Macbeth
19.01.2020 • 23:15 - 01:04 Uhr
Spielfilm, Drama
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Von allen verlassen:Michael Fassbender als Macbeth (Copyright SRF/Studiocanal)
Vergrößern
Schmieden Pläne:Marion Cotillard als Lady Macbeth, Michael Fassbender als Macbeth (Copyright SRF/Studiocanal)
Vergrößern
Kampf um die Krone:Michael Fassbender als Macbeth (Copyright SRF/Studiocanal)
Vergrößern
Mitten in der Schlacht erscheint Macbeth (Michael Fassbender, M.) eine Hexenschar, die ihm später eine Zukunft als König prophezeien wird.
Vergrößern
Originaltitel
Macbeth
Produktionsland
GB, F, USA
Produktionsdatum
2015
Kinostart
Do., 29. Oktober 2015
Spielfilm, Drama

Kalte Herzen im rauen Schottland

Von Diemuth Schmidt

Die Neuverfilmung von "Macbeth" überzeugt als düsteres Drama, in dem die karge Landschaft eine Hauptrolle spielt.

2015 war das Jahr des Michael Fassbender. Der Hollywoodstar mit deutschen Wurzeln zeigte seine schauspielerische Bandbreite in drei sehr unterschiedlichen Filmen: Von dem Arthaus-Western "Slow West" über das Apple-Gründer-Biopic "Jobs" bis zur Shakespeare-Verfilmung "Macbeth", die nach mäßigem Kinoerfolg bei 3sat nun erstmals im Free-TV zu sehen ist. Das Abgründige liegt Fassbender. Er und die als Lady Macbeth hervorragend besetzte Französin Marion Cotillard geben das Paar, das der Gier nach Macht verfällt.

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Königsmörders fasziniert seit Jahrhunderten, auch weil der englische Dramatiker das Wesen der Menschen in ausdrucksstarken Worten erfasste. Die Schönheit der lyrischen Sprache zu erhalten, sie verständlich und zeitgemäß in Szene zu setzen – vor dieser Aufgabe stand Justin Kurzel ("Die Morde von Snowtown"). Der australische Regisseur arbeitet dabei nie gegen die Sprache, sondern macht sie sich als komplexes Werkzeug zur Erzeugung von Spannung zunutze.

Besonders bei den Schlachtenszenen zeigt Kurzel seine meisterliche Fähigkeit zum Inszenieren. Er bleibt mit Wackelkamera nah dran am Kampf Mann gegen Mann, um das Getümmel dann von einem dichten Nebel verschlucken zu lassen. Der Regen prasselt, Körper erstarren im Sprung, in Zeitlupe wird mit schmerzverzerrtem Gesicht und Gebrüll gestorben. Dabei spritzen Dreck und Blut auf den rauen steinigen Boden. Umtost vom Schlachtengewirr befindet sich im Zentrum des Geschehens der Edelmann Macbeth, der mit totem Blick eine folgenschwere Erscheinung hat.

Eigenwillige Shakespeare-Verfilmung

Wer Shakespeare neu verfilmt, muss eine eigene Vision zur Vorlage entwickeln, um sein Publikum zu fesseln. Visuell befindet sich dieser Film auf Augenhöhe mit Hollywood-Produktionen wie "300". Verzichtet wird dabei auf den oft manipulativen satten Klangteppich – stattdessen sorgt der Bruder des Regisseurs mit ungewohnt klingenden Perkussionen für eine interessante musikalische Untermalung. Musik, die zur äußerst lebensfeindlichen und kalten Landschaft passt. Die Sonne geht in "Macbeth" niemals richtig auf.

Bei Justin Kurzel ist Macbeth ein gebrochener Soldat, der unter einem Trauma leidet. Die Erscheinung der drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er bald König sein werde, erklärt der Film als Halluzination eines Kriegers, der unter einem Posttraumatischem Stresssyndrom leidet. Das einsame Paar, das gerade sein Kind verloren hat, muss eine schmerzhafte Lücke in seinem Leben füllen und versteift sich darauf, ein Recht auf die Krone zu haben.

Kurzels "Macbeth" überzeugt mit Hauptfiguren voll von Widersprüchen. Zarteste Gefühlsregungen werden von blutigsten Taten eingeholt, eine Intrigantin erlegt sich selbst die schauerlichste Buße auf. Die Klassikerverfilmung fügt neue Aspekte hinzu, begeistert mit grandiosen Hauptdarstellern und atemberaubenden Bildern, für die sich das Filmteam unter widrigsten Wetterbedingungen größten Strapazen ausgesetzt hat. Sprachlich gibt sich "Macbeth" sehr anspruchsvoll – doch die Mühe lohnt sich.

Von Regisseur Justin Kurzel gibt es schon bald wieder einen neuen Film in den Kinos zu sehen. Im Frühjahr wird das Drama "The True History of the Kelly Gang" erwartet. Darin erzählt der Filmemacher von Australiens legendärem Gangster Ned Kelly und dessen Rebellion gegen die Kolonialbehörden.

Macbeth – So. 19.01. – 3sat: 23.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Der Trailer zu "Macbeth"

Darsteller

Macht immer eine gute Figur: Michael Fassbender.
Michael Fassbender
Marion Cotillard wurde am 30.09.1975 in Paris, Frankreich, geboren.
Marion Cotillard
Äußert populär als Professors Remus Lupin in Harry Potter: David Thewlis.
David Thewlis
Unglaublich wandelbar: Paddy Considine.
Paddy Considine
David Hayman
Elizabeth Debicki als Kat.
Elizabeth Debicki
Weitere Darsteller
Sean Harris Jack Reynor Elizabeth Debicki Maurice Roëves Ross Anderson James Harkness Jack Madigan Frank Madigan Lochlann Harris Kayla Fallon Lynn Kennedy Seylan Baxter Amber Rissmann Scot Greenan Hilton McRae Brian Nickels Scott Dymond Andrew Gourlay Eleanor Stagg William Stagg Matthew Stagg Rebecca Benson Gerard Miller Roy Sampson Phil Lonergan Barrie Martin Robert J. Fraser

Das beste aus dem magazin

Oliver Wnuk und Tobias Vogel mit einer Leinwand.
HALLO!

Maximaler Raum für eigene Gedanken: Ein Gespräch mit Oliver Wnuk

Oliver Wnuk, bekannt aus "Nord Nord Mord" und "Stromberg", veröffentlicht zusammen mit Cartoonist Tobias Vogel das Buch "Besser wird's nicht". Ein Werk voller persönlicher Einblicke und humorvoller Cartoons, das beim Lappan Verlag erscheint.
Andrea König ist Leiterin zweier Apotheken in Brandenburg an der Havel und Vorsitzende des Apothekerverbandes Brandenburg.
Gesundheit

Warum wirkt das Antibiotikum nicht?

Eine Kundin berichtet von ihrer erfolglosen Behandlung einer Blasenentzündung nach dem Urlaub in Sri Lanka. Der Apotheker gibt wichtige Hinweise, wie Resistenzen vermieden werden können und was bei der Medikamenteneinnahme zu beachten ist.
Eine Frau hält ein Hörgerät in der Hand.
Gesundheit

3. März: Welttag des Hörens

Am 3. März ruft die WHO zum Welttag des Hörens auf, um das Bewusstsein für die Bedeutung guten Hörens zu schärfen. Studien zeigen: Hörgeräte verbessern die Lebensqualität.
Ein Mann und eine Frau sitzen mit ernstem Blick im Auto.
HALLO!

Fritz Karl: „Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Schreiben so leichtfällt“

Kriminalpsychologe Thomas Meiberger (Fritz Karl) bekommt es im ersten Film in der neuen Reihe „Der Salzburg-Krimi“ mit einer Mordserie zu tun, die mit dem Fund eines Gekreuzigten im Wolfgangsee beginnt. prisma sprach mit Fritz Karl, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist.
Professor Amir A. Mahabadi in weißem Kittel.
Gesundheit

Undichte Herzklappen: Katheter statt OP am offenen Herzen

Dank minimalinvasiver Katheterverfahren sind Herzklappenoperationen heute schonender als je zuvor. Vor allem für ältere Patienten bedeutet das mehr Lebensqualität und weniger Risiken.
Eine Grafik: Ein Koffer aus Gras.
Reise

Nachhaltigkeit: Mehr Wunsch als Realität

Die Deutschen wollen gerne nachhaltig reisen – doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das zeigt ein neuer Bericht zum Nachfragemonitor „Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen“. Nachhaltigkeit fängt schon beim Thema Anreise an. Wie wäre es also mal mit einer Bahnfahrt in den Urlaub? Schöne Ausblicke unterwegs inklusive. prisma stellt eine Auswahl interessanter Strecken und Ziele vor.