Film im Ersten

"12 Tage Sommer": Roadtrip mit Esel

von Sven Hauberg

"Roadtrip" zu Fuß: Ein 15-jähriger Teenie und sein Vater machen sich auf den Weg von München zur Zugspitze. Mit im Gepäck, das von einem Esel getragen wird: viele Probleme.

ARD
12 Tage Sommer
Drama • 10.11.2021 • 20:15 Uhr

Alle zehn Jahre lässt das renommierte britische Filmmagazin "Sight & Sound" Hunderte Kritiker weltweit über den besten Film aller Zeiten abstimmen, zuletzt im Jahr 2012. Auf Platz 16 landete damals "Zum Beispiel Balthasar", ein Film, den man wahlweise "langweilig" (Ingmar Berman) oder "vollendet" (Michael Haneke) finden kann und der eine ungewöhnliche Hauptfigur hat: einen Esel. Die ARD-Produktion "12 Tage Sommer" wird zwar wohl nie auf der "Sight & Sound"-Liste landen, hat aber mit "Zum Beispiel Balthasar" nicht nur gemein, dass auch sie einen Esel zu bieten hat. Zudem kann man diesen Film irgendwie fad, gleichzeitig aber doch auch recht ergreifend nennen. Vielleicht haben das Filme mit Eseln ja so an sich ...

In "12 Tage Sommer" ist der Esel jedenfalls eine Eselin und hört auf den Namen Maria. Die meiste Zeit trottet Maria neben den beiden eigentlichen Hauptfiguren Marcel (Mehdi Nebbou) und Felix (Yoran Leicher) einfach nur her, schwer bepackt mit allerlei Camping-Ausrüstung. Hin und wieder aber darf Maria auch einen eigenen Kopf zeigen und schön bockig sein, wie man das von Eseln eben kennt.

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Marcel und Felix sind Vater und Sohn, theoretisch zumindest, denn viel zu sagen haben sich die beiden nicht. Was nicht verwundert, schließlich ist Felix 15 und fleißig am Pubertieren. Als der Junge dann auch noch alkoholisiert und selbstverständlich ohne Führerschein mit dem Auto durch München heizt, ist das Fass übergelaufen. Felix muss vor eine Jugendrichterin und verkündet, lieber ins Heim zu wollen als zu seinen geschiedenen Eltern. Die Richterin aber macht Vater und Sohn ein ungewöhnliches Angebot: "Ich gebe Ihnen einen Monat", sagt sie – innerhalb dieser Zeit sollen die beiden sich besser kennenlernen und Felix entscheiden, was er wirklich will.

Ähnlich erstaunlich wie der Richterspruch ist dann Marcels Idee, mit seinem Sohn zu Fuß von München auf die Zugspitze zu wandern – begleitet von einem Esel als Lastenträger und Selbstfindungshelfer. Das Tier ist schnell gefunden, und so trottet das Trio schließlich los, durch Wälder und über Felder, immer Richtung Alpen. Da wird dann viel gestritten zwischen Vater und Sohn, es werden Familienzwiste wieder hervorgekramt, und manchmal regnet es auch einfach nur den ganzen Tag. Das zu beobachten, ist bisweilen ganz schön enervierend, weil irgendwie vorhersehbar und gleichzeitig auch arg bemüht.

Herrlich leicht erzählt ist hingegen die Geschichten von Felix' erster Liebe. Irgendwo zwischen München und Garmisch fällt nämlich eine junge Fallschirmspringerin namens Despina (Amira Demirkiran) vom Himmel und quasi direkt in Felix' Arme. Wie die beiden Teenager sich näherkommen und sich Felix vom sprücheklopfenden Problem-Teenie zum schüchternen 15-Jährigen mit Herzklopfen verwandelt, hätte vielleicht sogar einem Ingmar Bergman ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

12 Tage Sommer – Mi. 10.11. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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