Von den "Haus des Geldes"-Machern

"Sky Rojo": Diese Netflix-Serie erhöht das Adrenalinlevel

von Julian Weinberger

Drei Prostituierte auf der Flucht: Die neue Netflix-Serie "Sky Rojo" hat es in sich. Eine tiefgründige Handlung sollte der Zuschauer aber nicht erwarten.

Welches Schicksal erwartet den Professor (Álvaro Morte)? Und schafft es seine Räuberbande erneut, sich nach einem großen Coup vor der Polizei davonzustehlen? Wann sich diese Fragen in der finalen Staffel des Netflix-Erfolges "Haus des Geldes" klären, ist noch unklar. Einen Starttermin der abschließenden Folgen gibt es noch nicht, wohl soll es aber noch in diesem Sommer so weit sein. Bis dahin können sich Streamingfans mit der neuen Serie der "Haus des Geldes"-Macher Álex Pina und Esther Martínez Lobato, "Sky Rojo" (ab 19. März), die Zeit vertreiben – und die hat es in sich.

Schon im Vorfeld hatte sich das PR-Team von Netflix weit aus dem Fenster gelehnt. Von "Latin Pulp" war da die Rede, von purem Adrenalin, schwarzem Humor und jeder Menge Action. In der Tat ist die achtteilige Serie ein atemloser, greller Trip, bei dem in knackigen, etwa 25 Minuten langen Episoden eine Überraschung die nächste jagt. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Freundinnen Wendy (Lali Espósito), Gina (Yany Prado) und Coral (Verónica Sánchez), die als Erzählerin durch die Handlung führt.

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Die drei Frauen arbeiten als Prostituierte in einem Nachtclub auf Teneriffa, wo sie unter der Fuchtel des knallharten Zuhälters Romeo (Asier Etxeandia) stehen. Der führt sein Etablissement mit eiserner Hand und duldet keinerlei Widerspruch. Nach einem Streit mit Gina, die dem Nachtclub gerne den Rücken zukehren würde, kommt es zu einem verhängnisvollen Unfall, der das Frauentrio zur Flucht zwingt.

Zwei Tote, eine Schlägerei, eine kaputte Windschutzscheibe, diverse Zeitsprünge und eine verwundete Prostituierte – schon in den ersten 20 Serienminuten greift "Sky Rojo" in die Vollen. Die Schnitte fliegen dem Zuschauer nur so um die Ohren. Zeit zum Durchatmen gibt es nicht, ebenso wenig eine wirkliche Annäherung an die Figuren. Die Hintergrundgeschichte des flüchtigen Frauentrios wird in kurzen Zerrbildern aus deren Vergangenheit allenfalls angedeutet, bevor schon die nächste Katastrophe auf der planlosen Odyssee der Damen wartet.

Schließlich sind Romeos treue Handlanger Christian (Enric Auquer) und Moisés (Miguel Ángel Silvestre) den abtrünnigen Sexarbeiterinnen bereits auf der Spur. Um auch den letzten Zweifel auszuräumen, wer hier die Guten und die Bösen sind, dichten die Drehbuchautoren um Pina und Lobato einem der Schergen ein Aggressionsproblem an, dem er im großspurigen Proleten-Duktus nochmals Nachdruck verleihen darf: "Er hat mir gedroht, und mir droht nicht mal Gott."

Auch ansonsten ist das Skript mitunter überaus primitiv. Romeo, der langhaarige Mephistopheles auf dem Chefsessel, stilisiert sich mit pseudophilosophischem Gebrabbel zum Künstler, der doch das Beste aus den Frauen herausholt. Und überhaupt: "Ein Zuhälter ist vor allem ein Psychologe." Noch Fragen? Coral, Wendy und Gina träumen derweil in bester Kalenderspruchmanier von einem neuen Leben: "Du entscheidest, was du sein willst", flößt Wendy an seiner Stelle der verzweifelten Gina ein.

Sollten Zuschauer inmitten von Kugelhagel und tarantinoesken Blutsalven vergessen haben, dass "Sky Rojo" im Rotlichtmilieu spielt – die derbe und ordinäre Sprache verdeutlicht immer wieder reichlich primitiv, dass man sich im kriminellen Milieu befindet. Unterm Strich ergibt "Sky Rojo" in Kombination mit den durchwachsenen schauspielerischen Leistungen einen reichlich chaotischen und ziemlich oberflächlichen Genremix. Das mag phasenweise unterhaltsam sein, erzählerisch ausgefeilte Serienkost mit interessanten Figuren bietet "Sky Rojo" aber nicht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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