Spike Lee

Erfolgreicher Regisseur: Spike Lee Vergrößern
Erfolgreicher Regisseur: Spike Lee
Shelton Jackson Lee
Geboren: 20.03.1957 in Atlanta, Georgia, USA
Sternzeichen: Fische

Spike Lee ist der älteste Sohn des Jazz-Bassisten und - Komponisten Bill Lee und der jüdischen Lehrerin Jacquelyn Shelton. Kurz nach seiner Geburt zieht die Familie mit ihren fünf Kindern nach Chicago und wenig später nach New York City. Hier, in der Fort Greene Section von Brooklyn, wächst Lee auf, und hier spielt auch sein erster Film "She's Gotta Have It" (später in Deutschland unter dem Titel "Nola Darling" gezeigt). Lee drehte den Film 1986 in nur 12 Tagen mit einem Budget von 175000 Dollar.

Nola, eine lebens- und liebeshungrige schwarze New Yorkerin, muß sich zwischen drei Liebhabern entscheiden, einem Freak, einem Romantiker und einem Yuppie. Sie gerät in eine Krise und kommt schließlich zur Einsicht, sich überhaupt nicht zu binden. Spike Lee erzählt das alles so phantasiereich, locker und turbulent, dass es richtig Spaß macht. Er wechselt den Stil von Reportage zum Melodram, spielt mit Kamera und Schnitt und vermittelt Phantasie, Sinnlichkeit und Lebensfreude. Das ist Dokumentation und zugleich Fiktion.

In "Do the Right Thing" (1989) hat der Italoamerikaner Sal von den Weißen einiges einzustecken, weil er Pizzas an Schwarze verkauft. Aber obwohl Sal zu den Unterprivilegierten zählt, hat auch er Vorurteile gegenüber seinen Kunden. Und am Ende, wenn folgerichtig seine Pizzeria in Flammen steht, ist er kein bisschen klüger. Spike Lees Film ist radikaler als der Vorgänger und konsequent bis zum letzten.

Der Held von "Jungle Fever" (1991), Flipper Purfy ist der Alibi-Schwarze, wie er im Buch steht. Der liebevoller Familienvater und Ehemann hat es durch seinen Aufstieg bei einer angesehenen Immobilienfirma zu einer gewissen Reputation gebracht. Sein Vater ist ein wohlhabender schwarzer Prediger, und auch Flipper lebt im besseren Viertel von Harlem. Ganz anders geht es der schönen, klugen Angie, die eines Tages als Sekretärin bei Flipper antritt. Die Italoamerikanerin lebt mit Brüdern und Vater im Arbeiterviertel Bensonhurst und hat sich beim Heimkommen mit dem Haushalt abzuplagen. Doch dann verliebt sich Flipper in seine Sekretärin, die Sache wird ruchbar und bald ist seine Ehe kaputt.

Spike Lee hat damit nicht nur Kasse gemacht, sondern auch Schelte eingesteckt, weil er ein so düsteres Amerika-Bild zeigt. Und bei näherem Hinsehen erweist sich die Düsternis als recht plakativ und kalkuliert, denn die Schwarzen sind schön, intelligent und witzig, die Italoamerikaner dagegen laut, rassistisch und agressiv.

In "Mo' Better Blues" (1990) spielt Denzel Washington den Jazztrompeter Bleek Gilliam und Regisseur Spike Lee selbst ganz hervorragend den Manager Giant. Zwei Jahre später dreht er - wieder mit Denzel Washington in der Titelrolle - die Geschichte von "Malcolm X, dem 1965 ermordeten Politiker und Revolutionär. Doch das aufregende Thema erstickt am Aufwand, an der Gigantomanie Spike Lees. Die Dialoge wirken gestelzt wie Pressetexte.

1994 schließlich entsteht mit "Crooklyn" wieder eine sehr persönliche und liebenswerte Annäherung an die eigene Kindheit. Man hatte befürchtet, Lee würde ins große Show Business einsteigen und seinen liebenswert privaten Ton verlieren, doch dieser Film zeigt, dass er der Alte geblieben ist. Brooklyn 1969. Woody und Carolyn Carmichaels (Delroy Lindo und Alfre Woodard) bewohnen mit ihren fünf Kindern ein dreigeschössiges Backsteinhaus. Woody ist als Musiker nicht immer gut bei Kasse, also sind sie oft auf das schmale Lehrerinnen-Gehalt der Mutter angewiesen. Wenngleich es im Verlauf der Geschichte immer wieder zu Engpässen und drastischen finanziellen Schwierigkeiten kommt, so ist Spike Lees "Crooklyn" im Grunde kein düsterer Film. Was dem Ganzen aber sehr viel Lockerheit und Charme verleiht, ist die Tatsache, dass das Geschehen aus dem Blickwinkel der neunjährigen Troy (Zelda Harris) gesehen wird. Diesem klugen, nachdenklich ernsten Mädchen, das sich allein gegen die vier Brüder behaupten muss, gehört die ganze Sympathie Lees. Die Idee zum Film stammt von seiner Schwester Joi Susannah, die gemeinsam mit ihm und dem Bruder Cinqué das Drehbuch geschrieben hat. Der Schauplatz des Films ist der Ort ihrer Kindheit und Jugend.

Troy liebt diese Gegend, und als sie in den Sommerferien zur Tante nach South Carolina geschickt wird und die spießige Familienidylle als Albtraum empfindet, ist sie glücklich, wieder zu Hause zu sein. Doch das Glück ist getrübt von einem schweren Schicksalsschlag: Ihre geliebte Mutter, zu der sie ein ganz persönliches, schönes Verhältnis hat, ist schwer erkrankt und wird das Jahr nicht überleben. Der Film lebt vor allem von den kleinen Dingen des Lebens, vom Alltag der Menschen in diesem Viertel. Ein Müllhaufen in einem Hinterhof droht einen Rassenkrieg auszulösen. Die schwarzen Kinder werden zu Unrecht beschuldigt. Da geht der Vater zum weißen Nachbarn und schafft mit ihm gemeinsam den Unrat fort. Man hat Spike Lee vorgeworfen, er habe schwerwiegende Probleme ausgemerzt und eine Idylle geschildert: Frieden soll herrschen zwischen den Menschen. Diese Botschaft ist - wie immer bei ihm - reichlich dick aufgetragen, aber ihre Naivität ist angenehmer als die Bedeutungsschwere des Multimillionen-Films "Malcolm X."

Spike Lee hatte vor ein paar Jahren vollmundig erklärt, jeder seiner folgenden Filme werde doppelt so teuer sein wie der letzte. Glücklicherweise ist er davon abgekommen. In "Crooklyn" schildert er Ghetto-Milieus, zeigt Alltag von Menschen, bleibt bescheiden. Und selbst wenn man das Gefühl hat, dass es den Menschen da grundlegend nicht schlecht geht, gibt es genügend Hinweise dafür, dass diese Ruhe im Zusammenleben zwischen Schwarz und Weiß ständig von einem Pulverfass bedroht ist.

"Clockers" (1995) ist ein Krimi aus dem afro-amerikanischen Unterschichtmilieu mit Stars wie Harvey Keitel und John Turturro. "Girl 6" (1996) erzählt eine Geschichte aus dem Telefonsexmilieu. In "Girl 6" stimmt eigentlich nur die Idee. Der Titel bezieht sich auf die arbeitslose junge Schauspielerin, die sich bei der Engagementsuche den Machoallüren selbstgefälliger Regisseure verweigert und kurzentschlossen einen Job bei einer Telefonsex-Agentur annimmt. Hier weiß sie, mit wem sie es zu tun hat, sie verkauft die Stimme, nicht den Körper. Und dass das auch ganz schön an die Nieren gehen kann, zeigt Lee überzeugend. Doch was ihm darüber hinaus an Handlungselementen einfällt - vielleicht aus Sorge, die Story biete zu wenig - ist sehr dünn. Und da sie sich in allerlei Verästelungen verliert, vergisst der Film, die Hauptfigur richtig zu charakterisieren, obwohl sie ständig im Bild ist. Dass Theresa Randle, ein ausgezeichneter Typ, in jeder Szene mit neuen Klamotten auftreten muss, ist völlig überflüssig.

In "Girl 6" setzt Spike Lee auf eine höchst sentimentale Metapher: Das Girl 6 sieht mit traurigen Augen immer wieder auf ihr niedliches alter ego, das kleine schwarze Mädchen, das bei einem Fahrstuhl-Attentat schwer verletzt wurde. Dass Spike Lee sich, seine Filme, Bücher und die Musik brillant zu vermarkten versteht, kann ihm niemand verübeln, doch so oberflächlich, hektisch und phantasiearm wie "Girl 6" müssen sie nicht sein - da hilft auch nicht die Musik von Prince.

Seinen ersten Nummer-1-Box-Office-Hit landete der Sport begeisterte Lee 1998 mit dem Basketball-Film "Spiel des Lebens". Wieder spielt Denzel Washington die Hauptrolle. Doch trotz der Nummer 1: Am Ende war das Einspielergebnis mit 20 Millionen Dollar doch mager. In Deutschland ließen sich die Zuschauer beinahe an den Fingern einer Hand abzählen. Zudem macht sich in Spike Lees Filmen eine zunehmende Humorlosigkeit breit. Außerdem trat Spike Lee in Leon Gasts Dokumentarfilm "When We Were Kings" (1996) auf und inszenierte Werbespots für eine Sportklamotten-Firma.

Weitere Filme mit der Beteiligung von Spike Lee: "Get On The Bus" (Regie, 1996), "The World's Best Sellers or The Fine Art of Separating People from Their Money" (Dokumentation mit Spike Lee), "Vier kleine Mädchen" (1997, Regie), "Hochzeit mit Hindernissen" (1999, Produzent), "Summer of Sam" (1999, Regie), "It's Showtime" (2000, Regie), "Ten Minutes Older - The Trumpet", "25 Stunden" (beide 2002, Regie), "Inside Man" (2006, Regie), "Oldboy" (2013, Regie).


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