Günter Wallraff

Lesermeinung
Geboren
01.10.1942 in Burscheid , Deutschland
Alter
79 Jahre
Sternzeichen
Biografie
Enthüllungsjournalist Günter Wallraff zieht alle Register, wie kaum ein zweiter. Durch seine verdeckten Recherchemethoden und seine schonungslosen Bücher und Reportagen ist er bekannt geworden.

Als "Hans Esser" deckte er die Arbeitstechniken der Bild-Zeitung auf ("Der Aufmacher", 1977), als Türke Ali verkleidet ("Ganz unten", 1985) erfuhr er, wie Gastarbeiter hierzulande behandelt wurden und werden. Er hat den Reichen (Henkel-Imperium) auf die Finger und in ihre Fettnäpfe geschaut ("Wir da unten, ihr da oben", 1982).

Um auf die Menschenrechtsverletzungen in Argentinien aufmerksam zu machen, kettete er sich öffentlich an. Unzählige Prozesse sind gegen ihn geführt worden, die er jedoch weitgehend gewann. Wegen seines Buches "Ganz unten" (1985) genießt er großes Ansehen in der türkischen Bevölkerung. Mit der Situation in der Türkei hat er sich immer wieder vor Ort beschäftigt.

Im August 1993 organisierte er mit Erfolg ein Versöhnungstreffen zwischen Salman Rushdie und dem türkischen Schriftsteller und Herausgeber der türkischen Ausgabe der "Satanischen Verse", Aziz Nesin. Sie hatten sich nach dem Massaker fundamentalistischer Gewalttäter an türkischen Intellektuellen in der türkischen Stadt Sivas einen heftigen Pressekrieg geliefert.

Bei dem Schein-Prozess, der gegen die Täter von Sivas Anfang 1994 in Ankara geführt wurde, war Wallraff einziger ausländischer Beobachter. Weil er dem Richter ein Dorn im Auge war, wurde gegen ihn ein eigener Prozess in Gang gesetzt, "wegen Einmischung in ein schwebendes Verfahren und Missachtung des Gerichts". Nesin, der im Juli 1995 starb, war für Wallraff "das handelnde, redende und schreibende Gewißsen der türkischen Gesellschaft"

Sein Einsatz für das Buch des PKK-Dissidenten Cürükkaya brachte ihm nach eigenen Angaben Anfeindungen von PKK-Blättern ein, er "sei ein Verleumder, ein Agent der türkischen Regierung", ihn erreichten Morddrohungen von "selbsternannten Vollstreckern" (Sonntagsblatt, 25.04.97). Stärker bedroht sei Cürükkaya selbst. Im Dezember 96 suchte Wallraff den PKK-Führer Öcalan in dessen syrischem Versteck auf, um die Aufhebung des Mordbefehls gegen Cürükkaya zu erreichen.

Wallraffs Ansicht zum Verbot der PKK in Deutschland: "Zum Zeitpunkt dieses Verbotes führte kein Weg daran vorbei. Denn die PKK hat hier ja nicht nur türkische Einrichtungen attackiert. Ihre Gewalt traf auch kleine Geschäftsleute, Menschen, die hier mühselig Fuß gefaßt hatten. Von daher war das Verbot folgerichtig. Inzwischen gibt die PKK zu, Fehler gemacht zu haben. Und sie hat ihr Versprechen, in Deutschland keine Gewalt mehr anzuwenden, bisher gehalten. Damit ist eine Voraussetzung gegeben, die PKK wieder zu legalisieren. Heute ist es unmöglich, dass PKK-Vertreter offen auftreten, weil sie sich der Gefahr der Verhaftung aussetzen. Nur wo offen diskutiert werden kann, sind die Voraussetzungen für die Demokratisierung gegeben."

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