Madeleine Niesche ist der neue Star in "Rote Rosen". Die 46-Jährige stößt in der 15. Staffel der Erfolgstelenovela zum Ensemble und spielt die Keramikmeisterin Sonja Pasch. Das Erste zeigt 200 neue Folgen, die ab dem 27. Februar (immer von Montag bis Freitag, jeweils um 14.10 Uhr) zu sehen sind. Ein Gespräch über den schmalen Grat zwischen Romantik und Kitsch und die Freude einer Frau Mitte 40 über eine Hauptrolle als Serienheldin.

prisma: Madeleine Niesche, definieren Sie doch mal aus Ihrer Sicht den Begriff "Romantik".

Madeleine Niesche: Romantisch ist für mich zum Beispiel ein gemütliches Zimmer mit Kerzenschein, in dem man sitzt und aus dem Fenster guckt, und draußen schneit es.

prisma: Und dazu gibt es noch eine Flasche Wein?

Niesche: Ja, selbstverständlich (lacht). Und natürlich ist der Liebste auch dabei.

prisma: Klingt natürlich klischeehaft ...

Niesche: Ja, aber es ist doch etwas, das einem das Herz erwärmt. Das beschriebene Bild hat für mich vor allem etwas mit Geborgenheit zu tun. Ich mag es jedenfalls. Aber ich finde Romantik auch in kleinen Dingen, etwa in Humor.

prisma: Wann haben Sie denn zuletzt etwas Romantisches erlebt?

Niesche: Gestern Abend mit meinem Mann. Ich hatte frei, war zu Hause, und wir haben es genauso gemacht wie eben gesagt: Flasche Wein auf den Tisch, Kerze an, und wir haben gequatscht und gelacht.

prisma: Und wo ist in Ihren Augen die Grenze zwischen Romantik und Kitsch?

Niesche: Die ist genau dort, wo ich auf den Kerze-Wein-Tisch noch Glitzersteine lege und dazu "Kuschelrock" oder Wasserplätschergeräusche anmache. Da hört Romantik auf und fängt etwas so Albernes an, dass ich einen Lachanfall bekomme.

prisma: Im Job haben Sie aber keine Angst vor Kitsch, oder?

Niesche: Ich finde nicht, dass ich Kitsch spiele. Ich kann und will auch gar keinen Kitsch spielen. Bei Kitsch rollen sich mir die Fußnägel hoch. Klar, Kitsch ist manchmal auch etwas fürs Herz, aber eben auch sehr unglaubwürdig.

prisma: Die von Ihnen verkörperte Figur der Sonja Pasch in "Rote Rosen" ist ja auch nicht nur in rosaroten Szenen zu erleben.

Niesche: Richtig. Sie steht wie ich mit beiden Beinen voll im Leben und ist auch mit einer gewissen Portion Humor ausgestattet ...

prisma: Und handwerklich begabt. Es heißt, Sie hätten für "Rote Rosen" extra töpfern gelernt.

Niesche: Genau. Ich fand's auch ganz toll, dass ich die Möglichkeit bekam, es zu lernen. So mussten wir beim Drehen nichts faken. Ich konnte einfach spielen und zeigen, dass ich es kann.

prisma: Wenn man sich Ihre Vita als Schauspielerin anschaut, fallen immer wieder Formate auf wie "Unter Uns", "Verbotene Liebe" und Ähnliches, also die klassischen Nachmittags- und Vorabend-Soaps. Sind die nur beruflich für Sie interessant oder sitzen Sie, wenn Sie Zeit haben, auch gerne vorm Fernseher, wenn so etwas läuft?

Niesche: Ich gucke generell ganz wenig fern – und nachmittags habe ich auch gar keine Zeit dazu, auch noch nie gehabt. Ich gucke zwar manche Serien, dann aber eher gezielt in den Mediatheken oder im Streaming-Angebot.

prisma: Demnach sind Sie auch noch nie Soap-süchtig gewesen?

Niesche: Nein (lacht).

prisma: Aber Sie können verstehen, dass Menschen Soap- und Telenovela-süchtig sind und deshalb ein Format wie "Rote Rosen" so erfolgreich ist, dass jetzt schon die 15. Staffel läuft?

Niesche: Ja, das kann ich schon verstehen – auch weil ich es ja sehe, bei den Vorabnahmen im Studio. Ich finde, in "Rote Rosen" gibt es ganz süße Geschichten. Ich würde es nicht seicht nennen, aber es ist eben auch keine investigative Serie über irgendwelche Verbrechen oder Problemgeschichten. Und was ich an "Rote Rosen" besonders mag, ist dass eine Frau Mitte 40 im Mittelpunkt steht, also in meinem Alter, die noch mal etwas Neues anpackt, auch einen neuen Partner findet, mit allen Schwierigkeiten, die das mit sich bringt. Es werden keine Teenagerprobleme behandelt.

prisma: Wobei sich Ihr Seriensohn ja zur selben Zeit verliebt wie Sie. Geschichten, die das Leben schreibt, oder?

Niesche: Das stimmt (lacht). Es sind eben Geschichten, bei denen man als Fernsehgucker gerne dran bleibt.

prisma: Würden Sie an der Arbeit auch gerne dranbleiben? Sie sind erst seit einigen Monaten dabei, aber könnten Sie jetzt schon sagen, dass Sie auch auf lange Sicht gerne ein "Rote Rosen"-Star wären?

Niesche: (lacht) Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber die Geschichte meiner Figur ist ja schon zu Ende gedacht, und es ist klar, wann mein Vertrag endet. Wenn nicht irgendetwas anderes dazwischen kommt, drehe ich bis Mitte September. Aber das heißt ja nicht, dass ich nicht noch mal wieder kommen könnte. Es ist zwar ein ordentliches Arbeitspensum, aber auch ein großer Zusammenhalt, und es herrscht ein sehr familiäres Klima innerhalb der Firma. Und klar, so etwas wäre auch auf Dauer denkbar.

prisma: Was machen Sie denn ab Mitte September?

Niesche: Ich habe noch keine Pläne und hoffe, dass ich etwas anderes drehen werde. Ansonsten werde ich mich wieder dem Theaterspielen zuwenden.

prisma: Was wäre Ihr schauspielerischer Wunschjob beim Fernsehen?

Niesche: Natürlich einer beim "Tatort". Oder in einem neuen Format. Ich komme ja aus der Müritzgegend und würde mir einen Müritzkrimi wünschen, allein weil die Gegend so schön ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst