Marc Forster

Lesermeinung
Biografie
Die "New York Times" beschrieb ihn als eines der heissesten Talente Hollywoods, die "L.A. Weekly" sieht ihn schon als Filmemacher, den jeder Star anbetteln wird, um mit ihm drehen zu dürfen. Kein Zweifel - mit seinem schwermütigen Meisterwerk "Monster's Ball" (2001) ist dem Schweizer Marc Forster einer der ganz großen kleinen Filme des zeitgenössischen US-Kinos gelungen. Neben souveräner Schauspielerführung (Halle Berry gewann als erste Schwarze den Oscar als beste Hauptdarstellerin) besticht an seiner Inszenierung insbesondere das Gespür für zwischenmenschliche Nuancen, die von den Protagonisten unausgesprochen kommuniziert werden.

Marc Forster kam 1970 als Sohn eines Schweizer Arztes und einer deutschen Architektin zur Welt und wuchs im schweizerischen Klosters auf. Weil seine Eltern jedoch nicht viel hielten von audiovisueller Stimulans, sah Marc seinen ersten Kinofilm erst im Alter von zwölf Jahren - dann allerdings prompt Coppolas elektrisierendes Vietnam-Drama "Apocalypse Now". Direkt danach kam er nach Hause und verkündete stolz, dass er fortan Filme drehen wollte.

Natürlich hielten ihn seine Eltern für einen Träumer und wollten, dass er Medizin studierte. Doch der Traum wurde Wirklichkeit. Als seine Familie ihr gesamtes Kapital beim Börsencrash 1987 verlor, ging Forster nach dem Schulabschluss 1990 dank der finanziellen Unterstützung eines Kunstförderers nach New York und besuchte die renommierte Filmschule der dortigen Universität.

Schon seine ersten Arbeiten als Student waren dem Vernehmen nach oft sprachlos und ausdrucksstark, wobei er das bis heute favorisierte Erzählen ohne Worte lernte. An der NYU drehte er fürs europäische Fernsehen mit "Silent Windows" unter anderem eine Dokumentation über Teenager-Suizide und eine weitere Doku über minderjährige Verbrennungsopfer. 1995 folgte er dem Ruf eines Freundes aus Los Angeles, mit dem er für rund 10000 Dollar und im Digitalvideoformat den Experimentalfilm "Loungers" drehte, der beim kalifornischen Slamdance Festival den Publikumspreis gewann. Daraus resultierte die Finanzierung von Forsters erstem Kinofilm "Alles schön beisammen" (2000), ein Psychodrama über eine Mutter, die alle sozialen Kontakte verliert, nachdem ihr Baby stirbt.

"Alles schön beisammen" wurde im Jahr 2000 im Wettbewerb von Robert Redfords Sundance Festival gezeigt, bevor Forster im selben Jahr bei den Independent Spirit Awards die signifikante, so genannte "Someone to Watch"-Prämierung erhielt. Alle seine Arbeiten erzählen von Verlust und von Verzeihen, von Lähmung und Aufrappeln. Gefühle, die der Regisseur vielleicht deshalb so aufrichtig auf die Leinwand zu bringen weiß, weil er sie am eigenen Leibe erlebt hat. 1998 verlor er binnen kurzem den Vater, die Großmutter und einen seiner Brüder.

Eine weitere großartige Regiearbeit folgte 2004 mit dem Drama "Wenn Träume fliegen lernen" und zwischen (Alb-)Traumwelt und Wirklichkeit, Psychodrama und bizarrem Thriller bewegte er sich in "Stay" (2005). Gekonnt inszeniert und großartig gespielt ist auch seine Tragikomödie "Schräger als Fiktion" (2006). 2007 entstand das sehenswerte Drama "Drachenläufer" und seinen ersten Bond-Streifen inszenierte Forster mit "James Bond 007 - Ein Quantum Trost" (2008). Und 2013 folgte der Zombiestreifen "World War Z" mit Brad Pitt.

Foto: (c) Phil Bray/Paramount Vantage

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