Mit ihrem Umzug bekommt Sophie auch eine neue Nachbarin, die eigensinnige Rentnerin Hannah. Die Frauen kämpfen Tür an Tür mit der Komplexität des Lebens und wachsen immer mehr zusammen. Unterhaltsame Buchverfilmung mit starken Hauptdarstellerinnen.

Hohe Decken, Stuck, Schwedenofen: Sophie (Tanja Wedhorn) hat sie gefunden, die perfekte Wohnung. Aber die junge Architektin sitzt todunglücklich in ihrem neuen Zuhause, weil ihr verheirateter Freund sich nicht zu ihr bekennen will. Zu der Erkenntnis, dass die ewige Nummer zwei keine erstrebenswerte Position ist, verhilft Sophie ihre neue Nachbarin. Die eigensinnige Rentnerin Hannah Weller (Thekla Carola Wied) greift allerdings zu etwas unorthodoxen Methoden, um Sophie vor denselben Fehlern zu bewahren, die sie selbst vor vielen Jahren machte. Matthias Steurers warmherziger ARD-Film "Tür an Tür" (2012) erzählt von einer Frauenfreundschaft – aber auch gekonnt vom Älterwerden in unserer High-Tech-Gesellschaft.

Nach einem Unfall in den eigenen vier Wänden muss sich Hannah Weller mit Hans arrangieren – einem Computer, der ihre Werte an eine Zentrale übermittelt, mit ihr spricht und sie an die Pflichten des Alltags erinnert. Außerdem hat die ältere Dame, die allein lebt, einen Staubsaugerroboter, den sie liebevoll Otto nennt. Um nicht ins Heim zu kommen, muss die Rentnerin auch an einem Computerkurs und an sozialen Aktivitäten teilnehmen, was ihr zunächst genauso wenig passt wie der schlagfertige Friedrich (der 2016 verstorbene Uwe Friedrichsen in seiner letzten Rolle), der etwas für sie übrig hat und einen ganz anderen Blick auf das Leben hat als sie selbst.

Vom Einzug ihrer neuen Nachbarin Sophie hätte Hannah gar nichts mitbekommen, hätte die junge Frau ihr nicht einen kurzen Besuch abgestattet und dabei ihren USB-Stick mit Fotos, dem Zugang zu ihrem E-Mail-Konto und anderen privaten Dokumenten fallengelassen. Dass es nicht gerade die feine englische Art ist, in den Privatangelegenheiten anderer Menschen herumzuschnüffeln, weiß Hannah genau. Aber sie kann es sich nicht verkneifen, ein bisschen zu schauen, was die neue Nachbarin so macht. Dabei findet sie heraus, dass Sophie mit dem verheirateten Arzt Martin (Bernhard Schir) zusammen ist, der sich nicht von seiner Frau trennen will. Das erinnert Hannah schmerzlich an ihre eigene Lebensgeschichte, und sie beschließt, eine kleine Notlüge zu benutzen, um Sophie vor einem großen Fehler zu bewahren.

Altwerden ist nichts für Feiglinge, so viel ist klar. Und es ist auch nicht so, dass der Weg dorthin immer einfach wäre. Jedes Lebensalter hat seine Tücken, die man nur auf eine Weise überwinden kann: gemeinsam. Diese Botschaft macht "Tür an Tür" zu einem unterhaltsamen Abendprogramm. Aber das ist noch nicht alles. Alle Beteiligten zeigen sich in Hochform, allen voran Thekla Carola Wied, der es einmal mehr gelingt, eine Frau aus dem echten Leben zu zeigen, mit Macken und Ängsten. Auch der innere Konflikt von Tanja Wedhorns Figur, die sich zwischen ihren Gefühlen und der eigenen Selbstachtung entscheiden muss, ist durchaus glaubhaft dargestellt. Regisseur Matthias Steurer setzte das Buch von Nina Bohlmann gekonnt um.


Quelle: teleschau – der Mediendienst