In Kärnten wurde ein unbeliebter "Holzbaron" gemeuchelt. Traditioneller kann ein "Tatort" eigentlich nicht sein. Und doch wurde gegen ein ungeschriebenes Gesetz verstoßen.

Ein "Tatort", solide wie eine Eichengarnitur und traditionell wie die Hirschgeweihe, die stumm von den Zimmerwänden grüßen. Die Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermittelten diesmal im sommerlich-idyllischen Kärnten. Weshalb die Episode "Baum fällt" gegen ein ungeschriebenes "Tatort"-Gesetz verstößt und warum eine geplante Filmvorführung am Drehort abgesagt werden musste, erfahren Sie hier.

Worum ging's?

Um das Verschwinden eines unbeliebten "Holzbarons". Der Juniorchef eines Kärntner Holzbetriebs ist im firmeneigenen Heizkessel zu Staub verfallen – nur sein Schultergelenk aus Titan blieb übrig. Eisner und Fellner wurden auf Geheiß des Seniorchefs aus Wien abkommandiert und hatten alsbald einen Verdächtigenkreis wie aus dem "Tatort"-Lehrbuch. Einen Naturschützer, der militant dem Waldkahlschlag trotzt. Verflossene Liebschaften, verzweifelte Schuldner. Das war ein Sonntagskrimi, übersichtlich und strukturiert wie ein Fichtenforst.

Worum ging's wirklich?

Um ein paar der großen Menschenheitsfragen, die sich gerade Männer im hinteren Lebensdrittel bisweilen stellen. Mit dem örtlichen Revierleiter Alois Feining (Karl Fischer) traf Eisner einen Weggefährten aus frühen Karrieretagen wieder, einen Buddha zitierenden Heimkehrer und Selbstentschleuniger. Es gehört nicht zum Originellsten, aber zum Schönsten dieses Alpenkrimis, wie die beiden bei Flaschenbier und Tischfußball verpassten Lebenschancen nachtrauerten und die Rolling Stones intonierten, so schief, dass sich die Dachbalken bogen. "You can't always get what you want – eh kloar!"

Wo entstanden die herrlichen Landschaftsaufnahmen?

Landschaftlich war dieser Alpenkrimi von schwer zu schlagendem Idyllwert. Gedreht wurde im August und September 2018 am Fuße des Großglockners, in Heiligenblut und Umgebung. Aktuell ist die Lage in der Kärntner Gemeinde im Nationalpark Hohe Tauern nicht annähernd so pittoresk, wie sie sich im "Tatort" darstellt. Nach heftigen Schnee- und Regenfällen gehört Heiligenblut zu den Orten, die zuletzt von der Außenwelt abgeschnitten waren. Eine geplante Filmvorführung am Drehort musste aufgrund der Wetterverhältnisse abgesagt werden.

Warum verstieß dieser "Tatort" gegen ein ungeschriebenes Gesetz?

Aufmerksame Krimigucker mögen kurz gezuckt haben: In der Rolle der verzweifelten jungen Mutter Valli Granitzer spielte Verena Altenberger, die neue "Polizeiruf 110"-Kommissarin aus München. Laut einem ungeschriebenen Gesetz des ARD-Sonntagskrimis hätte es das jedoch eigentlich nicht geben dürfen: dass eine Kommissarsdarstellerin eine Episodenrolle in einem anderen "Tatort" oder "Polizeiruf" spielt. Schließlich identifizieren die Zuschauer die Schauspieler mit den wiederkehrenden Kommissarsrollen. Warum es hier zur Ausnahme von der Regel kam, ist allerdings schnell erklärt: Die Dreharbeiten zum ORF-"Tatort" fanden früher statt als die zu Verena Altenbergers bereits gesendetem "Polizeiruf 110"-Debüt "Der Ort, von dem die Wolken kommen". Künftig jedoch dürfte man die Salzburgerin sonntagabends im Ersten nur noch als Münchner Polizeioberkommissarin "Bessie" Eyckhoff antreffen. Ihren zweiten Fall löst sie am Sonntag, 8. Dezember, der Titel des Krimis: "Die Lüge, die wir Zukunft nennen".

Wie geht es bei den Wiener Sonderermittlern weiter?

Zuletzt abgedreht wurde die Folge "Krank", die von dem vermeidbaren Tod eines Kindes handelt. Thema ist der "Glaubenskrieg" zwischen den Vertretern der sogenannten Schulmedizin und den Anhängern alternativer Heilmethoden. Für Buch und Regie zeichnet Rupert Henning verantwortlich. Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.


Quelle: teleschau – der Mediendienst