Sie besaß die größte Stimme aller Zeiten, da sind sich viele Musikkritiker sicher: Aretha Franklin.
Die "Queen of Soul" preist ihren Herrn: Aretha Franklins Albumaufnahmen zu "Amazing Grace" gibt es nun auch zu sehen.

Aretha Franklin: Amazing Grace

KINOSTART: 28.11.2019 • Dokumentation • USA (2018) • 89 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Amazing Grace
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Laufzeit
89 Minuten

Filmkritik

Die Erlösung naht
Von Max Trompeter

Eine Predigt von 90 Minuten: Die Albumaufnahmen zu Aretha Franklins Gospelwerk "Amazing Grace" liegen nun auch als Dokumentation vor. Die "Queen of Soul" zeigt sich darin überraschend unnahbar.

Für ein später mehrfach ausgezeichnetes und millionenfach verkauftes Live-Gospelalbum holte sich 1972 die "Queen of Soul" keinen Geringeren als den "King of Gospel" und einen Königsmacher Hollywoods hinzu. Die Rede ist von Aretha Franklin, James Cleveland und Sydney Pollack – und vom Album "Amazing Grace", von dessen Entstehung die gleichnamige Dokumentation erzählt.

Sydney Pollack war seinerzeit bereits gut im Geschäft, seit seinem Regiestart mit "Stimme am Telefon" (1965) erfolgreich und von Kritikern hochgelobt. Als er 2008 starb, hatte er ganzen zwölf Darstellern seiner Filme, darunter Barbra Streisand, Dustin Hoffman, Meryl Streep und Klaus Maria Brandauer, zu Oscarnominierungen verholfen. Hier war also jemand am Werk und an der Kamera, der weiß, wie man Helden erschafft und porträtiert. Doch auch ein Sydney Pollack hat mal Probleme mit der Technik. Und so kam es, dass bei der Aufnahme des Aretha-Franklin-Konzerts 1972 Bild und Ton aneinander vorbeiliefen und eine Synchronisierung mit damaliger Technik unmöglich war.

Über 30 Jahre lang versauerte das Material in den Archiven. Geschadet hat dies freilich niemandem, den Erfolgsgeschichten aller Beteiligten tat das keinen Abbruch. Filmproduzent Alan Elliott erkannte in den Bändern allerdings ein zeigenswertes Zeitzeugnis, das mit heutigen Gerätschaften geradezu leicht zu bearbeiten und zu veröffentlichen wäre. Pollack lenkte noch zu Lebzeiten ein. Aretha Franklin allerdings, seit 2018 an der Seite ihres viel besungenen Herrn, schob dem Treiben einen Riegel vor: Veröffentlichungsversuche untersagte sie mehrmals mit juristischem Eifer. Erst ihre Nachkommen machten nun den Weg frei.

Warum sperrte sich die Soulqueen gegen diesen Film? Vielleicht lag es daran, dass Aretha Franklin darin unnahbar wirkt. Die Sängerin hatte 1972 bereits mit fünf Grammys und elf Nummer-1-Hits für eine schwarze Künstlerin unsagbare Höhen erreicht. Sie war ein Star. Warum, das zeigen die Aufnahmen. Diese Stimme, ihr Volumen, ihre Kraft und ihre Hingabe sind unvergleichlich. Die damals 29-Jährige scheint sich dessen aber auch sehr bewusst gewesen zu sein. So richtet sie kein gesprochenes Wort an ihr Publikum in der New Temple Missionary Baptist Church in Los Angeles. Ein, zwei hingehauchte "Thank Yous", mehr nicht. Insgesamt scheut sie jede Interaktion. Der singende Prediger James Cleveland übernimmt diesen Part dafür mit maximaler Passion und lässt dabei keine Gelegenheit aus, Aretha Franklin als Wunder Gottes zu preisen.

Unsympathisch macht diese vornehme Zurückhaltung die vielfach als größte Sängerin aller Zeiten eingestufte Ikone nicht. Aretha Franklin hängt sich an anderer Stelle rein, der Musik. Sie schwitzt von der ersten Note an, zerläuft regelrecht. Und sie begeistert. Das Publikum, vornehmlich Afroamerikaner, hält es nicht auf den Bänken, nicht einmal Clevelands Chor weiß sich zu beherrschen. An Tag zwei der Aufnahmen wohnten auch Mick Jagger und Charlie Watts dem Gottesdienst bei. Sichtbar fühlten sie dabei Aretha Franklins Botschaft: Die Gospeltöne auf dem damals in der Endproduktion befindlichen Stones-Meisterwerk "Exile on Main St." fanden hier angeblich ihren Ursprung.

Der Film "Amazing Grace" richtet sich demnach an ein gläubiges Publikum mit einer Vorliebe für schwarze Kirchentradition. Doch die clean gehaltene und nur anfangs mit wenigen einordnenden Zeilen versehenen Rückschau legt noch mehr frei: den Blick auf unerschütterliche Inbrunst, auf musikalische Virtuosität und auf die urwüchsige Ausdrucksweise einer ganzen Kultur. Das bläst den Film ohne künstlerisches Zutun zwar auf und macht ihn schwer. Dieses Pathos allerdings, oh Lord, besitzt die Kraft, auch säkulare Geister, Jesus save them, mitzureißen. Wenn nicht: Die Erlösung kommt so und so nach knapp 90 Minuten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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