Am 28. März ermittelt Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek ein letztes Mal in der Erfolgsserie "Unter Verdacht". prisma hat mit Schauspielerin Senta Berger über die finale Folge und ihre Zukunftspläne gesprochen.

Frau Berger, nach 30 Folgen ist Schluss mit der erfolgreichen Krimi-Reihe "Unter Verdacht". Fällt es Ihnen schwer, die Ermittlerin Dr. Eva Maria Prohacek loszulassen?

Die Eva und ich haben 18 Jahre lang zusammengearbeitet. Natürlich bin ich wehmütig, dass ich dieses Kapitel nun abschließe. Aber ich wollte die Serie beenden, solange sie noch so erfolgreich ist. Außerdem ist da ja noch der Altersunterschied zwischen der Kriminalrätin und mir. In der letzten Folge geht die Beamtin mit 65 in Pension, und ich wollte sie auch glaubwürdig verkörpern.

In "Evas letzter Gang" laufen noch einmal alle Fäden zusammen. Sind Sie mit dem Finale zufrieden?

Das Ende gefällt mir ausgesprochen gut, die Qualität der letzten Folge ist erneut sehr hoch. Inhaltlich schließt sich ein Kreis, dafür lassen wir offen, was Eva für ihren Ruhestand plant. So kann der Zuschauer seine Fantasie spielen lassen.

Der Pilotfilm der Serie "Unter Verdacht" erhielt den Adolf-Grimme-Preis, und auch die Serie erfreut sich hoher Zuschauerzahlen. Was ist das Erfolgsrezept?

"Unter Verdacht" war keine klassische Krimi-Serie. Vielmehr haben wir in jeder Folge gesellschaftspolitisch relevante Themen behandelt, die man von den Titelseiten oder der Seite 3 der großen Tageszeitungen kennt. Ob Privatisierung des Wassers, Cum-Ex-Geschäfte oder illegale Waffentests – ich denke, wir konnten die Probleme der heutigen Zeit mit unterhaltsamen Mitteln eines Krimis den Zuschauern näherbringen als klassische Dokumentationen. Selbstverständlich wurde im Vorfeld intensiv recherchiert, aber die Geschichten warteten neben den Fakten auch immer mit einer ordentlichen Portion Spannung auf.

Zum Ende der Serie können alte Fehler korrigiert werden. Wie wichtig ist Ihnen persönlich das Thema Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit ist uns allen sehr wichtig, aber jeder versteht etwas anderes darunter. In der heutigen Zeit ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, sich für etwas zu engagieren, an das man glaubt. Es lohnt sich, eine Meinung zu haben und zu vertreten. Es ist aber wichtig, sich zu bemühen, die Meinung anders Gesinnter zu verstehen und über die verschiedenen Standpunkte und Haltungen hinweg einen Dialog zu führen. Oft wird Gerechtigkeitssinn zum Starrsinn und wird ungerecht. Eva setzte sich dadurch oft ins Unrecht.

Stammt dieser Charakterzug von Ihnen?

Nein, ich bin längst nicht so streng wie Eva es sein konnte.

Die Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek geht in den Ruhestand. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ganz langsam löse auch ich mich aus meinem Beruf. Oder besser gesagt: Der Beruf löst sich von mir. Ich werde jetzt 79, da gibt es nicht mehr so viele Rollen, die ich gerne spielen möchte. In meinem Alter gibt es kein aufregendes Leben, das noch ausreichend Stoff für ein Drehbuch hergeben würde. Das ist bei jüngeren Schauspielern anders, sie führen zumeist noch ein buntes Leben, das spannend erzählt werden kann.

Aber sie haben doch sicherlich noch einige Angebote vorliegen?

Natürlich. Im April spiele ich die Mutter von Florian David Fitz. Ich war in dem Film meines Sohnes Simon „Willkommen bei den Hartmanns“ schon einmal die Mutter von Florian. Dieses Mal ist es natürlich eine ganz andere Geschichte und eine ganz andere Mutterrolle. Und dann habe ich noch einige schöne Drehbücher angeboten bekommen, die ich mir ganz in Ruhe anschauen werde. Vielleicht gibt es dann im Herbst neue Projekte.

Haben Sie denn jetzt mehr Zeit für die Familie?

Ich habe mir immer viel Zeit für meine Familie genommen. Aber jetzt sind eben noch die Enkelsöhne dazu gekommen, und ich möchte noch so viel wie möglich mit ihnen unternehmen. Kleine alltägliche Sachen, mit dem Großen zum Hallenturnier mitfahren, den Kleinen vom Kindergarten abholen. Zu Hause habe ich genug zu tun mit dem großen Haus und unserem Garten. Wir wohnen auf dem Land, und ich versuche, so viel wie möglich selbst zu machen.

Ob Hollywood, Theater oder Krimi - Kaum eine deutschsprachige Schauspielerin kann ein so breit gefächertes Repertoire aufweisen. Welches Genre gefällt ihnen am besten?

Es ist genau diese Vielfalt, die mich so begeistert. Ich habe am Repertoire-Theater angefangen und mit 17 Jahren an einem Abend etwas von Schiller und am nächsten Tag „Charly`s Tante“ gespielt. Seither verkörperte ich ganz unterschiedliche Frauen in Filmen und Serien.

Am 28. März läuft mit "Evas letzter Gang" die finale Folge von "Unter Verdacht" im ZDF. Werden Sie den Film im TV schauen?

Leider nicht! Genau an dem Tag werde ich auf dem Nürnberger Filmfestival Türkei-Deutschland mit dem Ehrenpreis für mein Lebenswerk als grenzüberschreitende Künstlerin ausgezeichnet. Mir liegt das Miteinander unterschiedlicher Kulturen sehr am Herzen und ich freue mich auf den Abend.