Taylor Swift begeistert Millionen – doch die ARD-Doku stellt unbequeme Fragen
Zehntausende Menschen drängen sich im Münchner Olympiapark auf den grünen Hügeln. Doch es ist nicht der strahlende Sonnenschein, der sie heute nach draußen treibt, sondern die Frau, die im nahegelegenen Olympiastadion gerade ein ausverkauftes Konzert spielt. Für zwei Shows ihrer "Eras Tour" kam Taylor Swift im Juli 2024 nach München, und die Bilder gingen um die Welt. Drei Stunden lang nahm sie das Publikum mit auf eine Reise quer durch ihre Musik.
Die ARD-Dokumentation "The Taylor Swift Years – Die Schicksalsjahre eines Superstars" (alle Folgen ab Mittwoch, 1. Juli, in der ARD-Mediathek) geht einen ähnlichen Weg und blickt mit Fans sowie Expertinnen und Experten durchaus kritisch auf entscheidende Momente und Phasen in der Karriere der inzwischen 36-Jährigen. Wie wurde aus der "Countrymaus" Taylor der Superstar Taylor Swift? Was hat sie geprägt? Und: Wie schafft sie es, stets an der Spitze zu bleiben?
Herzschmerz, Familie und Fanbindung: Das Erfolgsgeheimnis von Taylor Swift
Mögliche Antworten finden die Filmemacherinnen Inga Turczyn und Anna Bilger in Swifts Familie und irgendwo zwischen ihrer unermüdlichen Hartnäckigkeit und der engen Beziehung zu ihren Fans. Obwohl Swifts Songs äußerst persönlich sind, erkennen sich die "Swifties" darin wieder. Weil Herzschmerz und Liebe doch irgendwie jeder versteht – und weil die Sängerin genügend Projektionsfläche bietet, um sich in ihr und ihren Erfahrungen wiederzufinden. Kante, macht die Dokumentation deutlich, zeigt Taylor Swift nur, wenn sie es will.
Trotzdem oder gerade deshalb sind sie und ihre Musik für die "Swifties" ein Zufluchtsort. Auf dem Olympiaberg und auf den Plätzen im Stadion schienen die Krisen der Welt vielleicht auch aus diesem Grund für ein paar Stunden ein bisschen weiter weg. Stattdessen tauschte man Freundschaftsarmbänder oder genoss einfach nur die Musik und die Gemeinschaft. Eine "Wohlfühl-Bubble" – oder doch nur die fragile Illusion einer heilen Welt?
Taylor Swift, Travis Kelce und die Frage nach politischer Verantwortung
Nur einen Tag nach den Konzerten in München wird der Safespace der Swifties jäh erschüttert: In Großbritannien ersticht ein Mann drei junge Mädchen bei einer "Taylor Swift Dance Class". Zehn Tage später müssen die Konzerte in Wien wegen einer Terrordrohung abgesagt werden. Und die Fans? Sich von Männern den Spaß und das Feiern verbieten lassen, das wollen sie nicht. So lebt es ihnen Swift auch vor: Egal ob Rapper Kanye West, Ex-Labelboss Scott Borchetta, Musikproduzent Scooter Braun oder sogar der Streamingriese Spotify – die Sängerin machte es in der Vergangenheit mehr als deutlich, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlte.
Sonst allerdings ist Taylor Swift auffällig still, wenn es um politische und gesellschaftliche Themen geht, zeigen die Filmemacherinnen. "Sie kann sich immer dann äußern, wenn es für sie passt", erklärt die Autorin Hadnet Tesfai in der ARD-Dokumentation. "Die Frage ist immer nur: Wie glaubwürdig ist das Engagement?" So setzte Swift im Song "You Need to Calm Down" (2019) zwar ein Zeichen für die LGBTQ+-Community, doch jetzt? Taylor Swift teilt gerade ihr Liebesglück mit American-Football-Star Travis Kelce. Aber zu immer stärker werdendem Sexismus, Rassismus und Homophobie – nichts. Dabei sind viele ihrer Fans genau davon betroffen.
ARD-Doku zeigt die Widersprüche im Phänomen Taylor Swift
"Ich fühle mich auf alle Fälle verarscht", sagt YouTuberin und Autorin Silvi Carlsson. Ihre Empörung und ihr Unverständnis für das Schweigen der Sängerin sind am Ende der drei Folgen ebenso verständlich und nachvollziehbar, wie der scheinbar unaufhaltsame Erfolg von Taylor Swift.
Die ARD zeigt die erste Folge von "The Taylor Swift Years – Schicksalsjahre eines Superstars" am Mittwoch, 1. Juli, 23.50 Uhr. Alle Folgen sind in der Mediathek zu sehen.
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH