Arndt Schwering-Sohnrey

Arndt Schwering-Sohnrey als "Winnetou" in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds". Vergrößern
Arndt Schwering-Sohnrey als "Winnetou" in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds".
Fotoquelle: Universal
Arndt Schwering-Sohnrey
Geboren: 06.11.1972 in Deutschland

Arndt Schwering-Sohnrey ist ein unauffälliger Schauspieler, der wenig Theater um seine Person macht und auf medienträchtige Eigenwerbung vollkommen verzichtet. Wenn er sich inszeniert, dann nur auf der Bühne oder vor der Kamera. So sind es auch eher die kleinen, feinen und unkonventionellen Rollen, in die er regelmäßig schlüpft und in denen er überzeugt. Aufgewachsen in einem kleinen Ort zwischen Hannover und Göttingen wolle er bereits früh den kleinstädtischen Mief hinter sich lassen und in die Großstadt umsiedeln. Nach der Schule zog er zum Zivildienst nach Hamburg, anschließend arbeitete er beim Theater und beim Film als Requisitenhelfer, Beleuchter und Bühnenarbeiter. Schließlich begann er sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und spielte in zahlreichen Stücken am Staatstheater Hannover und in Braunschweig. 1999 sah man ihn in einer kleinen Rolle in Stefan Ruzowitzkys "Anatomie", darüber hinaus stand er für "Die schönste Sache der Welt: Das rote Strumpfband" und "Tödliche Wildnis - Sie waren jung und mussten sterben" vor der Kamera und übernahm kleinere Parts in Fernsehproduktionen. In Jobst Oetzmanns "Die Einsamkeit der Krokodile" (2000), einer kuriosen Spurensuche nach dem Roman von Dirk Kurbjuweit, verkörpert er auf hinreißende Art und Weise den Dummkopf Roland. In dem Drama, das einzig durch die bemerkenswerte Leistung der Darsteller überzeugte, wird die deutsche Provinz als Geburtsstätte des Wahnsinns präsentiert, in der sich die angeblich Verrückten als die einzig Normalen herausstellen.

Obwohl er sich schon recht früh als Charakterdarsteller empfohlen hat, sind es oft auch Rollen im Rahmen der alltäglichen deutschen Fernsehserienkost, die er übernimmt: "Wolffs Revier" (2000), "Die Cleveren", "Die Kumpel" (beide 2001), "Die Strandclique", "Körner und Köter" (beide 2002) und "Krista" (2003) sind nur einige Produktionen, für die er vor der Kamera stand. Überzeugender und hochklassiger waren da seine Auftritte in "Der Verleger" (2001) als Axel Springer jr., und 2004 in der Komödie "Aus der Tiefe des Raumes". In dem skurrilen Filmdebüt des Theaterregisseurs Gil Mehmert übernahm er die Hauptrolle und somit den Part des schüchternen jungen Mannes Hans Günther, der mitten in einer rheinischen Kleinstadt der Sechzigerjahre einem ungewöhnlichen Hobby nachgeht: Er spielt voller Begeisterung und mit großer Leidenschaft Tipp-Kick. Durch seltsame chemische Reaktionen in der Badewanne der jungen Fotografin, mit der Hans Günther eine Romanze beginnt, wird die Nummer 10 der kleinen Tipp-Kick-Männchen zum Leben erweckt: Die Geburtsstunde der deutschen Fußball-Legende Günter Netzer.

Sechs Jahre nach "Die Einsamkeit der Krokodile" kam es mit "Tatort - Das verlorene Kind" zur zweiten Zusammenarbeit zwischen Regisseur Jobst Oetzmann und Arndt Schwering-Sohnrey. Der Schauspieler schlüpfte in der "Tatort"-Episode, die durch Witz, Spannung und eine gehörige Portion Sozialkritik geprägt ist, in die Rolle des behinderten Max und konnte einmal mehr durch seine brillante schauspielerische Leistung überzeugen. Wenige Monate zuvor hatte er auch in "Tatort - Bienzle und der Tod in der Markthalle" den Part eines Behinderten übernommen. Erfahrungen, die er nicht missen möchte, wie er einmal in einem Interview, das er der "Welt am Sonntag" gab, betonte. Außerdem sah man ihn 2006 in einer kleiner Rolle in Stefan Ruzowitzkys Oscar gekrönten Drama "Die Fälscher". Ein Jahr später spielte er in dem Politdrama "Die Todesautomatik" und in der Komödie "Zwei Wochen Chef" (2007). 2008 folgte mit "Das Morphus-Geheimnis" ein - leider misslungener - Kinderfilm und mit "Effi Briest" die Literaturverfilmung nach Theodor Fontanes Liebes- und Ehebruchroman. Darüber hinaus nahm er in der Fernsehserie "Der Schwarzwaldhof" eine durchgehende Rolle als Koch an.

2009 machte Arndt Schwering-Sohnrey mit Rollen in zwei international erfolgreichen Filmen von sich reden, blieb aber in beiden Fällen weit im Hintergrund, denn einmal mehr verkörperte er Nebenrollen. In "Inglourious Basterds" schlüpfte er in die Uniform eines deutschen Soldaten. Doch unabhängig davon, wie kurz sein Auftritt in dem Erfolgsfilm war, ging mit dem Engagement in dem Quentin Tarantino-Streifen natürlich ein Traum für den sympathischen Darsteller in Erfüllung. Daneben spielte er auch eine Minirolle in Michael Hanekes "Das weiße Band" und konnte - mit viel Ironie - darauf hinweisen, dass er 2009 gleich in zwei Oscar nominierten Produktionen mitwirkte und bei der Verleihung doppelt nervös sein durfte. Dem deutschen Fernsehpublikum blieb er trotz der Ausflüge auf die internationale Leinwand treu. In der sehenswerten Krimiserie "Flemming: Glanz in deinen Augen" übernahm er den durchgehenden Part des Kalle Ux.

Weitere Filme und Serien mit Arndt Schwering-Sohnrey: "Rotlicht - In der Höhle des Löwen", "Autsch, du Fröhliche", "Stahlnetz - Innere Angelegenheiten" (TV-Serie, alle 2000), "Familie und andere Glücksfälle", "Julietta", "Unser Pappa", "Anja & Anton" (TV-Serie), "Weihnachten" (alle 2001), "Rotlicht - Die Stunde des Jägers", "Liebe unter Verdacht", "Bloch - Tausendschönchen" (alle 2002), "Rotlicht - Im Dickicht der Großstadt", "Good Bye, Lenin!", "Wenn Weihnachten wahr wird" (alle 2003), "Die Pfefferkörner" (TV-Serie), "Unser Pappa - Herzenswünsche", "Die Sitte" (TV-Serie), "Eis im Bauch" (Kurzfilm), "Tatort - Schichtwechsel", "Scharf wie Chili", "Oktoberfest" (alle 2004), "Die Rettungsflieger" (TV-Serie), "Die Nacht der großen Flut", "Macho im Schleudergang" (alle 2005), "Tango apasionado" (Kurzfilm), "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei" (TV-Serie), "Heimatgeschichten" (TV-Serie), "Der Seehund von Sanderoog" (alle 2006), "Unter Mordverdacht - Ich kämpfe um uns", "GG 19 - Eine Reise durch Deutschland in 19 Artikeln", "Capri You Love?", "Mrs. Ratcliffe's Revolution" (alle 2007), "Notruf Hafenkante" (TV-Serie), "Liebesgruß an einen Engel", "Ganz nah bei dir" (alle 2008), "Maata meren alla", "Großstadtrevier" (TV-Serie, beide 2009), "Eine dunkle Begierde" (2011), "Bankraub für Anfänger", "Der Heiratsschwindler und seine Frau", "Das Adlon - Eine Familiensaga" (alle 2012).

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Zur Filmografie von Arndt Schwering-Sohnrey
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