ARD-Sommerkino

"Und wer nimmt den Hund?" – Trennungstragödie voller Witz und Traurigkeit

von Claudia Nitsche

Auftakt ins ARD-Sommerkino 2020: Ulrich Tukur und Martina Gedeck liefern als Trennungspaar eine beeindruckende Leistung. Schon allein wegen der Schauspieler lohnt sich das Einschalten.

ARD
Und wer nimmt den Hund?
Komödie • 29.06.2020 • 20:15 Uhr

Martina Gedeck und Ulrich Tukur als Paar. Welch brillante Idee. Und erstaunlich genug, sie hat bislang Seltenheitswert in der deutschen Filmlandschaft. Bereits 2016 hat Sven Taddicken die beiden als ungewöhnliches Liebespaar in seiner Romanverfilmung von "Gleißendes Glück" gezeigt. Drei Jahre später schickte der erfahrene Rainer Kaufmann Tukur und Gedeck als Scheidungsaspiranten auf die Kinoleinwand. Seine Frage "Und wer nimmt den Hund?" wird so nie gestellt, und das ist nicht das einzig Erstaunliche an dieser Trennungstragödie voller Witz und Traurigkeit, die die ARD nun zum Auftakt der "SommerKino"-Reihe als Free-TV-Premiere im Ersten ausstrahlt.

Trennungen gibt es im Fernsehfilm häufig. Doch dank der wunderbaren Leistungen, dem traumwandlerisch sicheren Auftreten von Ulrich Tukur und seiner Gegenspielerin Martina Gedeck verspricht "Und wer nimmt den Hund?" lohnenswert zu unterhalten. Mit einem präzisen Blick und seinem vermutlich besten Drehbuch präsentiert sich Martin Rauhaus ("Familienfest", "Ein ganz normaler Tag"). Wie herrlich gegensätzlich kann das Empfinden von Mann und Frau doch sein. Lebten sie doch 26 gemeinsame Jahre unter einem Dach, erzählen sie Dinge, als hätten sie ihren Ehepartner nie gesehen.

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Doris (Martina Gedeck) und Georg (Ulrich Tukur) sind nach einer langen und vorwiegend guten gemeinsamen Zeit in einer besonderen Situation. Er hat Gefallen an einer sehr viel Jüngeren gefunden, vergisst Bandscheibe und Anstand und will das Leben noch mal spüren. Deswegen sitzt er mit seiner Noch-Ehefrau bei einer Therapeutin (Angelika Thomas) zur Trennungsbegleitung, denn der letzte Wunsch der Gattin ist: "Man will ja verstehen".

Die Erinnerungen an früher und die Veränderungen des Partners werden zunächst sachlich erörtert, schnell aber geht es zynisch und scharfzüngig zu in dieser Schlacht. Das Drehbuch plant vielsagende Momente und geschickte Wiederholungen, die Kaufmann mit Routine bestens inszeniert. Die Kontrahenten lassen streckenweise nichts anbrennen, und so beinhaltet die Komödie zwar Tiefgang, aber nie Leerlauf. Erstaunlich, dass man nach rund 50 Minuten nicht weiß, in welche Richtung sich das alles entwickeln wird. Geht "ein Leben" überhaupt vorbei oder nicht doch einfach immer weiter?

Martina Gedeck hat dabei vielleicht die spannendere Rolle: Es ist schön anzusehen, wie ihre Doris an Profil gewinnt und wie ein Film eine Menge Weisheiten präsentiert, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen. Bis in die Nebenrollen ist "Und wer nimmt den Hund?" überdurchschnittlich besetzt und kann nur in dieser Konstellation so gut funktionieren. Neben der guten Unterhaltung gibt es als Abschlussbonus den Hinweis, worauf sich eine Familie immer einigen kann, und eine Antwort auf die Frage, ob der blaue Ball der Liebe ins Ziel führt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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