Der junge Karl Marx

  • Karl Marx (August Diehl, rechts) und Friedrich Engels (Stefan Konarske) sind in Theorie und Praxis Freunde. Vergrößern
    Karl Marx (August Diehl, rechts) und Friedrich Engels (Stefan Konarske) sind in Theorie und Praxis Freunde.
    Fotoquelle: SWR/Neue Visionen Filmverleih/Kris Dewitte
  • Politische Freundschaft, kämpferische Liebe: das Trio Jenny Marx (Vicky Krieps), Karl Marx (August Diehl, zweiter von links) und Friedrich Engels (Stefan Konarske) schafft gemeinsam die Grundlage für eine neue Vision von menschlicher Gemeinschaft. Vergrößern
    Politische Freundschaft, kämpferische Liebe: das Trio Jenny Marx (Vicky Krieps), Karl Marx (August Diehl, zweiter von links) und Friedrich Engels (Stefan Konarske) schafft gemeinsam die Grundlage für eine neue Vision von menschlicher Gemeinschaft.
    Fotoquelle: SWR / Frederic Batier / Neue Visionen Filmverleih
  • Läuft da was? Engels (Stefan Konarske) und Jenny Marx (Vicky Krieps) verstehen sich sehr gut. Vergrößern
    Läuft da was? Engels (Stefan Konarske) und Jenny Marx (Vicky Krieps) verstehen sich sehr gut.
    Fotoquelle: SWR/Neue Visionen Filmverleih/Kris Dewitte
  • Er kennt sowohl die Ärmsten der Armen und die Industrie wie seine Westentasche: Friedrich Engels (Stefan Konarske, links) hat sich in die Rebellin Mary Burns (Hannah Steele) verliebt. Vergrößern
    Er kennt sowohl die Ärmsten der Armen und die Industrie wie seine Westentasche: Friedrich Engels (Stefan Konarske, links) hat sich in die Rebellin Mary Burns (Hannah Steele) verliebt.
    Fotoquelle: SWR / Kris Dewitte / Neue Visionen Filmverleih
Spielfilm, Drama
Es kommt darauf an, sie zu verändern
Von Maximilian Haase

Infos
Audiodeskription
Originaltitel
Le Jeune Karl Marx
Produktionsland
Deutschland / Frankreich
Produktionsdatum
2017
Kinostart
Do., 02. März 2017
ARD
Mo., 06.05.
00:05 - 01:58


"Der junge Karl Marx" erinnert in einem überraschend vielschichtigen Biopic daran, dass die Befreiung des Menschen aus der Knechtschaft das Wichtigste überhaupt ist. Das Erste zeigt den Film nun als Free-TV-Premiere. Leider zu sehr später Stunde.

An ihn traute man sich bislang kaum heran: Während diverse Hitlers oder Churchills in vielfältiger Erscheinung durch Filme stolzierten, war mit Karl Marx eine der bedeutendsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten der Geschichte bislang seltener Leinwandgast. Mögen die Theorien des gebürtigen Trierers von Eisenstein bis Godard die Meisterwerke der Kinogeschichte geprägt haben – über das Leben des "Kapital"-Autors erfuhr man bislang im fiktionalen Bewegtbild wenig.

Das änderte sich erst in den letzten Jahren – insbesondere im Jubiläumsjahr 2018. Doch schon bevor an Marx zum 200. Geburtstag erinnert wurde und Mario Adorf dem alten Marx die filmische Ehre erwies, erzählte Regisseur Raoul Peck 2017 in "Der junge Karl Marx" von den frühen Jahren des deutschen Ökonomie-Genies und Aufklärers, dessen Schriften über das Wesen des Kapitalismus historisch weitreichende Folgen haben sollten. Mit einem herausragenden August Diehl als Marx gelingt ein überraschend theorie- und debattenlastiges Porträt eines von sich selbst überzeugten jungen Mannes, der die Welt revolutionieren wollte. Das Erste zeigt den Film nun als Free-TV-Premiere.

"Die Philosophen haben die Welt nur interpretiert – es kommt aber darauf an, sie zu verändern": Dieses Marxsche Aperçu lässt Peck seinen jungen Protagonisten auf der Straße nach dem Suff in der Kneipe lallen. Neben ihm steht ein nicht minder betrunkener Friedrich Engels (Stefan Konarske), der seinem guten Freund Karl selbstredend zustimmt. "Der junge Karl Marx" – als Figur und Film – lässt keinen Zweifel: Die großen Fragen werden lauthals, pointenreich und offensiv thematisiert; für Kenner der Marx/Engels-Werke zudem gespickt mit anspielungsreichen Zitaten, die in beinahe jeder Szene die grundlegenden Theorien der beiden Philosophen und Ökonomen aufblitzen lassen.

Weltbürger Marx

Mit sanften Erkundungen von Psyche und Beziehungen hält sich das diskursreiche Biopic kaum auf. Einerseits, weil dieser Marx sogleich derart eloquent und süffisant daherkommt, wie es seine bisweilen amüsant-ironischen Veröffentlichungen versprechen und wie es nur einer wie der wunderbare August Diehl zu spielen imstande ist. Anderseits natürlich, weil auf dem Weg zur Emanzipation von den untragbaren Verhältnissen keine Zeit verloren gehen darf. Schließlich befinden wir uns im Jahr 1844, inmitten der beginnenden Industriellen Revolution, die den Menschen aus seinen traditionellen Zusammenhängen herausreißt und als geknechteten Lohnarbeiter unter brutaler Kapitalisten-Ägide wieder ausspuckt.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter, das zeigt der Film in notwendiger Verkürzung eindrücklich, schuften in den Fabriken und vegetieren im Elend, während die Kapitalisten durch diese Ausbeutung ihr Kapital vermehren. Diese offensichtliche Ungerechtigkeit geht dem jungen Karl Marx, der als Sohn eines konvertierten Juden ebenfalls in ärmlichen Verhältnissen lebt, gehörig gegen den Strich. Als junger Journalist schreibt er gegen die Verhältnisse und die Zensur an.

Da ist der Weltbürger Marx bereits mit seiner Frau Jenny (Vicky Krieps) und den Kindern im Exil in Paris angekommen und gilt als Berühmtheit in intellektuellen Kreisen. Mit dem Industriellen-Sohn Engels, dessen Widerstand gegen das Kapitalisten-Elternhaus in England etwas schematisch daherkommt, freundet er sich an und lernt dessen Studien zum englischen Proletariat schätzen. Entscheidend ist, dass das Biopic hier nicht den Fehler begeht, die entscheidenden theoretischen Fragen als Nebenher-Geplätscher eines wilden Aufmüpfigen zu behandeln.

Bedrückende Aktualität

Zwar wird viel gesoffen und geraucht, noch viel mehr aber gestritten und debattiert. Das ist – im Gegensatz zur biederen Historienfilm-Kostüm-Ästhetik – keine Staffage: Die Streits mit den Junghegelianern werden inhaltlich ebenso ausgeführt wie die befruchtenden Gespräche mit dem Anarchisten Proudhon oder die Betrachtungen von Wert, Ware und Arbeiterklasse. Denn Letztere, so Marx' und Engels' Ziel, soll durch die kommunistische Revolution aus der Unmündigkeit befreit werden. Gemeinsam mit Jenny verfassen sie Schriften ("Das Kommunistische Manifest"), halten Reden, agitieren die Arbeiter und hoffen auf die 1848er-Revolution.

Die beeindruckende Präsenz eines klugen Mannes, der – nicht unarrogant – schon mit Mitte 20 das Scheitern der bürgerlichen Gesellschaft prophezeien wollte, trifft der "Der junge Karl Marx" überraschend vielschichtig auf den Punkt. Mit dem Wissen um das, was da noch kommen sollte – "Das Kapital", die Sowjetunion, Stalin und der unterdrückerische Staatssozialismus ebenso wie Kolonialismus, Großkapital und Globalisierung – birgt der Film für den Zuschauer eine ebenso bedrückende Aktualität wie die Schriften seiner Hauptfigur.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Der junge Karl Marx" finden Sie hier.


Werbepause? Zeit für Spielchen!

Der Trailer zu "Der junge Karl Marx"

Das könnte Sie auch interessieren

3sat Sentaros (Masatoshi Nagase) Leidenschaft gilt eigentlich eher Hochprozentigem, doch durch seine Angestellte Tokue lernt er seine Arbeit als Koch lieben.

Kirschblüten und rote Bohnen

Spielfilm | 27.04.2019 | 20:15 - 22:05 Uhr
2.67/503
Lesermeinung
SAT.1 Titanic

Titanic

Spielfilm | 05.05.2019 | 20:15 - 00:10 Uhr
Prisma-Redaktion
3.59/5075
Lesermeinung
3sat Der selbstverliebte FBI-Chef J. Edgar Hoover (Broderick Crawford) erklärt seinen Leuten, mit welchen Methoden er das Verbrechen in Amerika zu bekämpfen gedenkt.

Ich bin der Boss - Skandal beim FBI

Spielfilm | 06.05.2019 | 00:35 - 02:25 Uhr
4.2/505
Lesermeinung
News
Gewohnt ausdrucksstark und schlagfertig: Annette Frier und Christoph Maria Herbst landen als Ehepaar Anne und Erik Merz bei der Paartherapie – viel Arbeit für Psychologin Dr. Heller (Lena Dörrie).

Als Mini-Event inszeniert das ZDF im Osterprogramm die neue achtteilige Sitcom "Merz gegen Merz" – m…  Mehr

Charlton Heston als Befreier der Israeliten, Dwayne Johnson auf den Spuren von David Hasselhoff und eine respektlos-geniale Religionssatire der britischen Komikertruppe Monthy Python - das Fernsehprogramm zum Osterfest ist so kurios wie abwechslungsreich. Wir stellen die 20 Highlights von Karfreitag bis Ostermontag vor.

An Ostern gibt's im TV ein Wiedersehen mit vielen Klassikern. TV-Premieren sind in diesem Jahr aller…  Mehr

Markus Gürne wird den ARD-"Brennpunkt" moderieren.

Auf Madeira sind bei einem tragischen Busunglück mehrere Menschen gestorben und etliche weitere verl…  Mehr

Joachim Llambi (links) stellt die Profitänzer Massimo Sinató (Mitte)und Christian Polanc vor eine neue Herausforderung. Die beiden sollen die Tänze einer ihnen fremden Kultur lernen.

Wegen des stillen Feiertags wird am Karfreitag bei RTL nicht live getanzt. Ganz auf "Let's Dance" mö…  Mehr

Es geht in die entscheidende Phase in der DEL: Sport1 zeigt das Auftaktspiel zum Playoff-Finale zwischen den Adlern Mannheim und dem EHC Red Bull München live. Los geht es am Donnerstag, 18. April, um 19.25 Uhr.

Die Adler Mannheim und der EHC Red Bull München stehen sich im DEL-Finale 2018/19 gegenüber. Ein Gro…  Mehr