"Unter anderen Umständen – Lügen und Geheimnisse"

Zweifelhafte Methoden der gewagten Geldbeschaffung

von Wilfried Geldner

An der Grenze zu Dänemark wird eine tote junge Frau gefunden. Eigentlich wollte sie mit einer Freundin nach Norwegen. 17. Film der ZDF-Reihe um Natalia Wörner.

ZDF
Unter anderen Umständen – Lügen und Geheimnisse
Krimi • 23.11.2020 • 20:15 Uhr

Nach dem nunmehr 17. Film der ZDF-Krimiserie "Unter anderen Umständen" – es geht um laszives Chatten im Internet – wird man nicht mehr nach der grammatikalischen Schieflage des Reihentitels fragen müssen. Doch sollte es nicht recht eigentlich "In anderen Umständen heißen"? – Immerhin wurde der Titel erfunden, um die Schwangerschaft der Hauptdarstellerin Natalia Wörner 2006 in die Handlung einzubinden. Wie im richtigen Leben, so bekam die Schauspielerin auch im Film in ihrer Rolle als Jana Winter einen Sohn. Nach langer Abwesenheit spielt der Sprössling nun als 14-Jähriger wieder mit – und quält in familiärer Szene die Mama mit dem Wunsch nach vermehrtem Taschengeld fürs Fitness-Studio. Was nützt es da, wenn die Mama "Aber du hast doch Muskeln" behauptet und zugleich darauf verweist, dass viele Mädchen Muskeln gar nicht mögen?

So sympathisch wie hier kommt die bereits in der vorherigen Folge zur Chefin in Flensburg aufgestiegene Kommissarin leider nicht häufig rüber. Offensichtlich ist sie angetreten, um im Gender-Modus einmal mehr die Eignung des weiblichen Geschlechts zur Kommissarin zu beweisen, womit sie allerdings keineswegs Neuland betritt. Der Umgang mit Untergebenen – allen voran Martin Brambach als Kommissar Arne Brauner – nimmt hier geradezu soldatische Formen an. Irgendwann im Verlauf des Films, in dem es um die Zurschaustellung zweier Teenager in einem Chatroom geht, wird Brambach von Jana Winter dazu verknackt, sich alle Aufzeichnungen mit einer inzwischen ermordeten 19-Jährigen anzusehen, um Anhaltspunkte für deren gewaltsamen Tod herauszufinden. Zuvor hatte der Mann leichtfertiger Weise schüchtern gestanden, selbst Kontakt mit der Chatterin aufgenommen zu haben.

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Der Stoff schrammt an allerlei sexuellen Anzüglichkeiten entlang – wer sich allerdings vielleicht den im Dialog verbalisierten "Hardcore-Porno" verspricht, wird wohl einigermaßen enttäuscht. Auch die 19-jährige Nele wollte ja mit ihrer Freundin Jennifer (Bianca Nawrath) zunächst nur ein Reise-Taschengeld verdienen, schlitterte dann aber in die zweifelhafte Methode der gewagten Geldbeschaffung hinein. Besessen von dem Gedanken an eine Brustverschönerung, ergab sie sich im Chatroom dem Verlangen lüsterner Männer. Doch wie kam es zum Mord im Flensburger Moor?

Wer zählt die Verdächtigen, nennt die Namen? – Von dem von der Kommissarin im Verhör unwirsch angeraunzten unschuldigen Lover ("Nehmen Sie mal ihre Knie herunter!") bis hin zum fiesen Sexstudio-Besitzer und zum eitlen Schönheitschirurgen kommen nach und nach mehrere Verdächtige in Betracht.

Erstaunlich gut gelingt es dabei der Abonnementsregisseurin der Reihe, Judith Kennel, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden. Ganz ohne Flashback-Klimmzüge wird das Geschehene aufgerollt. An Erzählfluss fehlt es also nicht, zumal der leitenden Kommissarin ja auch noch eine neue etwas aufdringliche Assistentin mit skandinavischem Akzent (Lisa Werlinder) als Helferin zur Seite steht. Doch mit dem Blick auf die Uhr wird man letztlich das Gefühl nicht los: Eine 50-Minuten-Vorabendstrecke hätte es hier auch getan.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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