Selbstbewusst, cool und sexy: Debbie Harry prägte als Sängerin der Band Blondie das Bild der Frontfrau im Pop. Eine Dokumentation von ARTE zeichnet ihren Weg nach, der in einer kleinbürgerlichen Stadt in New Jersey begann.

In der ARTE-Dokumentation "Debbie Harry – Atomic Blondie" erzählt Pascal Forneri den Werdegang eines kleinbürgerlich konservativ aufgewachsenen Mädchens zum größten Popstar seiner Zeit. Die Band Blondie mit Sängerin Debbie Harry entsprang Mitte der 70-er der New Yorker Punkszene. Mit ihrer großen Popbegabung suchten die kunstaffinen Musiker jedoch den Weg in einen neuen, selbstdefinierten Mainstream. Der machte Anleihen bei Disco, Wave, dem brandneuen Rap und klassischen Ohrwurm-Melodien. Mit Hits wie "Denis", "Heart of Glass" und "Call Me" landete Blondie in den späteren 70-ern und frühen 80-ern einen Hit nach dem anderen. Die 52 Minuten lange Doku, eine deutsche Erstausstrahlung, zeichnet den Weg Debbie Harrys und ihres langjährigen Lebens- und Kreativpartners Chris Stein nach.

Fast möchte man meinen, Debbie Harry – in zahlreichen Interviewschnipseln dieser lehrreichen Dokumentation ist es zu sehen – wolle selbst nicht zu viel von dem verraten, was hinter ihrem mit Oberflächenreizen spielenden Pop tatsächlich steckt. Warum auch, ihre kühle Erotik, das punkig Trotzige, Überlegene – es könnte darunter leiden. Letztlich muss man sich ja als Popphänomen nicht selbst analysieren. Auch diese Verweigerung ist ein Stück weit Punk.

Debbie Harry kam am 1. Juli 1945 als Angela Trimble zur Welt. Ihre Mutter, eine bekannte Konzertpianistin, gab sie zur Adoption frei. So landete das drei Monate alte Baby als Deborah Ann "Debbie" Harry bei einer kleinbürgerlichen Familie in Hawthorne, New Jersey. Deren Ideal sah für Mädchen vor, brav und aufrecht zu leben, damit man einen guten Mann findet. Debbie jedoch legte sich früh eine Alternativ-Version dieser Persönlichkeit zu, mit der sie sich im Nachbarort den Jungs präsentierte, während sie daheim brav blieb. Der Basistest fürs Popbusiness war bestanden.

Später ging Debbie Harry nach New York, um als Künstlerin ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Der kurzlebigen Flower-Power-Band The Wind In The Willows folgte der Schritt hinein in den Geburtskanal des Punk – zu Blondie. Als erster Pin-Up-Rockstar der Geschichte inspirierte die Platinblonde zahlreiche Frauen, in Bands die tragende Rolle zu übernehmen und eine selbst gewählte Version von Erotik, Glam und Spaß zu definieren – nicht nur die der Männer. So wurde ein wohlerzogenes Mädchen aus der Nachkriegs-Vorstadtkultur Amerikas zur Wegbereiterin der Girl Power. Madonna, Taylor Swift und Lady Gaga wären ohne Debbie Harry nicht möglich gewesen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst