Sammy Davis jr.

Mit gebrochener Nase und Glasauge zum Starruhm: Sammy Davis jr. Vergrößern
Mit gebrochener Nase und Glasauge zum Starruhm: Sammy Davis jr.
Sammy Davis jr.
Geboren: 08.12.1925 in New York City, NY, USA
Gestorben: 16.05.1990 in Beverly Hills, Kalifornien, USA

Die Eltern von Sammy Davis jr. tingeln als Varieté-Künstler durch die Lande. Es war die Zeit derProhibition, und in die Hinterzimmer der Etablissements kamen die Besucher, um ungestört zu saufen. Nebenbei nahmen sie müde die Show mit. Sammy Davis jr. kommt in Harlem zur Welt. Schon mit drei Jahren steht er mit der Familie auf solchen kleinen Bühnen. Die Atmosphäre prägt den Jungen, die Schule kommt ein wenig zu kurz, dafür hat Sammy einen hervorragenden Lehrmeister im Steptanz: Bill "Bojangles" Robinson. Im Alter von fünf Jahren bildet er mit Sammy sr. und Adoptivonkel Mastin das Will Mastin Trio.

1943 meldet sich Sammy jr. zur Luftwaffe, doch einen Schwarzen will man da nicht, er landet bei der Truppenbetreuung. Da macht er einiges mit, lernt, was Rassismus ist; bei Streitereien wird ihm mehrfach die Nase gebrochen, - das ist später nicht zu übersehen: Sein Gesicht wirkt wie das eines verknautschten Boxers. Als GI Sammy zu einer Spezialtruppe eingezogen wird, kann er endlich sein Showtalent beweisen, und da endlich wird ihm Bewunderung gezollt. 1946 hat er dann seinen ersten künstlerischen Erfolg mit "The Way You Look Tonight".

In den Vierzigerjahren perfektioniert er sein Tanztalent, lernt Trompete spielen, Schlagzeug, Klavier und andere Instrumente. Zu der Zeit kann man ihn gelegentlich in den Big Bands von Woody Herman und Lionel Hampton sehen und hören. Dann kommt sein Engagement bei Ciro in Hollywood. 1954 stösst er zum "Rat Pack", dem Freundeskreis um Frank Sinatra, Shirley MacLaine, Peter Lawford und Dean Martin. Im gleichen Jahr kommt sein erstes Album heraus: "Starring Sammy Davis jr.". Dann verliert er bei einem Autounfall sein linkes Auge. Emotional und naiv wie er ist, tritt er, als Dankbarkeit gegenüber einem Rabbiner, dem jüdischen Glauben bei. Als der Mann mit dem Glasauge hat er gleich noch mehr Erfolg.

Als Charlie Welch ist Sammy Davis jr. 1956 am Broadway der Star des Erfolgsmusicals "Mister Wonderful", Will Mastin und Sammy Davis sr. sind seine Partner. 383 Vorstellungen - das ist ein sagenhafter Erfolg, zugleich der letzte Auftritt des "Will Mastin Trio". Der Erfolg macht sich bezahlt: Fernsehstudios reißen sich um Sammy, Plattenfirmen stehen Schlange wie auch Konzertagenturen.

Der große Kinodurchbruch heißt "Porgy & Bess". Sein Sportin' Life in Otto Premingers gewaltiger Verfilmung von George Gershwins Oper im Jahre 1959 ist Filmgeschichte. Seit diesem Zeitpunkt nennt ihn seine Gemeinde in einem Atemzug mit Fred Astaire und Gene Kelly. Dabei bedurfte es eines gewaltigen Energieeinsatzes, dass er diese Rolle erhielt. Der kleine Schwarze, den man nicht selten den hässlichsten Mann Hollywoods nannte, kämpfte wie ein Löwe gegen Produzenten Samuel Goldwyn, der von Sammy absolut nichts hielt. Doch dann gelang es Sammy, den mächtigen Studioboss in seine Show zu locken! Jetzt hatte er gewonnen.

Der Film wird ein Erfolg, Sammy Davis jr. ist nicht mehr nurein Entertainer, Sänger und Showman, sondern auch ein Filmstar. Kaum jemand weiß jedoch, dass er ebensowenig wie Sidney Poitier und Dorothy Dandridge im Film selbst singen durfte. Da ist der Tenor Cab Calloway sein Double.

Als Star wird er auf der Bühne gefeiert, doch nicht in allen Hotels wird er einquartiert. Dann bricht der Rassismus gegen ihn wieder voll aus, als er 1960 die blonde Schwedin May Britt, Star von Edward Dmytryks "Der blaue Engel"-Remake, heiratet. Immerhin hält diese erste Ehe sieben Jahre - trotz der tour de force. Gemeinsam mit May hat er die Tochter Tracy. Doch der Erfolg auf der Bühne, dem Bildschirm und der Leinwand lässt die Anfeindungen immer wieder verstummen.

Sammy ist der Moritatensänger mit dem Lied des Mackie Messer in Wolfgang Staudtes Remake der "Dreigroschenoper". Er spielt neben Dean Martin und Frank Sinatra in Lewis Milestones Klassiker "Frankie und seine Spießgesellen" (1960), in dem komischen Western "Die siegreichen Drei" von John Sturges (1961), als passionierten Spieler engagiert ihn 1962 Freund und Kollege Peter Lawford in seiner Produktion von William Ashers Kult-Gangsterfilm "Die Rache des Johnny Cool" und unter der Regie von Gordon Douglas spielt er in der Gangsterparodie "Sieben gegen Chicago" (1963). Zu seinen erfolgreichen Filmen gehören auch Bob Fosses Musical "Sweet Charity" (1969) mit Shirley MacLaine, die Komödie "Die Pechvögel" von und mit Jerry Lewis (1969) sowie Paul Mazurskys "Mond über Parador" (1987).

Sammy ist nie nur Künstler, er ist auch ein engagierter Schwarzer, der für die Menschenrechte an der Seite von Martin Luther King marschiert. Er tritt bei Wahlkämpfen auf, erst für Lyndon B. Johnson und Robert Kennedy, später auch für Richard Nixon. Mit Nixon hat er aufs falsche Pferd gesetzt, nicht aber mit den rassistisch orientierten Republikanern, denen er sich als Alibi-Schwarzer zur Verfügung stellte. 1972 macht er mit seiner öffentlichen Aussage gegen die Mafia Furore: Der Ausschussvorsitzende des Kongresses sagt anerkennend: "Sie sind nicht nur ein großes amerikanisches Talent, sondern überhaupt ein großer Amerikaner." Der Freund des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy hatte er sich bereits Jahre vorher im Kampf gegen die Drogensucht engagiert.

In den Achtzigerjahren ist er oftmals krank, ein Hüftleiden und Stimmprobleme machen ihm zu schaffen, doch er steht immer wieder auf, lässt sich auf der Bühne umjubeln. 1990 wird zu spät Kehlkopfkrebs diagnostiziert, im Mai des gleichen Jahres stirbt der Allround-Künstler, der mehrere Millionen Schallplatten verkauft hat, jahrelang Star der "Sammy Davis Show" im Fernsehen war und in zahlreichen Gastspielen quer durch die ganze Welt getingelt war: Überall, wo er hinkam, riss er die Zuschauer 90 Minuten im Alleingang mit. Ein Jahr vor seinem Tod im Mai 1989 trat er in der Münchner Olympiahalle gemeinsam mit Frank Sinatra und Liza Minnelli auf.


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