Glenda Jackson

Auch als Politikerin erfolgreich: Glenda Jackson Vergrößern
Auch als Politikerin erfolgreich: Glenda Jackson
Glenda Jackson
Geboren: 09.05.1936 in Birkenhead, Cheshire, Großbritannien

Glenda Jackson stammt aus einfachen Verhältnissen: Ihr Vater war Maurer. Mit 16 verließ sie die Schule, schloss sich einer Amateurschauspielgruppe an und hielt sich mit allerlei kleinen Jobs über Wasser. Nachdem sie sich zehn Jahre lang mehr schlecht als recht durchgemogelt hatte, bekam sie die Chance ihres Lebens bei dem Theaterregisseur Peter Brook.

"The Persecution and Assassination of Jean-Paul Marat as Performed by the Inmates of the Asylum of Charenton Under the Direction of the Marquis De Sade" war der nicht gerade kurze und griffige Titel eines preisgekrönten Stücks, das Brook am Theatre of Cruelty inszenierte, einem Ableger der Royal Shakespeare Company. 1966 spielte Glenda Jackson die Rolle auch in der Kinofassung ("Die Verfolgung und Ermordung Jean-Paul Marats"). Der Film wird verständlicherweise oft unter dem Kurztitel "Marat/Sade" zitiert.

Danach ging es für Glenda Jackson steil bergauf. Schon für ihre zweite Rolle bekam sie einen Oscar: Unter der Regie des Kino-Exzentrikers Ken Russell spielte sie mit großem Erfolg in "Liebende Frauen" (1970), der Verfilmung eines Romans von Skandal-Autor D.H. Lawrence. Danach war sie berühmt. Eine Oscar-Nominierung brachte ihr der nächste Film ein, John Schlesingers modisches Dreiecksdrama "Sunday, Bloody Sunday" (1970). Neben dem ebenfalls überzeugenden Peter Finch bot sie eine ausgezeichnete Leistung. Wieder unter Ken Russell sah man sie in "Tschaikowsky - Genie und Wahnsinn" (1970) und dem Musical-Versuch "Boyfriend" (1971). Hier spielte allerdings die Sechzigerjahre-"Bohnenstange" Twiggy die erste Geige.

Unter dem auf wortlastige Kostümdramen spezialisierten Charles Jarrott stand sie 1971 in "Maria Stuart, Königin von Schottland" vor der Kamera. Der Film ist einzig wegen seiner Darsteller bemerkenswert. "Das dreifache Echo" (1972) von Michael Apted handelt von einem Soldaten, der während des Zweiten Weltkriegs aus Liebe seine Truppe verlässt. Eine weitere Zusammenarbeit mit Peter Finch bot ihr "Die Nelson-Affäre" (1973) von James Cellan Jones. Für ihre Leistung in der frivolen Komödie "Mann, bist du klasse" (1972) von Melvin Frank erhielt sie einen Oscar und Golden Globe. Fünf weitere Male war sie für den Golden Globe nominiert: für "Liebende Frauen", "Maria Stuart, Königin von Schottland", "Hedda Gabler" (1975), "Die unglaubliche Sarah" (1978) von Richard Fleischer und "Stevie" (1978) von Robert Enders.

"Hedda Gabler" ist die Verfilmung eines Theaterstücks von Henrik Ibsen. Trevor Nunns Regie ist ohne Belang, aber Glenda Jackson erhält eine weitere Oscar-Nominierung. Danach spielte sie wieder in einem leichteren Stoff: "Hausbesuche" (1977) von Howard Zieff ist eine böse Satire auf Ärzte und Krankenhäuser. Danach war die Zeit ihrer großen Rollen vorbei. In den Achtziger Jahren sah man sie nur noch selten in bemerkenswerten Filmen. Zu ihren Rollen aus dieser Zeit zählen unter anderem "Agentenpoker" (1980) von Ronald Neame, "Die Rückkehr des Soldaten" (1982) von Alan Bridges, "Geheimnisvolle Liebe" (1987) von Robert Wise oder "Gewagtes Spiel" (1986) von Lezli-An Barret.

Kein Glück hatte sie auch mit einem weiteren Film für Ken Russell: "Der Regenbogen" (1989) bezeichnete ein Kritiker als "hyperromantisches Alterstraktat mit Weichzeichnersex" (Wolfgang Brenner, tip). Dagegen war "Therapie zwecklos" (1987) von Robert Altman eine gelungene satirische Breitseite gegen Psychotherapeuten. Ihre letzten Filmauftritte hatte Glenda Jackson in dem Kinderfilm "König der Winde" (1990, Regie: Peter Duffell) und einigen TV-Filmen wie "Der Mörder mit den Silberflügeln" (1991) von Gavin Millar, einem Allerweltskrimi. Zu dieser Zeit kündigte sich bei Glenda Jackson aber bereits ein Berufswechsel an.

Seit Anfang der Neunzigerjahre engagierte sie sich zunehmend in der Politik. Als Mitglied der Labour-Party unternahm sie 1990 einen ersten Anlauf, ins Parlament gewählt zu werden, doch erst 1992 war sie erfolgreich. Die Schauspielerei hat sie seitdem fast ganz an den Nagel gehängt.

Weitere Filme mit Glenda Jackson: "Lockender Lorbeer" (1962, ungenannt), "The Benefit of the Doubt" (1967, ungenannt), "Tell Me Lies", "Negatives" (beide 1968), "Salve Regina" (1969), "Howards End" (TV, 1970), "Elizabeth R" (TV-Mehrteiler, 1971),, "The Maids" (1974), "Die romantische Engländerin", "Il sorriso del grande tentatore" (beide 1975), "Eine beispiellose Affäre" (1977), "Wut der Verzweiflung" (1978), "Ein irres Paar" (1979), "Health - Der Gesundheitskongreß" (1980), "The Patricia Neal Story" (1981), "Giro City" (1982), "Sakharov" (1984), "Ozeanische Gefühle" (1985), "Salomes letzter Tanz" (1988), "Doombeach" (1989), "The Real Story of Humpty Dumpty" (1990, Stimme), "The House of Bernarda Alba" (1991), "Das Doppelleben des Arnold Bax" (1992), "A Wave of Passion: The Life of Alexandra Kollontai" (1994, Stimme) und "William Shakespeare" (2000).


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