"Unter uns"-Schauspieler

Jan Ammann ist der neue Chris Weigel: "In 20 Jahren ist viel passiert"

von Franziska Wenzlick

Chris Weigel ist wieder da: In der RTL-Serie "Unter uns" kehrt er nach 20 Jahren von den Malediven zurück. Verkörpert wird die Rolle nun von Musical-Darsteller Jan Ammann.

Normalerweise ist er auf der Musicalbühne zu Hause. Nun steht Jan Ammann als fleischgewordene Neuauflage eines echten "Unter Uns"-Publikumlieblings vor der Kamera: Chris Weigel, Sprössling der zentralen Konditor-Familie Weigel, verschwand 1997 (damals noch dargestellt von Oliver Bootz) gemeinsam mit Ehefrau Corinna auf die Malediven und kehrt jetzt, 23 Jahre später, samt Frau und Kindern nach Deutschland zurück. Der Part in "Unter uns" (Montag bis Freitag, 17.30 Uhr, RTL) ist die erste große TV-Rolle für Jan Ammann, der sonst als Hauptdarsteller in Werken wie "Dr. Schiwago" oder "Tanz der Vampire" zu sehen ist. Wie groß die Unterschiede zwischen Bühnenauftritt und Soap-Dreh tatsächlich sind und warum es ihn erst jetzt ins Fernsehen zieht, erzählte der 45-Jährige nun im Interview.

prisma: Ab 15. März dürfen Sie bei "Unter Uns" in die Rolle des Malediven-Rückkehrers Chris Weigel schlüpfen. Wie viel Chris Weigel steckt in Jan Ammann?

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Jan Ammann: Das ist tatsächlich spannend: Es gibt sehr, sehr viele Parallelen und Ähnlichkeiten. Beim Lesen und Erarbeiten der Rolle habe ich mir wirklich ein paarmal gedacht: Wow, das ist schon nah dran – selbst die Kleidung ist sehr ähnlich. Das ist auch eine Herausforderung, das zu spielen. Denn oft funktioniert das Erarbeiten von Rollen durch die Gegensätzlichkeit.

prisma: Normalerweise stehen Sie auf der Bühne, für "Unter Uns" nun auch vor der Kamera. Worin liegen die Unterschiede, wenn man sich auf eine Rolle vorbereitet?

Ammann: Bei einer Serienrolle wie bei "Unter Uns" ist es so, dass die Geschichte eigentlich kein Ende nimmt. Es geht immer voran. Bei einer Rolle, die man auf der Bühne spielt, fängt man mit dem Stück an und man endet auch damit. Dass das bei meiner neuen Rolle anders ist, macht es sehr aufregend.

prisma: Vor mehr als 20 Jahren verließ Oliver Bootz, der ursprünglich Chris Weigel spielte, die Sendung. Haben Sie sich in Ihrer Darstellung an Ihrem Vorgänger orientiert?

Ammann: Nein, nicht wirklich, denn natürlich verändert sich eine Rolle, wenn sie lange weg war. Ich bin dankbar, dass Chris Weigel nach über 20 Jahren von den Malediven zurückkommt und sich dementsprechend natürlich auch hie und da verändert hat. Das gibt mir einen schönen kreativen Raum. Immerhin ist in den 20 Jahren viel passiert und Menschen ändern sich.

prisma: Sind Sie selbst Fan solcher Serien?

Ammann: Wenn ich einschalte, bleibe ich gerne mal daran hängen, ja. Ich mag die Geschichten, die erzählt werden: Das sind Geschichten aus dem Leben, das spricht mich an.

prisma: Welches Programm läuft bei Ihnen?

Ammann: Ich bin ein Serien-Fan – natürlich ist jetzt in der Corona-Zeit mein Netflix-Konto ohne Ende ausgereizt. "The Crown" schaue ich zum Beispiel wahnsinnig gerne. Das finde ich großartig und ich freue mich schon auf die nächste Staffel, die hoffentlich kommt. Ich sehe sehr gerne gutes Schauspiel, daran habe ich viel Freude.

prisma: Eine gewisse Affinität zu Monarchen ist wohl nicht von der Hand zu weisen: Sie standen viele Jahre lang für das Musical "Ludwig²" als König Ludwig II. auf der Bühne. Gibt es eine Rolle, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ammann: Der König Ludwig aus Bayern liegt mir sehr am Herzen, den spiele ich ja auch immer wieder, weil das für mich eine Art "Homecoming" ist. Das ist ähnlich wie beim Graf von Krolock aus "Tanz der Vampire". Auch "Doktor Schiwago" und die beeindruckende Reise durch das Liebesleben von Jurij Schiwago war für mich schauspielerisch eine sehr spannende Aufgabe. Jede Rolle hat ihren Reiz. Den muss man finden. Man muss auch immer wieder auf der Hut sein, um da wirklich den Kern zu treffen. Mir macht die Arbeit einfach Spaß.

prisma: Hat auch Chris Weigel auf den Malediven seine musikalische Ader entdeckt?

Ammann: Gute Frage! Ich bin gespannt, was da musikalisch noch auf mich zukommt. Ich wäre aber nicht abgeneigt, das ein oder andere Tönchen zu singen.

prisma: Wie kamen Sie zu der "Unter Uns"-Rolle?

Ammann: Ich war tatsächlich selbst überrascht. Die Produktion und ich hatten schon einmal Kontakt vor einigen Jahren. Insofern war ich wohl noch im Hinterkopf. Nach dem Vorsprechen habe ich dann ein Stoßgebet ans Universum geschickt – und bin offensichtlich erhört worden.

prisma: Sie haben die ersten Drehtage nun hinter sich. Können Sie bereits ein Fazit ziehen: Bühne oder Set?

Ammann: Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe viel zu lernen am Set. Da gibt es sehr komplexe, technische Voraussetzungen, die man lernen und erfüllen muss. Das macht aber viel Spaß. Ich habe das Gefühl, ich wachse täglich. Ich habe mir in meiner Schauspielerkarriere als Musical-Darsteller ein bisschen Veränderungen gewünscht und bin sehr glücklich, dass mir diese Chance gegeben wurde. Auf der anderen Seite ist "Unter Uns" eine gute Schule, weil man am Tag schon einiges an Pensum zu drehen hat. Auch die Texte wollen gelernt sein. Man muss gut vorbereitet sein- alles muss sitzen.

prisma: Träumten Sie schon lange davon, vor der Kamera zu stehen?

Ammann: Der Wunsch war immer da. Tatsächlich hat mich meine Sicht auf mich selbst daran gehindert. Ich dachte immer, ich bin zu groß fürs Fernsehen: Ich bin 1,93 Meter groß und befürchtete, das Fernsehformat macht mich noch breiter und noch kräftiger. Ich dachte immer, im TV wäre ich Benjamin Blümchen und alle anderen sind Otto. Das wollte ich nicht. Für "Unter Uns" habe ich also schon fleißig an der Waage getunt, aber an der Körpergröße kann ich halt nichts ändern.

prisma: Bevor Sie sich der Schauspielerei zuwandten, haben Sie eine Tischlerlehre absolviert ...

Ammann: Wie sagt man so schön: Lern erst mal etwas Gescheites, bevor du verrückt wirst! Ich habe sehr viel Freude am Handwerk und bin mit Leib und Seele Handwerker. Ich weiß natürlich nicht, ob ich jetzt noch in einer Schreinerei arbeiten könnte, schließlich ist heutzutage alles computergesteuert. Aber ich habe die Zeit damals sehr genossen und bin bisweilen auch echt froh, dass ich noch handwerkliches Geschick habe. Zum Beispiel, wenn es darum geht, die Küche zu planen oder Dinge zu bauen.

prisma: Als Chris Weigel "Unter Uns" verließ, war er Polizist. Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Ammann: Tatsächlich wäre ich beinahe in die Fußstapfen meines Vaters getreten und wäre Arzt geworden. Die Medizin ist mir immer noch sehr nah. Ich studiere auch nebenbei Ernährungswissenschaft, beziehungsweise Ernährungsberatung im Bereich Sport. Das ist für mich sehr interessant. Ich bin gerne aktiv. Deshalb ist es natürlich naheliegend, dass man das auch studiert, wenn man das entsprechende Interesse hat.

prisma: Wie bringen Sie Ihr Studium mit der Schauspielerei in Einklang?

Ammann: Das lässt sich gut verbinden. Fitness ist immer wichtig. Mein Studium ist zum Glück ein Fernstudium, das ich natürlich jetzt erst einmal auf Eis gelegt habe. Aber ich kann das so planen und gestalten, wie ich will. Das macht es mir ein bisschen leichter. Ich habe keine Pflicht-Anwesenheit. Das heißt, ich kann alles online machen und auch meine Prüfungen online absolvieren. Das ist ja aufgrund der Pandemie sowieso gerade Mode geworden.

prisma: Waren die Corona-Maßnahmen und die damit einhergehenden Veranstaltungsabsagen ein Grund für Ihr Engagement bei "Unter Uns"?

Ammann: Der Kontakt bestand ja schon davor. Damals war es nicht möglich, weil ich halt meine Musical-Verpflichtungen hatte. Aber es ist schon ein gutes Timing.

prisma: Was vermissen Sie am meisten daran, auf der Bühne zu stehen?

Ammann: Ich vermisse meinen Freund, das Publikum. Das Publikum im Gesamten ist für mich eine Art Lebewesen: Das ist so ein eigener Mikrokosmos, der eine Stimmung erzeugt und verursacht. Und dieses unsichtbare Wesen, das man anspielen kann und mit dem man respondiert und zusammenspielt, das vermisse ich schon. Aber jetzt ist die Kamera für mich das Publikum, und ich muss wirklich versuchen, diese Energie zu finden. Das sind ja auch etwas andere Techniken, die man anwendet. Man darf vor der Kamera nicht zu viel blinzeln, man darf nicht so viel Gesichtsakrobatik machen. Aber so lernt man halt.

prisma: Welche Hygienemaßnahmen müssen Sie am Set von "Unter Uns" einhalten?

Ammann: Jeden Tag gibt es einen Corona-Test. Wir müssen immer Mindestabstand halten. Wir haben immer Masken auf, nur, wenn die Szene gedreht wird, setzen wir sie kurz ab, dann kommt sie sofort wieder drauf. Da ist auch jemand dabei, der das ständig kontrolliert. Das ist bisweilen ein bisschen anstrengend, aber was will man machen? Das ist Vorschrift, und es ist auch wichtig, dass wir das einhalten, denn wir wollen das Virus natürlich nicht in unserem Haus haben. Alle möchten gesund bleiben.

prisma: Wie erging es Ihnen privat mit den Einschränkungen?

Ammann: Man gewöhnt sich daran, aber es ist nicht leicht. Was ich am schlimmsten finde, ist das "Social Distancing". Das Kontaktverbot und alles, was dazu gehört, finde ich extrem anstrengend. Aber dadurch, dass ich jetzt das große Glück habe, täglich arbeiten zu dürfen und nette Kollegen zu haben, ist es nicht mehr ganz so schlimm, wie es vor meiner Drehzeit war. Aber es ist schon echt taff, wenn das Zuhause die Safe-Zone ist und draußen herrscht die Pandemie – so fühlt sich das manchmal an. Das ist ein ganz, ganz unangenehmes Gefühl und ich mache tausend Kreuzzeichen, wenn das endlich vorbei ist.

prisma: Wie wollen Sie Ihren Job auf der Bühne und Ihre Rolle als Chris Weigel in der Zukunft unter einen Hut bringen?

Ammann: Im Theater- und Konzertbereich sind die Planungen sehr langfristig. So kann man dank Urlaubstagen und Drehpausen durchaus in beiden Welten gleichzeitig leben und wirken. Ich habe noch einige spannende Bühnen-Verpflichtungen, Konzerte und eine große Deutschlandtournee im nächsten Jahr vor mir, worauf ich mich ebenfalls sehr freue.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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