Henry Hathaway

Marquis in Hollywood: Regisseur Henry Hathaway Vergrößern
Marquis in Hollywood: Regisseur Henry Hathaway
Marquis Henri Leonard de Fiennes
Geboren: 13.03.1898 in Sacramento, Kalifornien, USA
Sternzeichen: Fische
Gestorben: 11.02.1985 in Hollywood, Kalifornien, USA

Er war älter als das Jahrhundert, fast so alt wie die amerikanische Filmindustrie, als er 1985 starb. In der Geschichte der amerikanischen Filmindustrie gehört Henry Hathaway zu den großen Handwerkern, kein Autorenfilmer und Individualist, aber einer, der sich in allen Genres bewährte und diese gelegentlich um wesentliche Stilnuancen zu bereichern wusste. Als europäische Emigranten wie wie Fritz Lang, Robert Siodmak, Billy Wilder und andere die Schwarze Serie im amerikanischen Kino entwickelten, brachte Hathaway das dokumentarische Element hinein. Dafür stehen Filme wie "Das Haus in der 92. Straße" (1945), "Der Todeskuss" (1947) und "Kennwort 777" (1948).

Das Kino ist ihm in die Wiege gelegt. Schon als Neunjähriger steht er vor der Kamera, ist Schauspieler bis zum 34. Lebensjahr. Er dient sich hoch, spielt, macht Requisite, allerlei kleine Jobs im Studio. Als Regieassistent lernt er bei den Regiegrößen Josef von Sternberg und Victor Fleming. Auch bei dem berühmten Wagenrennen im Stummfilm "Ben Hur" (1924) ist er dabei.

1932 darf er bei Paramount, wo er seit langem beschäftigt ist, seinen ersten Film inszenieren: "Wild Horse Mesa" (1932). In seiner Komödie "Auf in den Westen" (1936) spielt Mae West, damals das Sexsymbol Nr. 1, eine resolute Schauspielerin, die sich einen Mann (Randolph Scott) angelt und damit alle Normen der herrschenden Gesellschaftsmoral auf den Kopf stellt. Mit "Bengali" (1935) und "Schiffbruch der Seelen" (1937, beide mit Gary Cooper) wandte er sich dem Abenteuerfilm zu. 1940 geht Hathaway zur Twentieth Century Fox und hier bleibt er zwanzig Jahre. Einer seiner ersten Filme dort heißt "Verfluchtes Land" (1941): Young Matt (John Wayne) hasst seinen Vater, den er für den frühen Tod seiner Mutter verantwortlich macht, weil er die Familie im Stich gelassen hat. Matt sinnt auf Rache. Doch eines Tages erscheint ein Fremder, der sich als Old Matt, seinen Vater, zu erkennen gibt. Jetzt erkennt der junge Mann seinen Irrtum. Henry Hathaway hat nach dem Roman von Harold Bell Wright einen schlichten, spannenden Film gedreht.

Danach entstehen die großen dokumentarischen Kriminal- und Spionagefilme, der aufwendige Kostümfilm "Schwarze Rose" (1950) mit Tyrone Power und Orson Welles, der berühmte und bei uns äußerst erfolgreiche "Rommel, der Wüstenfuchs" (1951) mit James Mason in der Titelrolle. Als die Fox das neue Cinemascope-Verfahren entwickelt, ist Hathaway unter den Ersten, die es nutzen: für den Ritterfilm "Prinz Eisenherz" (1954) mit Robert Wagner und Der Garten des Bösen" (1954): Eine selbstbewusste Frau (Susan Hayward) engagiert vier Abenteurer, damit sie ihren verletzten Mann aus einer Goldmine retten. Sie hat ihnen allerdings nicht gesagt, dass es eine lebensgefährliche Aktion ist, weil die Indianer das Gebiet den "Garten des Bösen" nennen, einen Ort, den kein Mensch betreten soll. Kameramann Milton Krasner nutzt das Cinemascope für die Weite der Landschaft, Bernard Herrmann komponierte die eindringliche Musik. Ein Klassiker des Western-Genres.

Hathaway bleibt seiner Vorliebe für große Leinwände treu: Als das neue Cinerama-Verfahren entwickelt ist, dreht er gemeinsam mit John Ford und George Marshall das (formal) gigantische Western-Epos "Das war der Wilde Westen" (1961). Zu Hathaways Repertoire gehören zahlreiche Starfilme wie "Kurier nach Triest" mit Tyrone Power und Hildegard Knef (1952), "Niagara" (1953) mit Marilyn Monroe, "Land der tausend Abenteuer" (1960) mit Stewart Granger und John Wayne, "Zirkuswelt" (1963) mit John Wayne, Rita Hayworth und Claudia Cardinale und der große Western "Die vier Söhne der Katie Elder" (1965) mit John Wayne, Dean Martin und Dennis Hopper. Als die vier Söhne zur Beerdigung ihrer Mutter kommen, wartet bereits ein Scharfschütze auf den Ältesten, auf John. Der aber zeigt sich besonnen und geht der Sache zunächst aus dem Weg. Wenn sich am Ende die Elders dann doch ins Kampfgetümmel stürzen, dann, weil sie sich gegen die aufgehetzten Leute von Clearwater verteidigen müssen. Da siegt nicht Macht über Gesetz, sondern Verzweiflung über den Unverstand einer Zeit, die geregelter Ordnung noch nicht gewachsen ist.

Zu einem großen, späten Triumph wird sein Western "Der Marshal" (1968). Ein altes Rauhbein muss ausgerechnet mit einem halbwüchsigen Mädchen auf Ganovenjagd gehen. John Waynes Auftritt in der Titelrolle gehört zu seinen berühmtesten Rollen. Er wurde dafür mit einem Oscar geehrt. Hathaways Film zählt ohne Zweifel zu den absoluten Höhepunkten des Genres. Dennoch: Die Stellung von Henry Hathaway in der Filmgeschichte ist umstritten. Für die einen verdient er mit seinen besten Werken einen Platz neben anderen Genre-Regisseuren wie Howard Hawks und John Ford, anderen ist die Qualität seiner Filme zu unterschiedlich, wieder andere halten ihn gar - selbst mit seinen besten Werken - für "überschätzt". Tatsache ist, dass sich neben etlichen sehenswerten Filmen in seinem Werk auch viel Ausschuss befindet, der eine höhere Bewertung Hathaways verbietet.

Weitere Filme von Hathaway: "Heritage of the Desert" (1932), "To the Last Man", "Mädchenraub in Wildwest", "Flammenreiter", "Under the Tonto Rim", "The Thundering Herd" (alle 1933), "Treffpunkt: Paris!", "Todeslegion", "The Witching Hour", "Come on Marines" (alle 1934), "Peter Ibbetson" (1935), "Kampf in den Bergen", "Hotel Stadt Lemberg" (beide 1936), "Lest We Forget" (1937), "Raubfischer in Alaska" (1938), "Verrat im Dschungel" (1939), "Johnny Apollo", "Treck nach Utah" (beide 1940), "Die Waffenschmuggler von Kenia", "10 Leutnants von West-Point", "China Girl" (beide 1942), "Harte Burschen - Steile Zähne" (ungenannt, 1943), "Zu Hause in Indiana", "Mission im Pazifik" (beide 1944), "Nob Hill" (1945), "Feind im Dunkel" (1946), "13 Rue Madeleine" (1947), "Seemannslos" (1949), "Zwei in der Falle", "Vierzehn Stunden", "You're in the Navy Now" (alle 1951), "Fünf Perlen", "Kurier nach Triest" (beide 1952), "Weiße Frau am Kongo" (1953), "Der Favorit" (1954), "Gefangene des Stroms", "23 Schritte zum Abgrund" (beide 1956), "Die Stadt der Verlorenen" (1957), "Schieß zurück, Cowboy!" (1958), "Ungebändigt", "Sieben Diebe" (beide 1959), "Der Menschen Hörigkeit" (1964, ungenannt), "Nevada Smith" (1966), "Die letzte Safari" (1967), der interessante, aber oft angefeindete Sado-Western "Todfeinde" (1968, mit Robert Mitchum in einer seiner fiesesten Rollen), die Winter-Szenen von "Airport" (1970), "Abrechnung in Gun Hill" (in dem er nochmals das Thema aus "Der Marshal" aufgriff, diesmal mit Gregory Peck), "Im Morgengrauen brach die Hölle los" (beide 1971) und "Hangup" (1974).


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