Zarah Leander

Sara Stina Hedberg
Geboren: 15.03.1907 in Karlstadt, Schweden
Sternzeichen: Fische
Gestorben: 23.06.1981 in Stockholm, Schweden

Kein Star in Hitlers Reich hatte soviel Erfolg, soviel Ruhm, so hohe Gagen. Zarah Leander war das Aushängeschild des deutschen Films. Ihre Macht war ihre Stimme: Ein erotischer, rauchiger Kontra-Alt mit rollendem "R" und Gänsehautgarantie. Ihr Metier wurden melodramatische Musikfilme. Keine, so hieß es, konnte so attraktiv unglücklich sein wie diese Schwedin in deutschen Diensten. Dem NS-Regime verdankte sie ihren Erfolg, und dafür gab sie der Propaganda eine Stimme. Ihre Lieder gaben Hoffnung, wo Verzweiflung herrschte, sie spendete Mut und Kraft, den Krieg zu überleben, zu führen und zu verlängern. Nationalsozialistin wollte sie nie gewesen sein, immer nur eine Künstlerin mit der trügerischen Illusion, von der Politik unberührt zu bleiben. Tatsächlich spielte sie in der Nazi-Propaganda eine bedeutende Rolle.

Seit 1926 mit den Schauspieler Nils Leander verheiratet, war die große "Zarah" eigentlich ein Revuegirl aus Schweden, das durch Skandinavien tourte. Der Prophet im eigenen Lande gilt bekanntlich nicht besonders viel. In Österreich und Deutschland aber reizte das herbe Nordlicht mit der tiefen Stimme. Es fiel ihr leicht, die "femme fatale" zu spielen oder als etwas verruchte Dame durchzugehen – eine interessante Abwechslung im gleich geschalteten Deutschland, das bei Frauen gerne auf Heimchen-am-Herd-Idylle und Dirndl-Look setzte. Nicht so die Leander.

Kokett flirtet sie "Yes, Sir". Traurig singt sie als die nach Australien deportierte Engländerin Gloria "Ich steh' im Regen". "Kann denn Liebe Sünde sein?", fragt sie in der Komödie "Der Blaufuchs" als Ungarin Ilona. Als Magda, die erfolgreich aus den USA zurückkehrt, singt sie selbstbewusst "Eine Frau wird erst schön durch die Liebe". Sie spielt in Meisterregisseur Douglas Sirks "Zu neuen Ufern" und schwärmt in "La Habanera" als Schwedin Astrée in Puerto Rico: "Der Wind hat mir ein Lied erzählt". Als schöne Katharina Alexandrowna schluchzt sie in dem Tschaikowski-Film "Es war eine rauschende Ballnacht". Als Zarah Leander nach dem riesigen Erfolg mit der Operette "Axel an der Himmelstür" im Theater an der Wien 1936 von der Gloria Filmgesellschaft in Wien engagiert wird und unter der Regie von Geza von Bolvary in "Premiere" die Carmen Daviot spielt, ist der Grundstein für die UfA-Karriere gelegt. In Deutschland baut man sie systematisch zum Star auf, verpasst ihr ein Image, das eigentlich der Nazi-Ideologie nicht entspricht. Im Film - zumindest zu Beginn ihrer sagenhaften Karriere - ist sie emanzipiert, hat einen Beruf, setzt sich gegen die Männerwelt durch - und gegen das widrige Schicksal. Sie raucht, trinkt, ist ausgelassen bis verrucht.

Nach Kriegsbeginn muss sie sich auf der Leinwand mäßigen. Es entstehen: "Der Weg ins Freie" und "Die große Liebe". Eine Weile lässt sich der Star als deutsche Ikone ausstellen. Doch dann, 1943, als Zarah es ablehnt, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen und sich in deutscher Mark statt wie bisher in Devisen bezahlen zu lassen, kommt es zum Bruch mit der UfA. Sie kehrt nach Schweden zurück, hat dort Auftrittsverbot, wie nach 1945 auch in Deutschland und Österreich. Erst 1949 geht sie wieder auf Tournee und spielt kleine Rollen. Es wird ein langer Abschied. Der Star in Pomp und Pose ist nicht mehr, am Ende stehen Kaffeefahrten, selige Erinnerungen. 1981 stirbt sie in Stockholm.

"Was in der Erinnerung bleibt ist ihr unvergessliches Alt-Timbre, ihre faszinierend exaltierte Sprach-Artikulation, jenes taubengurrende, rollende RRR und das träge Verschleppen von Silben, das immer ein wenig dem korrekten Taktmaß hinterhertrödelt" schreibt Sebastian Feldmann im Nachruf auf die Diva. "Ihr Leitmotiv hieß Ergebenheit in die Macht des Schicksals. Eine Heroine des Verzichts, eine Riesin des Kleinbeigebens. Jeder Zoll eine Königin der Unterwerfung. Ein Leben für die Liebe, wie eine Staatsfahne ausgerollt und am Ende zerstört, zerfetzt die kleinlaute Einsicht: nur Liebe ist auch ein ungelebtes, schmales und dürftiges Leben, dessen Glück in verklärter Resignation und Selbstbefangenheit verdämmert," schreibt Karsten Witte.

Zarah Öeander hatte in ganz frühen Jahren Klavierunterricht, mit sechs Jahren hat sie ihren ersten Gesangsauftritt, dann arbeitet sie als Verlagssekretärin und heiratet 1926. Von 1929 bis 1934 ist sie in Revuen, Operetten und Lustspielen in Schweden engagiert, macht dabei Tourneen durch die skandinavischen Länder, 1929 nimmt sie ihre erste Schallplatte in Schweden auf. Die ersten Filmrollen 1928 machen sie dort über Nacht berühmt und ebnen den Weg zum UFA-Star.

Bibliographie: "Zarah Leander, Ihre Filme - ihr Leben", von Cornelia Zumkeller (Heyne Filmbibliothek, ISBN 3-453-02623- 3).


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