Zum ersten Mal ist Denzel Washington in einer Fortsetzung zu sehen. Im Interview erklärt der Schauspieler, warum er für "The Equalizer 2" eine Ausnahme gemacht hat.

Seit 37 Jahren ist er im Filmgeschäft, doch erst jetzt ließ er sich zu einer Fortsetzung überreden: Denzel Washington (63) kehrt als Robert McCall in "The Equalizer 2" (Start: 16. August, lesen Sie hier eine Filmkritik) zurück auf die Leinwand. Der zweifache Oscar-Preisträger ("Training Day", "Glory") zeigt dabei, dass er noch längst nicht zum alten Eisen gehört und Actionfilme ein Metier sind, das er ziemlich gut beherrscht. Wir sprachen mit ihm über die Gründe, zum ersten Mal überhaupt ein Sequel zu drehen, warum Menschen seiner Meinung nach gewalttätig sind und wie man die Kunst beherrscht, ein guter Mensch zu sein.

prisma: Was hat Sie davon überzeugt, wieder in die Haut von Robert McCall zu schlüpfen?

Denzel Washington: Das hervorragende Drehbuch. Aber das war natürlich nicht der einzige Grund. Der erste Teil kam sehr gut beim Publikum an, spülte Geld in die Kassen des Studios, und jeder wollte, dass ein zweiter Teil gemacht wird. Also habe ich ja gesagt.

prisma: Aber Sie haben noch nie zuvor ein Sequel gedreht. Warum gerade jetzt?

Washington: Ich wurde noch nie zuvor gefragt!

prisma: Wirklich?

Washington: Doch, einmal – für "Safe House" wollten sie ein Prequel drehen, aber das wurde dann nichts.

prisma: Das ist bereits ihr vierter Film mit Regisseur Antoine Fuqua. Was macht die Zusammenarbeit für Sie so besonders?

Washington: Erfolg! Ein Academy Award! (lacht) Er hat einfach einen Stil, der es mir ermöglicht, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Ich kann mich auf die Rolle fokussieren und muss mich nicht noch um andere Dinge kümmern. Ich vertraue ihm, er vertraut mir. Wir haben finanzielle Erfolge, viel Lob von Kritikern zu verzeichnen, und ich mag ihn einfach.

prisma: Hat Sie bei der Fortsetzung von "The Equalizer" etwas besonders an der Rolle des Robert McCall beeindruckt?

Washington: Mich hat vor allem diese Vater-Sohn-Beziehung zwischen Robert und Miles fasziniert. Denn obwohl sie nicht miteinander verwandt sind, kümmert sich Robert um ihn. Dafür steht dieser Charakter: sich um die Menschen zu kümmern und denjenigen zu helfen, die seine Hilfe benötigen, es aber selbst gar nicht wissen.

prisma: Sind Sie denn auch ein Guter?

Washington: Ich denke schon. Natürlich auf eine ganz andere Art als Robert. Was uns beide verbindet, ist die Tatsache, dass wir gute Dinge tun, ohne dafür eine Anerkennung zu erwarten. Niemand sollte das. Wir sollten alle das Bestmögliche unternehmen, um jemandem zu helfen. Wenn wir das alle tun würden, bräuchte man Menschen wie Robert McCall gar nicht.

prisma: Dieses Mal hat Robert eine Elternbeziehung zu einem jungen Mann, im ersten Teil war es eine junge Frau, die er beschützen musste. Ändert das etwas für Sie, wenn die Vaterrolle einer Figur wechselt?

Washington: Ich bin mir da nicht sicher. Die Frage ist schwierig zu beantworten. Denn die Beziehung zwischen einem Sohn und seinem Vater ist ja schon eine andere wie zwischen einer Tochter und deren Vater. Vielleicht ist es einfacher für einen Vater, seinem Sohn Ratschläge zu geben als seiner Tochter. Ich habe ja auch zwei Töchter. Was ich definitiv sagen kann, ist, dass die Vater-Sohn-Beziehung eine andere ist als die zwischen Vater und Tochter.

prisma: Es gibt im Film einen Satz, der sehr prägend war: "Ein echter Mann braucht keine Waffe!"

Washington: Er braucht zwei (lacht). Das ist natürlich ein Scherz. Aber auf dem Poster trage ich tatsächlich zwei Waffen, das kommt im Film gar nicht vor, oder?

prisma: Doch, einmal.

Washington: Stimmt, in einer Innenszene. Im ersten Teil verwendet Robert so ziemlich alles, was ihm zur Verfügung steht, um seine Gegner außer Gefecht zu setzen. Jetzt setzt er ein wenig mehr auf Feuerkraft.

prisma: Denken Sie denn, dass Menschen irgendwann ohne Schusswaffen leben können?

Washington: Die Menschheit ist seit Anbeginn der Zeit gewalttätig. Sie ist es von Natur aus. Ich weiß nicht, warum das so ist. Fragen Sie Kain und Abel. Wir töten uns gegenseitig, und ich denke, das wird auch so bleiben. Wenn wir dafür keine Schusswaffe verwenden, dann ein Messer. Oder wir sprengen etwas in die Luft. Ich weiß nicht, warum wir so sind, aber so ist es leider nun mal.

prisma: Sie sagten einmal "Don't aspire to make a living, aspire to make a difference" ("Strebe nicht danach, nur deinen Lebensunterhalt zu bestreiten, strebe danach, einen Unterschied zu machen"). Könnten Sie darauf, auch im Hinblick auf den Film, näher eingehen?

Washington: Roberts Initiative, anderen Menschen zu helfen, ist ein zentrales Motiv. Ich frage Sie: Wem haben Sie heute schon geholfen? Wessen Leben haben Sie bereichert? Wen haben Sie kritisiert oder heruntergemacht? Es können so einfache Dinge sein, die jemandem helfen. Man weiß nie, welche Geste, egal ob positiv oder negativ, jemanden beeinflusst. Genau darum geht es auch im Film.

prisma: Wem haben Sie denn heute schon geholfen?

Washington: Ihnen! (lacht) Außerdem ist der Tag ja noch nicht vorbei.

prisma: Denken Sie denn, dass Filme die Menschen beeinflussen können?

Washington: Ja, keine Frage. Ich denke daran, wie ich als Kind zum ersten Mal "Shaft" gesehen habe. Shaft ist ein Kerl, der Verantwortung übernimmt und vor Kraft und Mut strotzt. Ich wollte unbedingt so sein wie er. Damals wollte ich so einen coolen Mantel wie er haben und so stark sein. Film hat die Macht, uns zu beeinflussen. Natürlich ist es auch immer eine Flucht aus der Realität. Man geht einfach ins Kino und kann für zwei Stunden in eine andere Welt flüchten. Aus welchen Gründen auch immer man das macht, aber es ist eine Art Flucht. Man ist mit Freunden zusammen, lacht und hat Spaß. Das machen Filme aus und insofern beeinflussen sie immer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst