu werden. Aber das Team hat nicht gekuckt, die Teilnehmer nach kurzer Zeit ebenfalls nicht mehr, und dann ging es nur noch um Inhaltliches. Es war sehr, sehr schön, das zu bemerken.

prisma: Ganz ohne Peinlichkeiten und Weglächeln?

Lambert: Es ist keine einzige unangenehme Situation entstanden. Auch Selbstironie oder ein bewusst humorvoller Umgang mit dem Nacktsein waren einfach nicht nötig. Darum ging es ja. Wir als Coaches sind nackt, um zu zeigen, dass es Vollkommenheit nicht gibt und so auch keinen Grund für Peinlichkeit. Es geht darum, sich mit sich und seinem Körper wieder wohlzufühlen, und darum, alledem nicht zu viel beizumessen.

prisma: Wie beim FKK.

Lambert: Ja, es fiel so viel, das zum eigentlichen Selbstverständnis gehört, von einem ab: was man anzieht, was die anderen über einen denken, wie das sitzt, ob etwas einschneidet, drückt oder sonst was. Das war total befreiend. Vor allem, wenn man bedenkt, wie unvorstellbar für viele Teilnehmer es anfangs war, die Hüllen fallen zu lassen. Das hat viele Emotionen, sogar Panik und irrationale Ängste zutage gebracht.

prisma: Zu einem Instragram-Foto vom Set, auf dem unter anderem Sie nackt von hinten zu sehen sind, beschreiben Sie ein ähnliches Wegducken früher.

Lambert: Das war so, bevor ich festgestellt habe, dass es viel elementarer für mich, mein Wirken und meine Arbeit ist, was ich zu sagen habe – weit mehr als mein Aussehen. Dieses ständige Bewerten, das sowohl in den Medien als auch im täglichen Umgang stattfindet, ist völlig sinnlos. Das machen nur Menschen, die sich weigern, tiefer zu gehen, und die Angst haben vor Emotionalität.

prisma: Das klingt so, als ob Sie schon öfter auf solche Menschen gestoßen wären.

Lambert: Man muss doch nur in den sozialen Medien aktiv sein, wo man massenweise mit Ignoranz konfrontiert ist. Das ist so nervig, blöd und völlig unnötig, dass mich das immer wieder ärgert. Und ich brauche kein Prophet zu sein, wenn ich behaupte, dass ab der ersten Ausstrahlung von "Every Body is perfect" am 13. Januar die Post abgehen wird. Ich wappne mich da schon vor Aggression und Beleidigungen.

prisma: Aufregung bringt Quote.

Lambert: Doch der Skandal bleibt aus. Die Botschaft der Sendung lautet, dass alles okay ist. Es geht um ein inneres Gefühl und nicht um eine äußere Zurschaustellung.

prisma: Trotzdem wird es Menschen geben, die einschalten in der Hoffnung, Paula Lambert nackt sehen zu können.

Lambert: Mag sein, aber das ist doch erbärmlich. Wir wollen Menschen helfen, ihr Selbstbild zu stärken. Ohnehin werden diese Zuschauer enttäuscht sein. Denn für Voyeure ist die Sendung gar nichts. Wir setzen hier niemanden auf den Präsentierteller, und ich stehe auch nicht im Mittelpunkt.

prisma: Kann mehr Nacktheit gegen Sexismus helfen? Die Oben-Ohne-Proteste der feministischen Gruppe Femen etwa versuchten dies in der Vergangenheit.

Lambert: Wenn richtig darüber diskutiert werden würde, dann schon. Oft enden Berichterstattung und Diskussion aber, bevor dies geschehen kann, und die Aktionen bleiben als stumpfe Provokation stehen. Genauso helfen die immer gleichen blöden männlichen Sprüche und Witze nicht. Ganz im Gegenteil. Eine Grundlage wäre, sich einzutrichtern: Ein nackter Körper ist nicht per se ein Sexualobjekt, sondern erst einmal nur ein nackter Körper.

prisma: Das beginnt in der Erziehung. Sie haben zwei Söhne. Wie gehen Sie im Familienleben mit Nacktheit um?

Lambert: Meine Kinder wissen, dass Nacktsein etwas völlig Normales ist. Ich verstecke mich auch nicht vor ihnen. Doch umso älter sie werden, umso weniger wissen sie das natürlich zu schätzen (lacht). Es ist ganz selbstverständlich, dass Teenager sich abgrenzen und selbst entscheiden wollen. Trotzdem pflegen wir da einen sehr natürlichen, ohne Scham behafteten Umgang. Dass man wiederum keine Nacktfotos von sich ins Internet stellt, wissen sie auch.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH