Joseph Vilsmaier

Lesermeinung
Geboren
24.01.1939 in München, Deutschland
Gestorben
11.02.2020 in 
Sternzeichen
Biografie

"Was willst du mit der alten Bäuerin?" wurde Joseph Vilsmaier gefragt, als er sich 1988 in "Herbstmilch" an die Verfilmung der Lebenserinnerungen einer bayerischen Landfrau begab. "Dieser Schmarrn interessiert keinen Menschen." Vilsmaier blieb standhaft und feierte mit dem Film den gelungenen Brückenschlag vom Kameramann (etwa für "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck, 1972, oder auch einige "Tatort"-Episoden) zum Regisseur. Von da an war er berühmt. "Herbstmilch" ist Vilsmaiers Visitenkarte, auch heute noch. Denn fast alle seine Filme atmen den Odem der Geschichte. Sein Lieblingsfach, schon in der Schule.

Aber er ist kein verhinderter Studienrat, der sich zum Film verirrt hat. Vilsmaier haucht den tristen Lehrbüchern Leben ein und verankert Historie an menschlichen Schicksalen. So in "Stalingrad" (1992), die Geschichte von vier jungen Soldaten, die erkennen müssen, dass sie im Kessel von Stalingrad eingeschlossen sind; so in dem preisgekrönten "Comedian Harmonists" (1997), ein Film über das Schicksal und den kometenhaften Aufstieg der gleichnamigen Männergesangsgruppe, die in den Zwanziger- und Dreißigerjahren in Deutschland und international gefeiert wurde, 1934 aber unter dem Druck der Nazis aufgeben musste; und so war es auch bei "Marlene" (2000) oder "Der letzte Zug" (2006).

Die Deportation oder auch die Dietrich drängten sich als Filmstoff auf, aber keiner wagte sich heran. Vilsmaier tat es. "Das entscheide ich immer aus dem Bauch heraus", sagt er, "für 'Herbstmilch','Stalingrad' oder die 'Harmonists' habe ich mich in nur zehn Minuten entschlossen." Doch die Kritiker sitzen bei jedem neuen Vilsmaier stets mit spitzem Bleistift in den Kinosesseln. "Kommerzielles Gespür für Biedermeier-Seelen" hielt man ihm vor, "dampfenden Naturalismus" und "Naivität". Hätte er doch besser Geschichtslehrer werden sollen? Nein. Er ist einer der wenigen Deutschen, dessen Produkte auch im Ausland auf offene Augen stoßen: "Comedian Harmonists" lief etwa in den USA. Und Vilsmaier arbeitet weiter an seinem Traum, dem Acadamy Award. "Ich liebe Preise", sagt Vilsmaier, "wenn der Oscar kommt, räume ich für ihn mein ganzes Trophäenregal leer."

Nach dem Filmstart von "Marlene" (mit Katja Flint) hatte er allerdings keinen Grund zu feiern, die Kritik verriss den Streifen. Feiern, das kann er besonders gut. Heino Ferch ("Comedian Harmonists") kennt den Sepp: "Er kann bis morgens um sechs feiern und steht fit um sieben Uhr in einem Eisbach. Joseph ist ein Tier." Kondition verlangt er aber auch seinen Schauspielern ab. Doch immer auf seine amüsante Art, spürte schon "Harmonist" Heinrich Schafmeister: "Sepp macht die Arbeit zur Feier und die Feier zur Arbeit." Joseph Vilsmaier war von 1986 bis zu ihrem Tod mit der Schauspielerin Dana Vávróva verheiratet, die auch in seinen Filmen "Comedian Harmonists", "Rama dama" (hier war die Geburt von Tochter Theresa zu sehen), "Schlafes Bruder" (Deutscher Filmpreis, Oscar-Nominierung, Golden-Globe-Nominierung), "Stalingrad" und "Herbstmilch" mitspielte.

Seine Kindheit verbrachte er in Pfarrkirchen (Niederbayern) und in München. Zwischen 1953 und 1961 absolvierte er eine Ausbildung in den kameratechnischen Abteilungen bei Arnold & Richter (ARRI), im Studiobetrieb und im Kopierwerk. Gleichzeitig studierte er am Münchner Konservatorium Musik mit dem Schwerpunkt Klavier. 1961 wurde er bei der Bavaria Film in Geiselgasteig als Kameraassistent eingestellt, ab 1972 arbeitete Joseph Vilsmaier als Kameramann.

Weitere Filme von und mit Joseph Vilsmaier: "Charlie und Louise - das doppelte Lottchen" (1993), "Und keiner weint mir nach" (1996) mit Vilsmaier-Tochter Janina, "Hunger - Sehnsucht nach Liebe" (1996, Produzent), "Leo & Claire" (2001) mit Michael Degen, Suzanne von Borsody, Franziska Petri, "Bergkristall" (2004), "Vera - Die Frau des Sizilianers", "Der Weihnachtsbrei" (beide 2005), "Der letzte Zug", "Das Weihnachts-Ekel" (2006), "Die Gustloff", "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" (beide 2008), "Nanga Parbat" (2009), "Das Leben ist zu lang" (2010, Darsteller), "Russisch Roulette" (Regie, 2011), "Bavaria - Traumreise durch Bayern" (Regie, 2012).

Filme mit Joseph Vilsmaier

BELIEBTE STARS

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Unverwechselbare Erscheinung: Ron Perlmann
Ron Perlman
Lesermeinung
Schauspieler Paul Giamatti.
Paul Giamatti
Lesermeinung
Als "Der Nachtfalke" weltweit bekannt: Gary Cole
Gary Cole
Lesermeinung
Schauspielerin Susanne Wuest.
Susanne Wuest
Lesermeinung
Bildete Jack Nicholson aus: Martin Landau.
Martin Landau
Lesermeinung
Genreübergreifend erfolgreich: Liev Schreiber
Liev Schreiber
Lesermeinung
Schon längst ein Hollywood-Star: Giovanni Ribisi
Giovanni Ribisi
Lesermeinung
Seit "Stargate" ging es aufwärts: Mili Avital
Mili Avital
Lesermeinung
Eine der vielseitigsten und interessantesten Schauspielerinnen Italiens: Margherita Buy
Margherita Buy
Lesermeinung
Kam bei einem Autounfall ums Leben: Paul Walker.
Paul Walker
Lesermeinung
James Remar.
James Remar
Lesermeinung
Muhammad Ali ist eine Legende des Boxsports.
Muhammad Ali
Lesermeinung
Schauspieler Michael Shannon.
Michael Shannon
Lesermeinung
Ihr Durchbruch kam mit "Düstere Legenden": Alicia Witt.
Alicia Witt
Lesermeinung
Als Model erfolgreich: Nadja Auermann
Nadja Auermann
Lesermeinung
Andrew Lincoln: Dank "The Walking Dead" weltweit bekannt.
Andrew Lincoln
Lesermeinung
Debütierte 1994 als Schauspieler und ist seitdem in vielen Filmen und Fernsehserien zu sehen: Michael Peña.
Michael Peña
Lesermeinung
Charakterdarsteller aus Irland: Brendan Gleeson.
Brendan Gleeson
Lesermeinung
Lernte bei Steven Spielberg: Regisseur Robert Zemeckis
Robert Zemeckis
Lesermeinung
Glutäugige Schönheit: "Cleopatra"-Darstellerin Leonor Varela.
Leonor Varela
Lesermeinung
Zarte Schönheit aus Schweden: Marie Bonnevie
Maria Bonnevie
Lesermeinung
Taron Egerton - smart, sympathisch und wahnsinnig vielseitig.
Taron Egerton
Lesermeinung
Ein Schotte von nebenan: Ewen Bremner
Ewen Bremner
Lesermeinung
Anerkannter Charakterdarsteller: Powers Boothe
Powers Boothe
Lesermeinung
Wurde als "Kommissarin Lund" auch in Deutschland
bekannt: Sofie Gråbøl
Sofie Gråbøl
Lesermeinung
Australischer Regie-Star: Baz Luhrmann.
Baz Luhrmann
Lesermeinung
Kate Mara nicht Max Mara.
Kate Mara
Lesermeinung
Mit "The Blues Brothers" begann Dan Aykroyds eigentliche Filmkarriere
Dan Aykroyd
Lesermeinung
Schauspieler Nicholas Hoult.
Nicholas Hoult
Lesermeinung
Gibt den Ganoven par excellence: Terrence Howard.
Terrence Howard
Lesermeinung
Feste Institution in der US-Entertainment-Branche: Rip Torn.
Rip Torn
Lesermeinung
Tom Holland - ein Typ von nebenan.
Tom Holland
Lesermeinung
Spielte sich als Sam in "Der Herr der Ringe" in die Herzen der Zuschauer: Sean Astin
Sean Astin
Lesermeinung
Seit "Cheers" bei einem breiten Publikum bekannt: Bebe Neuwirth.
Bebe Neuwirth
Lesermeinung
In Deutschland seit "Mord im Mittsommer" bekannt: Jakob Cedegren
Jakob Cedergren
Lesermeinung
Bösewicht oder Ermittler: Iain Glen kann überzeugen
Iain Glen
Lesermeinung
Macht nicht nur als Jackson „Jax“ Teller eine gute Figur: Charlie Hunnam
Charlie Hunnam
Lesermeinung
Octavia Spencer erhielt 2012 den Oscar für ihre Rolle in "The Help".
Octavia Spencer
Lesermeinung
Schauspieler Chris Rock.
Chris Rock
Lesermeinung
Später Erfolg dank "Mad Men": Jon Hamm.
Jon Hamm
Lesermeinung