Lena Odenthal ermittelt im Fall eines mörderischen Croissants.

Eigentlich ist Sophie Fettèr (Malou Mott) tot. Mucksmäuschentot. Gestorben an einem Schoko-Croissant, genauer: an dem Mohn in der Füllung, gegen den sie allergisch war. Doch in Lena Odenthals (Ulrike Folkerts) Träumen, da taucht die Mundart-Schauspielerin seit ihrem Tod, den sie selbst für einen Mord hält, regelmäßig auf. Und sie droht der Kommissarin: Entweder sie klärt diesen Fall oder Sophie kommt immer wieder. Jede Nacht.

Diese Drohung, sie sitzt. Und so ermittelt Odenthal im Umfeld des Mundarttheaters "Babbeldasch", das Fettèr vor 30 Jahren gegründet hatte, das jetzt aber in Gefahr ist, denn der Mietvertrag, den sie auf Lebenszeit abgeschlossen hatte, ist nun hinfällig. Und Vermieter Bollmann (Harald Dimmler), der will an seiner Stelle ein Flüchtlingsheim errichten. Doch auch die anderen Protagonisten dieses Tatorts sind nicht weniger verdächtig. Zwischen Sophies Tochter Petra, deren Vater Sascha und Sophies langjährigem Geliebten Manfred etwa herrscht Uneinigkeit über die Fortführung des Theaters. Und auch im Ensemble hat jeder seine eigene Meinung darüber, wie es weitergehen soll.

Ein ungewöhnlicher Tatort

Mit seiner "Kriminaloperette ohne Gesang" gelingt Regisseur Axel Ranisch ein ungewöhnlicher Tatort. Vor allem aber gelingt Stefan Sommer ein ganz herrliches Spiel der Kamera mit den Blicken der Figuren – und ein ebenso herrliches Spiel der Blicke mit dem Zuschauer.

Darüber hinaus lebt dieser Tatort vor allem von den Dialogen, die handfest, glaubwürdig und unterhaltsam daher kommen. Die Glaubwürdigkeit dürfte vor allem von der ungewöhnlichen Herangehensweise herrühren, mit der Ranisch diesen Krimi entwickelt hat: mit Autor Sönke Andresen und einem gemeinsamen Ensemble aus dem Ludwigshafener Tatort-Team und den Darstellern des Amateurtheaters "Hemshofschachtel" hat er "Babbeldasch" chronologisch und ohne ausformuliertes Drehbuch produziert. Das Besondere: Die Schauspieler improvisierten die Szenen ohne selbst zu wissen, wer der Mörder sein würde.

Am unterhaltsamsten wird das alles, wenn Johanna Stern (Lisa Bitter), die Kollegin von Lena Odenthal, die Darsteller des Theaters, ins Verhör nimmt – ein Verhör, in dem jeder wirklich jeden verdächtigt, die Grande Dame des Babbeldasch auf dem Gewissen zu haben. Bitters Spiel, ihre Szenen mit Ulrike Folkerts, sind herzerwärmend, zum Schmunzeln und machen den ganz eigenen Charme dieses Tatorts komplett.

Wunderbare Mischung aus Lokalkolorit und Charakterstudien

Dagegen sind Odenthals Träume, in denen im Lauf der Geschichte immer mehr Figuren und immer mehr Absonderlichkeiten auftauchen, auf Dauer eher anstrengend. In Kombination aber ist Babbeldasch ein klasse Tatort, unaufgeregt, mit einer wunderbaren Mischung aus Lokalkolorit und Charakterstudien, und selbst, wenn ihm zeitweise etwas das Tempo und die Spannung fehlen, verdient er aufgrund seine herrlichen Situationskomik, hervorragender Darsteller und eines ungewöhnlichen Soundtracks das Prädikat sehenswert.