Der neue Freund von Kommissarin Behrendsen wird tot am Strand gefunden. Die Polizistin gerät unter Mordverdacht, denn die mutmaßliche Tatwaffe ist mit ihren Fingerabdrücken übersät. Aber auch eine Gruppe nackter Robbenschützer ist verdächtig.

Kommissarin Ina Behrendsen (Julia Brendler) hat schlechte Karten: Der Tote, der am Sylter Strand gefunden wird, war seit ein paar Wochen mit ihr verbandelt. Zudem wird auch noch Inas Wagenheber entdeckt, mit dem der ehrenamtliche Robbenschützer erschlagen wurde. Dabei hatte Ina doch zur Tatzeit joggend ein paar Runden um den Leuchtturm gedreht und anschließend die Leiche gefunden. Dass der Wagenheber ausgerechnet in der Nähe eines Hippie-Protestcamps namens "Nackte Robbe" entdeckt wird, bringt allerdings auch die nackten Tierschützer in Bedrängnis. Spätestens, als der väterliche Oberkommissar Carl Sievers (Peter Heinrich Brix) knallhart feststellt: "Ina und der Tote waren ein Liebespaar" und dabei in die leichte Brise blinzelt, ist klar, das in "Nord Nord Mord – Sievers und die tödliche Liebe" kein Klischee ausgelassen werden wird. Man muss nur bedenken, dass Sievers, den man eigentlich – ähnlich wie Horst Krause in seinen Polizistenfilmen – lieber nach dem Namen seines Darstellers einfach Brix nennen möchte, weil er doch nach drei Filmen so sehr mit seiner Figur verwachsen ist, alles fest in seinen Händen hält.

Bald stellt sich – welche Überraschung! – heraus, dass Sievers vor langer Zeit mal mit der Mutter des Opfers zusammen war. Das gibt Gelegenheit, über alte Zeiten zu reden, über eine Familie, die sich auf Lügen baute, wohl auch weil Sievers damals nicht mitgezogen hatte, vor allem aber über den jetzt toten Sohn, der versucht hatte, das familieneigene Taxiunternehmen über die Runden zu bringen. Dabei nahm der Womanizer gerne auch mal die Hilfe von Frauen an. "Leo hatte mehr zu bieten", so erfährt man gewissermaßen hinter vorgehaltener Hand.

Während man noch um die illustre Nacktenschar der Robbenschützer fürchten muss, die sich im Sylter Wind vielleicht erkälten könnten, fliegt bereits der Kutter eines mit Leo befreundeten Skippers in die Luft. Gemeinsam hatten sie eine Art Robben-Tourismus aufziehen wollen. Das gibt ihren nackten Gegnern dann vielleicht doch recht in ihrer Wut. Aber auch Leos Bruder Max hat das Ganze nicht gefallen. Ob er eben doch nicht der feinfühlige Mensch ist, als der er sich so gerne gibt?

Es sind dann aber doch einmal mehr die privaten Gefühle, die dem Fall eine andere – erwartbare – Richtung geben. Selbst bei Inas Kollegen Hinnerk Feldmann (Oliver K. Wnuk) macht sich irgendwann eine gehörige Portion Eifersucht breit – warum sollte das bei einer enttäuschten Sylter Dame (großartig: Juliane Köhler) nicht genau so sein?

Was die Arbeit der Ermittler betrifft, so hat man selten ein besser funktionierendes Team beim Spiel mit vorhandenen Krimiklischees gesehen als in dieser Waterkant-Kriminalkomödie (Buch und Regie: Berno Kürten). "Die eiskalte Nordsee schweißt zusammen!", sagt Sievers am Schluss so schief wie trefflich. Der Mann bringt es auf den Punkt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH