Kann Christopher Robin (Ewan McGregor) seinem alten Kumpel Puuh helfen?
Nachdem Disney unter anderem schon seine Zeichentrickklassiker "Die Schöne und das Biest", "Alice im Wunderland" und "Das Dschungelbuch" als Realfilme reanimiert hat, sind nun die Geschichten um Winnie Puuh und Christopher Robin (Ewan McGregor) an der Reihe.

Christopher Robin

KINOSTART: 16.08.2018 • Komödie • USA (2018) • 104 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Christopher Robin
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Budget
75.000.000 USD
Einspielergebnis
62.119.317 USD
Laufzeit
104 Minuten
Regie

Filmkritik

Winnie Puuh hilft Ewan McGregor aus seinem Tief
Von Markus Schu

Als gestresster Familienvater hat Christopher Robin, gespielt von Ewan McGrecor, keine Zeit mehr für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Bis er plötzlich einem alten Freund aus Kindertagen begegnet. Winnie-Puuh-Realverfilmung mit bezaubernd animierten Stofftieren.

Hollywood und seine Trends: Immer wieder kommt es vor, dass im selben Jahr zwei unterschiedliche Filme zu einem ähnlichen Thema gedreht werden. So 2012, als mit "Spieglein, Spieglein" und "Snow White and the Huntsman" gleich zwei Adaptionen von "Schneewittchen" präsentiert wurden. 2018 geht das Phänomen weiter: Im Juni noch erzählte das Biopic "Goodbye, Christopher Robin" die wahre Geschichte hinter "Pu der Bär" und rückte dessen literarischen Schöpfer A.A. Milne in den Vordergrund. Einen gänzlich anderen Fokus hat nun Disney mit seinem zauberhaften Kinderfilm "Christopher Robin". Den Zuschauer erwartet eine Realfilmadaption der früheren animierten Filme und Serien, die sich schon zuhauf mit den Abenteuern des honigliebenden Bären Winnie Puuh und seiner Freunde im Hundertmorgenwald befassten. Ewan McGregor gibt den erwachsenen Christopher Robin und erinnert sich dank seiner Freunde aus Kindertagen an die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

"Christopher Robin" folgt noch einem weiteren Trend: Disneys anhaltendem Bedürfnis, seine Trickfilmklassiker als Live-Action-Filme erneut auf die Leinwand zu bringen ("Cinderella", "Die Schöne und das Biest"). Die aktuellste Realfilmadaption nimmt dabei die bekannten "Winnie Puuh"-Geschichten als Inspiration für ein neues Abenteuer. Die Prämisse erinnert an Steven Spielbergs "Hook": Denn ähnlich wie einst Robin Williams als in die Jahre gekommener Peter Pan ist nun auch Christopher Robin (Ewan McGregor) erwachsen geworden.

Als berufstätiger Familienvater hat er seine lebendigen Stofftierfreunde rund um Puuh, Tigger und I-Ah fast vergessen. Doch nicht nur das: Dem Kriegsveteranen ist jedwede Leichtigkeit abhandengekommen, für seine Frau Evelyn (Hayley Atwell) und Tochter Madeline (Bronte Carmichael) hat er kaum Zeit – die Nachkriegsjahre halten für ihn nur die Arbeit beim Kofferhersteller Winslow bereit.

An seinem persönlichen Tiefpunkt angelangt erhält er unerwarteten Besuch von seinem früheren besten Freund Puuh, dem Honigbären, der auf wundersame Weise im Park vor Christophers Haus auftaucht. Denn Puuh braucht Hilfe: All seine Freunde sind verschwunden! Eher gestresst als begeistert beschließt Christopher, seinem Bärenfreund unter die Arme zu greifen. Und ehe er sich versieht, entdeckt er wieder die Schönheit der einfachen Dinge ...

Einen Innovationspreis wird die Story kaum gewinnen, und auch der Grundkonflikt sprüht nicht gerade über vor Originalität: Ein gestresster Familienvater rackert sich ab zum Wohle seiner Lieben und vergisst dabei, Zeit mit ihnen zu verbringen. Was allerdings genauso gut gelingt wie schon in den bisherigen Disney-Adaptionen ist das Einfangen der simplen Lebensweisheiten. Puuh ist vielleicht ein "dummer alter Bär", aber auch einer "mit großem Herzen", der über seine ständigen Missverständnisse und seine Bauernschläue sehr eigenwillige, philosophische Perspektiven auf das Leben eröffnet: "Menschen sagen, nichts ist unmöglich, aber ich mache jeden Tag nichts!"

Das Herzstück des Films von Marc Forster ("Ein Quantum Trost", "Wenn Träume fliegen lernen") sind die hervorragend animierten, zuckersüßen Stofftiere: Alle Bewohner des Hundertmorgenwalds sprechen und bewegen sich so, wie man es von früher kennt.

Interessant ist auch die psychologische Komponente des Films: Die Abenteuer mit den für alle sichtbaren Fantasie-Figuren spiegeln die Konflikte der realen Welt wider und eröffnen neue Blickwinkel auf Christophers Probleme. Puuh erscheint als Alter Ego des Protagonisten: So wie der Bär seine Freunde verloren hat, muss auch Christopher seine Lieben wiedergewinnen. Aufgrund der kindgerechten Umsetzung ist all das zwar nicht besonders anspruchsvoll ausgefallen, doch es verleiht dem Film zumindest etwas Tiefgang.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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