Neuer Fahrer, neuer Wagen – und neue Mädchen: Jason Stathams Nachfolger im "Transporter"-Action-Franchise verteidigt mit PS und Karate Zwangsprostituierte.

Ein Rückblick führt in das Geschehen von "The Transporter Refueled" (2015) ein: An der französischen Côte d'Azur übernimmt der gewissenlose russische Mafioso Karasov (Radivoje Bukvic) das Kommando über das dortige Prostitutionsgewerbe. Zehn Jahre später kontaktiert eine der Prostituierten Frank Martin (Jason-Statham-Nachfolger Ed Skrein), genannt "Transporter". Anna (Loan Chabanol) verwickelt den Transporter in komplexe Probleme, die eine spannende Handlung versprechen. Doch leider lag bei dem Action-Kracher, der nun bei RTL TV-Premiere feiert, die Latte zu hoch für Regisseur Camille Delamarre. Auch im Kino lief der Streifen nur mit mäßigem Erfolg.

Frank Martin dient der französischen Unterwelt als Chauffeur heikler Fracht, ohne Fragen zu stellen. Als Anna ihm viel Geld für eine äußerst ominöse Fahrt überreicht, ahnt er nicht, dass er in einen Bankraub verwickelt wird. Mehr noch: Anna verstrickt ihn in einen Krieg, den sie und drei ihrer Leidensgenossinnen gegen Karasov führen, der sie zu Sexsklavinnen machte. Frank bleibt keine andere Wahl, als einzuschlagen. Denn die zornigen und schießfreudigen Zwangsprostituierten haben seinen Vater Frank Martin Sr. (Ray Stevenson) entführt.

Ganz schön komplex angelegt. Da heißt es, den Überblick über die verschiedenen Ebenen zu behalten, die Szenen abwechslungsreich zu gestalten und leichthändig zu verknüpfen. Doch daraus wurde nichts: Die Drehbuchschreiber Bill Collage und Adam Cooper ("Exodus: Götter und Könige") verheddern sich derweil in Unlogik, wenn sie sich Gelegenheiten für Handkanten-Kämpfe aus den Fingern saugen. Wer steigt schon aus, um sich zu prügeln, wenn er mit dem gepanzerten Wagen einfach davonjagen kann? Luc Besson wird zwar auch als Autor genannt, hat aber womöglich nur die Rechtschreibung korrigiert. Ohne die Mitarbeit von "Transporter"-Miterfinder (und "Karate Kid"-Schöpfer) Robert Mark Kamen fehlt dem Stoff ohnehin die Seele.

Meist hefteten sich die vorherigen "Transporter"-Streifen an Frank Martin. "The Transporter Refueled" hingegen stellt die durchaus reizvollen Rächerinnen nebst Martin Sr. in den Vordergrund. Darin steckt vielleicht auch ein bisschen Misstrauen gegenüber der Zugkraft des neuen Frank-Martin-Darstellers. Ed Skrein ist muskulös, athletisch, schlagkräftig. Er kann die Augenbrauen böse zusammenziehen. Aber dass er nicht nachfragt, was er transportieren soll, nimmt ihm niemand ab. Ein Vergleich mit Jason Statham, der unter Schichten von Dumpfheit sein aufrichtiges Gewissen sucht, verbietet sich. Und ausgerechnet, wo Skrein eine gute Figur macht, beim Prügeln, schlampt der Film mit falschen Anschlüssen. So ist "The Transporter Refueled" mit schlecht gepanschtem Treibstoff unterwegs.


Quelle: teleschau – der Mediendienst