Meisterwerk von Alfred Hitchcock

"Psycho"-Jubiläum: Sieben Drehtage für eine einzige Szene

von Jan Treber

Vor genau 60 Jahren startete "Psycho" in den Kinos. Vielen Kritikern gilt der Film als bester Thriller aller Zeiten, doch einen Oscar gab's dafür nicht. Allein für die berühmte Duschszene brauchte Alfred Hitchcock sieben Tage.

Es ist wohl der berühmteste Tod in der Filmgeschichte: Eine junge Frau unter der Dusche, ein Schatten hinter dem Vorhang. Ein Messer, das immer wieder zusticht. Blut erst in der vorletzten von 70 Kameraeinstellungen. Sieben Tage brauchte Alfred Hitchcock, um die berühmt-berüchtigte Duschszene aus "Psycho" zu drehen. Mit seinem Meisterwerk des Suspense-Thrillers, das in Sachen Gewaltdarstellung alles bisher da Gewesene in den Schatten stellte, schuf Hitchcock etwas völlig Neues. Am 16. Juni 1960, vor genau 60 Jahren also, wurde der Film erstmals in den US-Kinos gezeigt.

Es waren tatsächlich die ersten Vorführungen. Die sonst schon damals übliche Aufführung vor einem Testpublikum ließ Hitchcock nicht zu, auch die Presse bekam den Film vorab nicht zu sehen. Darüber hinaus verbot Hitchcock den Kinobetreibern, auch nur eine Minute nach Beginn der Vorstellung noch irgendjemanden in die Säle zu lassen. In den Foyers vieler Kinos lief ein Countdown. Eine eigenwillige, aber wirkungsvolle Maßnahme.

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Auch wenn Hitchcock mit "Psycho" ein nachhaltiger Angriff auf die Sehgewohnheiten des Kinopublikums gelang – die Brutalität, die der Zuschauer in der Duschszene vermutet, findet in erster Linie in dessen Kopf statt: Kein einziges Mal dringt das Messer sichtbar in den Körper ein, Blut ist erst am Ende zu sehen. Es ist die unheimliche Atmosphäre, die diesen Moment so gewaltgeladen macht. So ist Marion Craine (Janet Leigh), die erste Sympathieträgerin in diesem Film, nach 45 Minuten tot. Auf eine Identifikationsfigur muss der Zuschauer nun verzichten.

Es sei denn, er erwählt Norman Bates (Anthony Perkins), den Besitzer des Hotels. Der wirkt zwar etwas seltsam und versucht, die Spuren des Mordes zu beseitigen, aber: Irgendwie macht er doch einen ganz sympathischen Eindruck. Bates ein Mörder? Niemals. Vielmehr scheint es, als sei die schwer kranke Mutter für das Schicksal der Marion Craine verantwortlich. Sie lebt in einem etwas zurückgesetzten Herrenhaus nahe dem Hotel und scheint auf den jungen Mann einen dominanten Druck auszuüben. Sie glaubt man schließlich auch bei dem brutalen Mord zu sehen ...

Hitchcocks Klassiker zählt zu den besten Thrillern aller Zeiten. Mit Produktionskosten von 800.000 Dollar war "Psycho" auch für damalige Zeiten ein ausgesprochen preiswerter Film. Bereits wenige Jahre nach Kinostart hatte er das 16-Fache eingespielt. Die Anerkennung als Meisterwerk wurde ihm damals dennoch nicht zuteil. "Psycho" wurde für vier Oscars nominiert, erhielt aber keinen einzigen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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