ZDF-Krimikomödie

"Wilsberg – Vaterfreuden": Der Ecki war mit halb Münster verbandelt

von Wilfried Geldner

Wilsberg-Freund Ekki Talkötter soll Vater geworden sein. Schon vor sechs Jahren. Überraschend wäre es nicht, wenn es stimmt, denn Ekki war nun wirklich kein Kind von Traurigkeit. Nun soll Ekki die fälligen Alimente begleichen – fortan schwankt er zwischen Horror und väterlichem Glücksgefühl.

ZDF
Wilsberg – Vaterfreuden
Kriminalkomödie • 18.04.2020 • 20:15 Uhr

Der 68. "Wilsberg", "Vaterfreuden", schlägt an komischen Elementen wohl alles andere, was in den vorausgegangenen 67 Fällen geschah. Was bei einer Kriminalkomödienreihe schon etwas heißen will. Es geht, jedenfalls auf der Dialogspur, wild und witzig zu. Manche Dauerrolle wird dabei derart verfremdet, dass man sie kaum wiedererkennt. Nur Wilsberg (Leonard Lansink), die Spürnase, ruht einmal mehr in sich. Dass Ekki (Oliver Korittke), der Freund und Finanzbeamte, schon vor sechs Jahren Vater geworden sein soll, mag er partout nicht glauben. Dazu erscheint ihm Silke Sestendrups (Nadja Becker) Auftritt, die nun rückwirkend Alimente kassieren will, denn doch zu kühn. Dass aber ausgerechnet Wilsbergs Patentochter Alex (Ina Paula Klink) diese Silke familienrechtlich vertritt, schlägt dem Fass den Boden aus.

Wo bleibt der Krimi, wird da manch einer fragen. – Nun ja, er kommt noch, zumindest ein bisschen. Aber erst einmal wird dem Affen Zucker gegeben, wird mehr Klamotte als Kriminalkomödie gemacht. Wie Ekki sein spätes Vaterschicksal ereilt, wie er erst erschrickt und dann immer mehr hineinwächst in die neue ungewohnte Rolle mit geschwollener Brust, das ist für sich genommen allerdings schon eine wunderbare Story, die Oliver Korittke wie auf den Leib gegossen scheint. Ein Sahnehäubchen setzt der Drehbuchautor Markus Altmeyer aber noch oben drauf: Ekki wurde nämlich von seinem Chef versprochen, so sieht er es jedenfalls, zum stellvertretenden Abteilungsleiter befördert zu werden. Doch dann wird ihm der Job von einer fragwürdigen Neuen weggeschnappt. "Die Frauenquote", erklärt ihm der Chef auf dem Abteilungspissoir und appelliert an Ekkis männliche Vorbildfunktion.

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Der jedoch muss nun nicht nur das im Hochgefühl erworbene neue Elektroauto wieder verkaufen. Er sucht auch nach Beweisen, dass sich die Konkurrentin mit dem Einskommanull-Zeugnis und dem IQ von 148 "hochgeschlafen" hat. Wer sonst als Wilsberg könnte das stalkend beweisen? Der Antiquariat (wieder im Dienst) schlägt denn auch ein, nicht ahnend, auf welch abenteuerliche Achterbahn er sich da begibt. Rechtsanwaltsgattinnen und virulente Feministinnen trifft er auf seinem Weg. Teils will er sie schützen, teils reißt er ihnen mit seinem sanftem Doggenblick die Maske vom Gesicht. Dabei kann er nur staunen über Ekkis gefährliche Vergangenheit, was mitunter Vorwürfe wie: "Zu blöd, um zu verhüten!" zeitigt.

Mit dem halben weiblichen Münster scheint der Ekki verbandelt gewesen zu sein. Da ist Rache süß, da wird die Untat eines Frauentrios verständlich, das ihn auf dem Dachgarten eines mit dauerhaftem Erfolg Alimente verhindernden Anwalts an einen Pfosten fesselt.

Es sind viele Geschichten, Schelmenstücke, die der neue "Wilsberg" erzählt. Von Overbeck (Roland Jankowsky) wäre noch zu berichten, der sich hier als spekulativer Feminist in den Vordergrund spielt, weil er ja Gleichstellungsbeauftragter werden will. Und vor allem von Merle, der Rollstuhl fahrenden Studentin (Janina Fautz), die Wilsberg mit "Alter Mann" tituliert, aber eben auch spielend die Festplatten Verdächtiger hackt.

Das alles ist eine fantastische Münchhausiade, mit zunehmender Dauer allerdings immer mehr in neue stoffliche Seitensprünge und mancherlei Dialogwitze verliebt. Wer wollte da über den letztlich dürren Plot noch klagen? Oder sich über die mitunter überzeichnenden Darsteller(innen) beschweren, wenn doch das Drehbuch schon alles gibt? Schwamm drüber, gestehen wir lieber, unseren Spaß mit Lansink und Co. gehabt zu haben.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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