Lieblings-"Opfer"

So findet Ruth Moschner die Tahnee-Parodien

von Frank Rauscher

Comedienne Tahnee hat ein Talent für Parodien, ihr Meisterstück ist aber sicher die Imitation von Ruth Moschner. Wie findet die das eigentlich, immer wieder parodiert zu werden?

Sie ist der Shootingstar der Comedy-Szene: Seit 2016 ist Tahnee Schaffarczyk mit ihrem eigenen Soloprogramm unterwegs, für "Nightwash" stand sie zwei Jahre lang als Moderatorin auf der Bühne und im "Switch"-Nachfolger "Binge Reloaded" (Amazon Prime) parodierte sie im vergangenen Jahr Carolin Kebekus oder Helene Fischer.

Nun hat Comedienne Tahnee ihre erste eigene TV-Show – in der ARD-Mediathek. "Tahnee.7" lautet der Titel des satirischen Wochenrückblicks, der jeden Freitag, ab 19 Uhr, abrufbar ist. Neben messerscharfen Kommentaren auf das aktuelle Zeitgeschehen hat die 29-Jährige auch einige ihrer schon jetzt legendären Parodien in die Sendung gepackt. Ganz vorne dabei ist in dieser Hinsicht einmal mehr ihre Rolle als Ruth Moschner. Wie schon bei "Binge Reloaded" sind, vor allem was Stimmfarbe und Temperament angeht, Parodie und Original eigentlich nicht mehr zu unterscheiden.

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Wer seither Ruth Moschner, etwa als Mitglied des Rateteams in "The Masked Singer" bei SAT.1 sieht und hört, muss unweigerlich auch mit einem Schmunzeln an Tahnee denken. Da wurde – ähnlich wie es einem Max Giermann mit seinen unglaublichen Klaus-Kinski-Nummern gelang – eine völlig eigene Assoziation evoziert. Dass Tahnee das real existierende Vorbild ihrer Parodie nach eigenem Bekunden "super" findet, scheint nachvollziehbar. Die Frage ist aber natürlich auch, wie sich das "Opfer" damit fühlt.

Gegenüber der Agentur teleschau gab Ruth Moschner jetzt die Antwort: Alles ist gut. "Ich feiere Tahnee sehr und muss tatsächlich selbst immer laut darüber lachen, wie gut sie meine Ticks herausgearbeitet hat", sagt die blonde Moderatorin. Sie finde es "sehr schmeichelhaft, dass so eine begabte Comedienne wie Tahnee sich ausgerechnet mich ausgewählt hat", erklärt Moschner gut gelaunt und nutzt die Gelegenheit, um einen besonderen Wunsch zu äußern: " Ein Traum wäre natürlich, wir zwei 'Ruths' mal gleichzeitig in einer Show, aber das wäre wohl vielleicht etwas zu viel." – Wobei: Im Ansatz gab es das bereits. Anfang Februar gastierte Tahnee als prominente Kandidatin in Moschners SAT.1-Quiz "Buchstaben Battle". Man ist sich offensichtlich sympathisch – wahrscheinlich die wesentliche Ingredienz im Erfolgsrezept der meisten guten Parodien.

Im Interview verriet Tahnee vor einigen Monaten: "Ich habe schon als Kind viel parodiert, und schrieb damals auch schon kleine Programme, ohne zu wissen, dass ich eines Tages selbst Komikerin werden würde."

Klartext zu politischen und gesellschaftlichen Themen

In "Tahnee.7" stehen nun allerdings mitnichten parodistische Schenkelklopfer im Vordergrund, sondern bitter-böse bis knallharte Ansagen. Nach den Worten des produzierenden SWR bickt die Comedienne in dem Format "ganz persönlich, satirisch und pointiert auf die Themen zurück, die sie in den letzten sieben Tagen bewegt haben".

In den ersten Folgen beschäftigte sie sich etwa mit den Verfehlungen der katholischen Kirche oder mit dem Blackfacing im Bayerischen Rundfunk, nachdem der Kabarettist Helmut Schleich in seiner BR-Sendung "SchleichFernsehen" am Gründonnerstag einen schwarzen Despoten in Fantasy-Uniform gegeben und damit für einen veritablen Shitstorm gesorgt hatte. Tahnee teilt in dem SWR-Format ordentlich aus – verpackt in Parodien und Stand-Ups, alles unterstützt von ihrem Sidekick André Herrmann. Zum Thema Blackfacing gab es jüngst wieder Klartext: "Im Prinzip ist es ganz einfach: Sich als weiße Person das Gesicht schwarz anzumalen, ist schlicht rassistisch. Das ist ja auch nicht lustig – das ist scheiße!"

"Alles, was mit mangelnder Gleichheit zu tun hat, bringt mich in Rage", erklärte die Künstlerin unlängst im teleschau-Interview. "Ob es nun um Sexismus, Rassismus oder Nationalismus geht – wenn ich zwei Stunden auf der Bühne stehe, habe ich keine Lust, auf diesen Feldern Kompromisse einzugehen. Da nutze ich meine Freiheit zu sagen, was ich sagen möchte. Ich empfinde es als meine gesellschaftliche Verantwortung, mich dort zu positionieren. Wenn es Leuten nicht passt, sollen sie eine andere Show besuchen."

In der kommenden Folge geht es unter anderem um die "Bild"-Zeitung, die Bundeswehr, Markus Söder und Armin Laschet. Zu sehen ab Freitag, 16. April, 19 Uhr, in der ARD-Mediathek.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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