Ray Harryhausen

Passionierter Saurier-Fan: Ray Harryhausen Vergrößern
Passionierter Saurier-Fan: Ray Harryhausen
Ray Harryhausen
Geboren: 29.06.1920 in Los Angeles, Kalifornien, USA
Gestorben: 07.05.2013 in London, Großbritannien

Vor allem zwei große Vorlieben aus der Kindheit übten auf Ray Harryhausen prägenden Einfluss aus: Zum einen entwickelte er schon früh ein Interesse für Dinosaurier. Er begutachtete die Überreste prähistorischer Tiere in den La Brea-Teergruben im Hancock Park, besuchte häufig das Museum Of Natural History in der Nähe der University Of Southern California mit den vielen rekonstruierten Saurierskeletten und seine Mutter schenkte ihm einst einen Saurierbildband mit den denkwürdigen Entwürfen von Charles R. Knight. Zum anderen gab es das Kino. Hier war es neben den "Laurel & Hardy"-Komödien vor allem der Klassiker "King Kong und die weiße Frau" von 1933 mit den beeindruckenden Tricks von Willis H. O'Brien.

Nachdem Harryhausen seinerzeit die Premiere des Films miterlebte, war für ihn klar, dass er sein Dinosaurier-Interesse mit bewegten Bildern kombinieren müsse. Stundenlang philosophierte er mit dem gleichaltrigen Freund Ray Bradbury, heute einer der bekanntesten Science-Fiction- und Krimi-Autoren, über Dinosaurier.

Mit einer geliehenen 16-mm-Kamera unternahm Harryhausen bereits damals erste Stop-Motion-Versuche (ein Trickverfahren mit Einzelbildaufnahmen). So nahmen einige seiner eigenen geschaffenen Puppen-Saurier Gestalt an. Parallel dazu belegte er am Los Angeles City College die Fächer Kunst, Anatomie, Film und Schauspiel.

Erste professionelle Arbeiten lieferte Harryhausen, als er eine Anstellung als Filmanimateur bei dem gebürtigen Ungarn George Pal bekam. Hier hoffte Harryhausen, dass er neben den "Puppetoons"- und Märchen-Adaptionen (etwa "Dornröschen" und "Hoola Boola") seinen 16-mm-Farbfilm "Evolution Of The World" fertigstellen könne. Doch daraus wurde nichts: 1942 wurde er zur Armee eingezogen. Dank seiner Fähigkeiten landete er in der Abteilung von Regisseur Frank Capra, wo er meist als Kamera-Assistent arbeitete, aber auch mit "Tulips Shall Grow" ein Werk als Chef-Animator ablieferte.

Nach dem Krieg drehte Harryhausen fünf zweiminütige Puppentrickfilme, die er unter dem Titel "Mother Goose Stories" zusammenfasste. Später folgten in ähnlicher Form auch heute noch charmant wirkende Märchen aus aller Welt: "Rotkäppchen und der Wolf" (1949), "Hänsel und Gretel" (1950), "Rapunzel" (1951) und "King Midas" (1953). 2002 griff Harryhausen mit dem 12-minütigen "The Story of the Tortoise & the Hare" - jene Geschichte vom Wettlauf zwischen Schildkröte und Hase, die schon Walt Disney als Zeichentrickfilm umsetzte - seine alte Form erneut noch einmal auf.

Als ihm 1946 "King Kong und die weiße Frau"-Schöpfer Willis O'Brien - dem Harryhausen Ende der Dreißigerjahre zuerst begegnet war - anbot, bei dem Projekt "Panik um King Kong" mitzuarbeiten, wurde für den 26-jährigen Harryhausen ein Traum wahr. Anschließend wollten sie noch gemeinsam den Saurierfilm "The Valley Of The Mist" verwirklichen, doch leider - wie häufig bei O'Brien-Projekten - kam es dazu nicht. Anfang der Fünfzigerjahre wurde Harryhausen von Produzent Hal E. Chester verplichtet. Für diesen arbeitete Harryhausen an dem Low-Budget-Film "Panik in New York" (1953) nach einer Geschichte von Ray Bradbury.

Mit dem Film "Das Grauen aus der Tiefe" (1955), in dessen Mittelpunkt ein riesiger Oktopus ganz San Francisco verwüstet, begann die überaus fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Harryhausen und Produzent Charles H. Schneer. Gemeinsam realisierten sie die SF-Klassiker "Fliegende Untertassen greifen an" (1956) und "Die Bestie aus dem Weltenraum". Außerdem entstanden nach Motiven aus 1001-Nacht den phantastischen "Sindbads siebente Reise" (1958), unter dem Titel "Herr der drei Welten" (1960) die ideenreiche Verfilmung von Jonathan Swifts "Gullivers Reisen" und die Jules Verne-Adaption "Die geheimnisvolle Insel" (1961).

In "Jason und die Argonauten" (1963) wurde die "Sindbad"-Szene, in der der Held mit einem Skelett kämpft, noch einmal aufgegriffen, nur dass diesmal der Protagonist gegen eine ganze Armee aus Skeletten fechten muss. Danach enstanden noch das viktorianische Raumfahrtepos "Die erste Fahrt zum Mond" (1964) nach H.G. Wells und der Saurier-Film "Gwangis Rache - Das Tal der Dinosaurier" (1968).

Zwischendurch arbeite Harryhausen nur dreimal für andere Produzenten: 1955 setzte er für Irwin Allen eine von O'Brien entworfene Saurier-Sequenz für den Film "Die Tierwelt ruft" in Szene, 1957 kreierte er für "Der 27. Tag" eine UFO-Sequenz, und 1966 arbeitete Harryhausen für die britischen Hammer-Studios an dem Film "Eine Million Jahre vor unserer Zeit".

In den Siebzigerjahren versuchten es Schneer und Harryhausen noch einmal mit Sindbad-Geschichten. Es entstanden "Sindbads gefährliche Abenteuer" (1973) und "Sindbad und das Auge des Tigers" (1977). Danach arbeitete Harryhausen an seinem ambionierten 16-Millionen-Dollar-Werk "Kampf der Titanen" (1981), das letztendlich aber scheitern musste, weil hier überdeutlich zu erkennen war, dass derlei Technik mittlerweile doch angestaubt wirkte.

Bis zu seinem Tod lebte Ray Harryhausen mit seiner Frau Diana - übrigens eine direkte Nachfahrin des Afrikaforschers Livingstone - in London, wo er sich hauptsächlich mit der Produktion von Bronzeskulpturen widmete, die meist den Geschöpfen aus seinen Filmarbeiten nachempfunden sind.

Außerdem übernahm er Gastrollen in John Landis' "Spione wie wir" (1985), neben Eddie Murphy in "Beverly Hills Cop III" (1994) und in dem "Panik um King Kong"-Remake "Mein großer Freund Joe" (1999). Darüber hinaus gibt es zahlreiche Dokumentationen, in denen Harryhausen auftritt, und außerdem den gelungenen biografischen Dokumentarfilm über Leben und Werk des Special-Effect-Meisters "Aliens, Dragons, Monsters & Me" (1986) sowie die TV-Dokus "The Ray Harryhausen Chronicles" (1998) und "Ray Harryhausen: Working with Dinosaurs" (1999). 2003 übernahm er darüberhinaus eine Sprecherrolle - als Polarbär - in dem Film "Elf".

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