Der Gerichtsmediziner Dr. Abel will einen Serienkiller zur Strecke bringen. Doch damit schadet er einem alten Freund, der plötzlich unter Mordverdacht steht. Kann er dessen Unschuld beweisen und den Mörder schnappen?

In Berlin wird eine Frau brutal getötet. Ihre Leiche landet auf dem Tisch des Gerichtsmediziners Dr. Fred Abel (Tim Bergmann). Der fragt sich, wieso der Körper der Ermordeten mit den Worten "Respectez Asia" beschmiert und mit postmortalen Druckstellen übersät ist. Er versucht, dem Täter mit einer speziellen Analyse auf die Schliche zu kommen und stellt eigene Theorien auf – doch damit überschreitet er seine Kompetenzen. Als noch eine weitere Frau in Griechenland nach demselben Muster ermordet wird, steht plötzlich Abels alter Bundeswehr-Kamerad Lars Moewig (Jarreth Merz) unter Verdacht. Kann Abel die Unschuld seines Freundes beweisen und den wahren Täter zur Strecke bringen? Oder wird er das Opfer seiner eigenen Hybris? SAT.1 legt im Zuge einer herbstlichen Suspense-Offensive mit "Zerschunden – Ein Fall für Dr. Abel" die zweite Eigenproduktion basierend auf den bekannten Kriminalromanen von Dr. Michael Tsokos und Andreas Gößling vor.

Auch in Paris und Rom schlägt der Täter zu. Interessanterweise haben alle Opfer eines gemeinsam: Sie sind grundlegend oder vorübergehend im Gehen beeinträchtigt, tragen Manschetten, laufen an Krücken oder haben von Geburt an eine Fehlstellung. Doch weswegen schlägt der Mörder wahllos über den europäischen Kontinent verteilt zu? Erst durch die Zusammenarbeit mit der belgischen Polizistin Lilou (stark: Anita Olatunji) kann Abel langsam Licht ins Dunkel bringen. Doch die Zeit drängt: Denn Moewig sitzt nach wie vor unschuldig im Gefängnis und erhält kein Besuchsrecht bei seiner im Sterben liegenden Tochter. Die Schuld lastet schwer auf den Schultern des Gerichtsmediziners ...

Ein großes Thema bestimmt den Kriminalfilm von Hansjörg Thurn: In sämtlichen Handlungssträngen steht das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern im Fokus. Natürlich geht es dabei auch um erlittene Traumata und unerwiderte Liebe. Doch so richtig zünden will diese Komponente nicht. Die Handlung des Films lässt den Zuschauer weitgehend kalt, weil man einfach keinen Zugang zu diesem sonderbaren Workaholic-Helden findet. Sein zwischenmenschliches Unvermögen bietet eigentlich genügend Potenzial, um daraus spannende Konflikte daraus zu formen, doch das gelingt nur selten. Auch der Sub-Plot mit dem todsterbenskranken Kind fesselt emotional nicht in dem Umfang, den sich die Macher wohl gewünscht haben.

Zwar ist die Krimi-Handlung durchaus spannend geraten, doch an vielen Stellen wandeln Dialoge und Dramaturgie auf dem Niveau der "Aktenzeichen XY"-Einspieler. Lobende Worte muss man jedoch für die erneut überzeugende Bildgestaltung von Sonja Rom finden. Die Kamerafrau war bereits beim ersten Teil der Reihe ("Zersetzt", 2018) mit an Bord und wurde im Mai 2019 für ihre hervorragende Arbeit beim Bayerischen Fernsehpreis prämiert.

Direkt im Anschluss an den TV-Krimi widmet sich "akte. Spezial" unter anderem dem realen Fall, auf dem sowohl der Film als auch die Roman-Vorlage basieren. Demnächst soll unter dem Titel "Zerbrochen" der dritte Teil der Reihe seine TV-Premiere feiern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst