Die Mittelalter-Rocker von Saltatio Mortis bringen ein neues Album an den Start und müssen damit umgehen, dass einigen Fans die neue Richtung nicht gefällt. Für Lasterbalk und seine Bandkollegen nichts neues.

Sie gehören zur Speerspitze des Mittelalter-Rocks und sind auf Szeneveranstaltungen ebenso gerne gesehen wie in den Hallen der Großstädte. Sie ziehen individuelle Charaktere an und begeistern die Massen. Saltatio Mortis sorgen spätestens seit ihrem Nummer-eins-Album "Das Schwarze IXI" (2013) einerseits für flächendeckende Begeisterung, andererseits aber auch immer wieder für Kontroversen. Das wird sich mit dem neuen Album "Brot und Spiele" (erhältlich ab 17. August) nicht ändern. Quo vadis, Saltatio Mortis? Lasterbalk, der Lästerliche, erzählt beim Pressetermin von konservativen Fans und einer Band, die sich ihr Maul nicht verbieten lässt.

Angefangen hat alles ganz klein: "Wir kommen von fünf Dudelsäcken, drei Trommeln und einem Hut, der in der Fußgängerzone steht und gefüllt werden will", erinnert sich Lasterbalk, der bürgerlich Timo Gleichmann heißt und bei Saltatio Mortis unter anderem Schlagzeug spielt. "Sich von dort über eine Band, die mit modernen Klängen experimentiert, hin zu einer Rockgruppe zu entwickeln, die mit archaischen Instrumenten spielt, das ist ein weiter Weg." Im Jahr 2000 gründeten sich Saltatio Mortis, mit "Brot und Spiele" ist man 18 Jahre später beim elften Studioalbum angelangt.

Das aktuelle Kapitel in der Historie der Band wurde bereits 2013 mit dem Album "Das Schwarze IXI" aufgeschlagen. Mit diesem und besonders dem Nachfolger "Zirkus Zeitgeist" (2015) begannen Saltatio Mortis, ihre Sprache und teilweise auch ihre Inhalte zu verändern. Der "Rahmen des Sagbaren" wurde erweitert: "Ich finde es schade, wenn ich zeitkritische Songs schreibe und die Dinge nicht beim Namen nennen darf. Und genau das ist jetzt möglich, es ist Teil unseres Universums", umschreibt Taktgeber und Mastermind Lasterbalk die Marschrichtung,

Mit "Brot und Spiele" wird dieser Weg nun fortgesetzt. Wobei es diesmal "nicht immer die große Perspektive und das große Thema sein muss", bemerkt Lasterbalk und führt aus: "Es kann auch etwas Kleines, Individuelles sein. Und wir haben Wert darauf gelegt, dass es nicht nur Schwarzes gibt, sondern auch Weißes und Schönes. Wir haben uns bemüht, zwischen all diesen Bereichen eine Balance zu finden."

So findet sich auf "Brot & Spiele" etwa das spaßige Stück "Nie wieder Alkohol" neben dem einfühlsamen Song "Träume aus Eis", so nimmt "Besorgter Bürger" gegenwärtige politische Tendenzen in den Schwitzkasten, nachdem man eine Nummer zuvor noch mit "Brunhild" in die Sagenwelt abgetaucht war. Und in der "Spur des Lebens" verarbeitet Lasterbalk dann auch mal ein sehr persönliches Thema: "Alles begann mit der Frage, ob ich ein Kind möchte oder nicht", erinnert sich der 45-Jährige. "Also setzte ich mich hin und schrieb einen Brief an mein ungeborenes Kind, um mir klar zu werden, was ich eigentlich will. Diesen literarischen Kunstgriff fand ich sehr schön, und als ich den Brief dann las, dachte ich 'Wow, das ist eigentlich auch ein Songtext'."

Einen ziemlichen Aufruhr unter den Fans verursacht derweil bereits die erste Single "Große Träume". Vergleiche zu Punkrockbands wurden angestellt, die Abkehr von den "alten Zeiten" bemängelt. Überrascht hat das Lasterbalk nicht: "Ich habe damit gerechnet, da es bei den beiden letzten Alben genauso war. Als 'Das Schwarze IXI' mit dem Song 'Wachstum über alles' rauskam, gab es einen riesigen Bohei und Fans, welche sagten 'Das seid doch nicht ihr!' Und heute lese ich 'Damals, beim Schwarzen IXI, da war die Welt noch in Ordnung'."

Vorsichtig nachgefragt: Sind die Fans von Saltatio Mortis sehr konservativ? "Wenn ich aus dem Verhalten im Umgang mit neuen Songs schließe, muss ich die Frage leider Gottes mit 'Ja' beantworten", räumt Lasterbalk ein, ergänzt dann aber: "Wobei 'konservativ' ja erst einmal ein wertneutraler Begriff und nicht per se negativ besetzt ist. Wenn ich schaue, was bei mir an Fanpost und E-Mails reinflattert, dann merke ich, wie vielen Menschen wir sehr viel geben. Wir spielen in deren Leben eine wichtige Rolle."

Entsprechend wichtig seien für die Fans neue Songs, und in jede Vorfreude mische sich auch eine Erwartungshaltung: "Und wenn wir diese nicht treffen, was wir bei mehreren hunderttausend Hörern natürlich gar nicht können, dann wird auch gezetert, das ist klar." Umso schöner dürfte es für die alten Anhänger sein, dass der Limited Edition von "Brot und Spiele" eine Bonus-CD mit mittelalterlichen Klängen unter dem lateinischen Titel "Ad Fontes" ("Zurück zu den Quellen") beiliegt.

Das Mittelalter und Rockmusik: Beide Elemente gehören mittlerweile zu Saltatio Mortis. Eine seltsame Kombination? "Schon", stimmt der Mann zu, der früher als Schaukämpfer in der Szene unterwegs war. Denn zumindest musikalisch werfe der Mix aus archaischen Instrumenten und modernem Rock viele Probleme auf. Ein Dudelsack sei in einer Tonart verhaftet, Rockstücke wechselten die Tonarten, so eine beispielhafte Erklärung. Oder bildhaft gesprochen: "Entweder fährst du ein paar LKW voll verschiedener Dudelsäcke mit dir spazieren, oder du beginnst eben, kreativ zu werden." Im Mittelalter-Rock gebe es eine ganze Menge solcher Probleme, "bei denen sich eine normale Rockband nur verwundert die Augen reibt und fragt 'Was macht ihr denn da?'".

Auf einer anderen Ebene dagegen passen die beiden Säulen von Saltatio Mortis durchaus zueinander: Die Attitüde ist ähnlich, das Abgrenzen von der konformen Masse, der Individualismus, welcher auf "Brot und Spiele" etwa in dem Song "Sie tanzt allein" thematisiert wird. Darin erkennt Lasterbalk einen unschlagbaren Reiz, den sicher nicht nur Mittelalter- und Rockfans kennen: "Ein bisschen aus der Alltagswelt ausbrechen, am besten noch mit farbenfrohen Kostümen und Gleichgesinnten. Wer will das denn nicht?"

Saltatio Mortis – Tourtermine:

26.10. München, Tonhalle

27.10. Filderstadt, Filharmonie

02.11. Würzburg, Posthalle

03.11. Oberhausen, Turbinenhalle

09.11. Berlin, Huxleys

10.11. Hamburg, Mehr! Theater

23.11. Wiesbaden, Schlachthof

24.11. Dresden, Alter Schlachthof


Quelle: teleschau – der Mediendienst