Oliver Reed

Oliver Reed
Geboren: 13.02.1938 in London, Großbritannien
Gestorben: 02.05.1999 in La Valletta, Malta

Er arbeitete als Rausschmeißer in Nachtklubs, Boxer und Taxifahrer, bevor er nach dem Armeedienst in Malaysia und Hongkong zunächst ins TV-Geschäft einstieg: Oliver Reed, der Neffe des großen Regisseur Sir Carol Reed. Reed war bekannt für seine Alkohol-Eskapaden, dann war keine Frau vor ihm sicher. Für einen riesigen Skandal sorgte 1985 die Hochzeit mit der seinerzeit 21-jährigen Josephine Burg, denn Reed hatte sie schon als 16-Jährige kennen- und lieben gelernt.

Nach zahlreichen TV-Auftritten in britischen Serien und Nebenrollen in Filmen wie der Komödie "The League of Gentlemen" (1960, Regie: Basil Dearden) oder in Terence Fishers Dr. Jekyll-Variante "Schlag 12 in London" besetzte Fisher Reed 1961 erstmals für die Hauptrolle eines Werwolfs in dem Hammer-Horrorfilm "Der Fluch von Siniestro".

Bereits hier zeichnete sich Reeds spätere Berufung ab, denn immer wieder stand er für diverse zweitklassige, aber durchaus sehenswerte Horrorfilme (etwa "Haus des Grauens", 1962) vor der Kamera. Doch bereits in "Wie ein Schrei im Wind" (1966) von Sidney Hayers zeigte Reed, dass er auch in anderen Produktionen überzeugen konnte. Als roher und versoffener Trapper Jean La Bête kauft er die schöne Rita Tushingham, die ihn nach einer schweren Krankheit aufopferungsvoll gesundpflegt.

Dagegen spielte Reed in Michael Winners "Swinging London"-Komödie "The Girl Getters" (1966) den Fotografen eines Girl-Magazins, dessen Hauptaufgabe darin besteht, so viele junge Mädchen wie möglich zu verführen. Unter der Regie seines Onkels Carol war Oliver Reed 1967 in dem oscargekrönten Musikfilm "Oliver!" zu sehen. Hier spielte er den grimmigen Taschendieb Bill Sikes, der den kleinen Waisenjungen Oliver alias Mark Lester malträtiert. Im gleichen Jahr stand Reed in zwei weiteren Filmen von Michael Winner vor der Kamera: in der Satire "Was kommt danach?" und der Komödie "Minirock und Kronjuwelen". 1969 folgte die Rolle des "Hannibal Brooks" in Winners gleichnamiger Tragikomödie.

Für Reeds weitere Karriere sollte die Begegnung mit Regie-Exzentriker Ken Russell wegweisend sein. Bereits 1967 sah man Oliver Reed als großen Poeten Dante Gabriel Rosetti in Russells "Dante's Inferno". 1970 hingegen spielte Reed einen Macho und Geschäftsmann neben Glenda Jackson und Alan Bates in "Liebende Frauen", Russells überzeugende Umsetzung des gleichnamigen Romans von D. H. Lawrence. Anschließend war Reed erneut in einer Russell-Verfilmung zu sehen, diesmal als französischer Priester des 17. Jahrhunderts in "Die Teufel" nach einem Roman von Aldous Huxley. Wieder mit Glenda Jackson spielte Reed in Michael Apteds Debütfilm "Das dreifache Echo" (1972).

In Russells Film-Biographie "Mahler" (1974) hingegen kam Reed über eine kleine Nebenrolle nicht hinaus. Ähnlich erging es ihm auch in zwei weiteren Russell-Projekten: "Tommy" (1974) und "Lisztomania" (1975). Dafür war die Rolle des trinkfreudigen Musketiers Arthos neben Richard Chamberlain, Frank Finley, Raquel Welch und Faye Dunaway in "Die drei Musketiere" (1973) ein überragender Erfolg für Reed. Beatles-Regisseur Richard Lester verfilmte hier den berühmten Roman von Alexandre Dumas d.Ä., 1974 folgte mit "Vier Musketiere - Die Rache der Mylady" eine ebenso gelungene Fortsetzung. In Peter Collinsons düsteren Kriminalfilm "Morgen gibt es kein Erwachen" (1978) hingegen spielte Reed mit sparsamen Gesten und minimaler Mimik einen Polizeibeamten, für den in erster Linie der Mensch zählt.

Man sah Reed in dem britischen Abenteuerfilm "Black Arrow - Im Wappen der Rose" (1984) an der Seite von Fernando Rey und in Nicolas Roegs Aussteiger-Drama "Castaway - Die Insel" (1986) als besessenen Schriftsteller, der mit der attraktiven Amanda Donohoe für ein Jahr auf eine einsame Insel zieht. 1988 stand Reed in dem Drama "Fesseln der Gewalt" von Terry Ryan vor der Kamera, eine dankbare Rolle als Vulcan hatte er ebenfalls 1988 in Terry Gilliams 45-Millionen-Dollar-Produktion "Die Abenteuer des Baron Münchhausen".

1989 schlüpfte Reed für Richard Lester auch in dem dritten Musketier-Film "Rückkehr der Musketiere" noch einmal in die Rolle des Arthos. Im gleichen Jahr spielte er neben Charlton Heston und Christopher Lee den rauhbeinigen Billy Bones in der Neuverfilmung des Klassikers "Die Schatzinsel". Überzeugend auch seine schauspielerische Leistung als General Boisdeffre in "Der Gefangene der Teufelsinsel" (1991), die filmische Aufbereitung der berühmten "Dreyfus-Affäre", wieder (das letzte Mal!) unter der Regie von Ken Russell.

In der virtuos inszenierten Tragikomödie "Funny Bones - Tödliche Scherze" (1994) von Peter Chelsom agierte Reed 1994 neben Jerry Lewis und Leslie Caron. Ein Gastspiel in Deutschland gab Reed 1995 in Menahem Golans Thriller "Die Tunnelgangster von Berlin". 1998 spielte Reed in "Jeremia", eine spannende und prachtvoll ausgestattete Bibel-Verfilmung, die durch ihre Werktreue überzeugt. Hier war er neben Patrick Dempsey und Klaus Maria Brandauer zu sehen. Reeds letztes Projekt war die Rolle des Proximo in Ridley Scotts Abenteuerfilm "Gladiator" (2000). Oliver Reed starb, wie er es sich wahrscheinlich immer gewünscht hat: Nach einem Barbesuch in La Valetta auf Malta klagte er über Schmerzen, Minuten später war er tot. Reed, der dreimal verheiratet war, hinterließ einen Sohn.

Weitere Filme mit Oliver Reed: "Das Schwert des Robin Hood" (1960), "Die Bande des Captain Clegg", "Sie sind verdammt" (beide 1962), "Die scharlachrote Klinge" (1963), "Die Letzten von Fort Kandahar" (1965), "Mörder GmbH" (1968), "Leise weht der Wind des Todes" (1971), "Sitting Target", "Schmutziges Wochenende" (beide 1972), "Der Lord, der ein Diener sein wollte" (1973), "Ein Unbekannter rechnet ab" (1974), "Royal Flash", "Von allen Hunden gehetzt" (beide 1975), "Landhaus der toten Seelen" (1976), "Der Prinz und der Bettler" (1977), "Wut der Verzweiflung", "Tote schlafen besser" (beide 1978), "Condorman" (1980), "Die schwarze Mamba" (1981), "Zwei vom gleichen Schlag", "Fanny Hill" (beide 1983), "Christopher Columbus" (1985), "Die Galgenvögel", "Guerilla Force" (beide 1986), "Der Herr von Dragonard Hill" (1987), "Gefährdete Liebe" (1988), "Ein Phantom in Monte Carlo", "Geheimkommando Supermodels" (beide 1989), "Panama Sugar" (1990), "Marco Polo und die Tempelritter" (1997) und "Die Bibel - Jeremia" (1998).

Zur Filmografie von Oliver Reed
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