ZDF-Serie

"#heuldoch": Falsche Therapie für echte Sexisten

von Christopher Schmitt

In einer neuen Satire-Serie schlagen sich Karin Hanczewski und Bärbel Schwarz als ausgebrochene Häftlinge und falsche Therapeuten mit Sexualstraftätern herum. 

ZDF
#heuldoch – Therapie wie noch nie
Satireserie • 24.11.2020 • 00:00 Uhr

Auch wenn die "MeToo"-Debatte zuletzt medial weniger Aufmerksamkeit erfuhr als zum Start der Bewegung, bleibt die Problematik um sexuelle Übergriffe aktuell. Nun widmet sich eine ZDF-Miniserie der Regisseurinnen Isabell Suba und Lilli Trautfest diesem Thema auf satirische Weise. "#heuldoch – Therapie wie noch nie" wirkt dabei mehr wie eine YouTube-Serie, denn wie ein Fernsehformat: Eine wichtige Thematik wird mit frischen Ideen umgesetzt, satirisch überspitzt und schnell erzählt. So regt die Miniserie manchmal zum Schmunzeln, zuweilen zum Kopfschütteln an. Das bisweilen affektierte Spiel wirkt bisweilen über das Ziel hinausgeschossen, dafür wird die antisexistische Botschaft umso deutlicher vermittelt.

Die beiden Häftlinge Gloria (Bärbel Schwarz) und Lin (Karin Hanczewski) brechen aus dem Gefängnis aus und finden Unterschlupf im Haus einer Therapeutin – die durch ein Versehen der beiden prompt ums Leben kommt. Kurz darauf kommen schon deren Patienten an, die aufgrund von sexueller Belästigung oder gar Vergewaltigung eine Verhaltenstherapie absolvieren sollen. In der Annahme, bei den Herren wäre ordentlich Geld zu holen, geben sich die beiden als Therapeutinnen aus. Fußballstar Kobe Müller (Karim Ben Mansur), App-Entwickler Julian Trott (Sebastian Brandes), Filmproduzent Ralf Kroll (Nikolaus Kühn) und Gynäkologe Dr. Ferdinand Geiger (Steffen C. Jürgens) haben mit den unkonventionellen Methoden der Ex-Knackis – körperlicher Drill und selbst in die Rolle des Opfers schlüpfen – nicht gerechnet.

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In der ersten Therapiesitzung wird bereits klar, was in den Köpfen der vier Problemfälle so vor sich geht: Der Perverse sitzt immer auf dem Stuhl neben einem, man selbst ist sich hingegen keiner Schuld bewusst. Anstatt ernsthaft Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen, streiten sich die Männer wie kleine Kinder, ob es nun ekelhafter ist, ein Vagina-Fotobuch anzulegen, oder es doch abstoßender ist, seine Machtposition als Filmproduzent auszunutzen, um sexuelle Gefälligkeiten zu erzwingen. Ist es schlimmer, einer 13-Jährigen Bilder des Geschlechtsteils zu schicken oder sich mit Heimtücke und mithilfe einer eigens programmierten App ahnungslose Single-Mütter zu angeln? Egal, wie man als Zuschauer diese Abscheulichkeiten gewichtet, in "#heul doch – Therapie wie noch nie" stehen sie alle für sich.

Bei den männlichen Charakteren handelt es sich zwar um überzeichnete Karikaturen, dennoch achtet die Miniserie trotz aller Überspitzung darauf, klarzustellen, dass ihre Ansichten in der Realität keine Einzelfälle darstellen. Wenn Fußballstar Kobe etwa die Meinung vertritt, dass Frauen "alles Schlampen außer Mama" seien, oder Julian glaubt, dass "Frauen wie Dreck behandelt" werden wollen, sind das Ansichten, die in dieser Gesellschaft keine Seltenheit sind. Durch das eingesetzte Stilmittel der direkten Zuschaueransprache wird dies nochmal unterstrichen.

Ihnen gegenüber stehen zwei ungleiche Frauen: Die feministische Lin, die ihre Werte mit Nachdruck verteidigt und der die Aussagen der Männer teils schwer zusetzen, und die eher unbekümmerte Gloria, die erst nach und nach begreift, wie frauenverachtend diese Männer wirklich sind. Dabei sind die Kriminellen selbst keine Unschuldslämmer, schließlich versuchen sie, ihre "Patienten" zu bestehlen – und greifen im Fall von Gloria auch gerne selbst mal an deren Gemächt.

Platz für Albernheiten ist trotz der ernsten Thematik auch genug: Etwa wenn zu Beginn die beiden Häftlinge mit Hähnchenschlegeln statt Pistolen "bewaffnet" durch die fremde Villa schleichen und sich vorkommen wie in einem Actionfilm. Insbesondere die Dialoge der beiden Pseudo-Therapeutinnen haben durchaus Witz, manchmal gerät ihr Gesinge und Getanze jedoch etwas nervig. Welche Hintergründe die sexistischen Ansichten der Männer formten, bleibt offen, spielt aber auch einfach keine Rolle. Schließlich handelt es sich nicht um eine echte Therapie.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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