Oliver Stone erzählt in "Snowden" die wahnwitzige Geschichte des berühmtesten Whistleblowers der Welt als mitreißendes Politbiopic.

Whistleblower Edward Snowden veränderte mit seinem unfassbaren NSA-Datenleak die Welt. Dafür setzte der heute 36-Jährige, der seit mehreren Jahren im russischen Exil wohnt, sein Leben aufs Spiel. Wie es im Detail dazu kam, schildert der große cineastische Betrachter der US-Geschichte in einem atemberaubenden Film, der nun bei RTL seine Free-TV-Premiere feiert: Mit einem fantastischen Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle inszenierte Oliver Stone "Snowden" (2016) als mitreißend-intimes Polit-Biopic.

Seit den Tagen, in denen Snowden zwei Journalisten und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras im Hotel Mira in Hongkong die streng geheimen Daten übermittelte, galt er als einer der meistgesuchten Männer der Welt. Poitras hat die Zeit in jenem legendären Hotel bereits in ihrem gefeierten Dokumentarfilm "Citizenfour" verarbeitet. Oliver Stone interessiert sich vor allem für die Zeit, bevor sich der schüchtern wirkende Computerexperte in Hongkong verschanzte.

Mit seiner Freundin Lindsay (Shailene Woodley) lebt der junge Snowden, den Gordon-Levitt brillant verkörpert, erst an der Ostküste, wo er als IT-Experte für ein Subunternehmen der NSA arbeitet. Später wird er nach Hawaii versetzt, nachdem er zuvor allerlei Patrioten-Tests absolvieren musste. Je mehr Einblicke Snowden in die Spionage-Machenschaften der Regierung bekommt, desto mehr dämmert ihm, dass er handeln muss.

Von einem Tag auf den anderen verschwindet Edward Snowden Richtung Hongkong. Mit im Gepäck hat er Gigabytes an vertraulichen Dokumenten, die er den inzwischen nicht minder bekannten Journalisten Glenn Greenwald (Zachary Quinto) und Ewen MacAskill (Tom Wilkinson) per USB-Stick zur Veröffentlichung mitgibt. Währenddessen begeben sich CIA und Co. – im Film unter anderem in Gestalt von Nicolas Cage – auf die Jagd nach dem Whistleblower.

Fraglos steht Stone auf der Seite von Snowden und dessen Überzeugungstaten. Angenehmerweise erzählt das Politdrama aber keine Heldengeschichte. "Snowden" zeigt in dokumentarischer Intimität einen zweifelnden jungen Mann, der von seinem Gewissen lebenslang zerfleischt worden wäre, hätte er nicht so gehandelt. Davon zeugt das verschmitzte und überlegte Lächeln, das Gordon-Levitt am Ende im Asyl in Moskau auflegt, bevor er sich beinahe unmerklich in den echten Edward Snowden verwandelt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst