Als Deutscher will man nicht so recht glauben, dass es in einem Land, in dem der Döner neun Franken kostet, auch Menschen ohne Geld geben kann. Der "Zürich-Krimi" aber belehrt die Zuschauer im "großen Kanton", wie die Schweizer ihr Nachbarland gerne nennen, seit bald zwei Jahren eines besseren: Nicht nur Menschen in Geldsorgen gibt es hier, sondern auch Mord und Totschlag. Manchmal, wie in "Borchert und die Macht der Gewohnheit", dem vierten Film der Reihe, kommt sogar beides zusammen. Und dann wird's knifflig für Thomas Borchert (Christian Kohlund), den Zürcher Anwalt mit der Schnüffelnase.

Wenn ein junger Mann, der kein Geld hat aber Schulden, sagt, er sei morgen flüssig, dann weiß der erfahrene Krimi-Zuschauer schnell, was kommt. Tim (Ludwig Simon), Anfang 20 und schlau, aber faul, begeht also einen "Bruch", zusammen mit Kumpel Robin (Jacob Meinecke). Zum Ausrauben haben sich die beiden die schicke Villa des steinreichen Bauunternehmers Hubert Thalmann ausgesucht. Der Einstieg in das Anwesen an der Zürcher Goldküste gelingt überraschend einfach, doch noch bevor sie etwas mitgehen lassen können, stolpert Tim über die Leiche Thalmanns.

Schlauer als die Polizei – wie immer

Schlau, wie er ist, stellt er sich der Polizei; Borchert und seine Kollegin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) vertreten ihn – pro bono, versteht sich. Hauptmann Furrer (Felix Kramer) glaubt derweil, Tim und Robin hätten Thalmann nicht nur gefunden, sondern ihn gleich selbst umgebracht. Aber wie immer ist Anwalt Borchert (der einzige in diesem Film übrigens, der ein wenig Dialekt sprechen darf, während alle angeblichen Schweizer perfektes "Tagesschau"-Deutsch beherrschen) schlauer als die Polizei. Die Devise, dass die einfachste Erklärung oftmals die richtige ist, lässt er nicht gelten. Ein Mörder aber muss dennoch her. Also wühlt er nicht nur im Privatleben des Toten, sondern durchleuchtet auch dessen geschäftliche Beziehungen.

Der Film von Krimi-Routinier Roland Suso Richter (Regie) und den Autoren Wolf Jakoby und Daniel Douglas Wissmann macht dabei allerhand Baustellen auf, ist aber glücklicherweise simpel genug gestrickt, um nicht zu verwirren. Dass "Borchert und die Macht der Gewohnheit" versucht, sich in der zweiten Hälfte zu einem Wirtschaftskrimi zu mausern, geht zwar nicht ganz auf – immerhin aber bleibt der Film bis zum Schluss spannend. Und die Auflösung mag zwar etwa konstruiert sein, kommt aber letztendlich auch für Krimi-Vielgucker überraschend.


Quelle: teleschau – der Mediendienst