Marlene Dietrich

Marlene Dietrich in dem Wilder-Klassiker "Zeugin der Anklage" Vergrößern
Marlene Dietrich in dem Wilder-Klassiker "Zeugin der Anklage"
Maria Magdalena Dietrich
Geboren: 27.12.1901 in Berlin-Schöneberg, Deutschland
Gestorben: 06.05.1992 in Paris, Frankreich

Diese Frau hatte im wahrsten Sinne des Worte die Hosen an. Als eine Leitfigur ihrer Zeit gab sie nicht nur der Mode Impulse. Denn mehr noch diente sie all denjenigen als Vorbild, die das Klischee vom dummen Blondchen satt hatten. Langbeinig, kühl, intelligent verkörperte sie die femme fatal, an der sich der brave Mann die Finger verbrennen konnte. Besonders Josef von Sternbergs Kino-Welterfolg "Der blaue Engel" (1930), in der die Dietrich neben dem überragenden Emil Jannings als verruchte Nachtclubsängerin Lola ihr entwaffnendes Spiel trieb, begründete diesen Ruf. Ebenso das kurz zuvor entstandene Stummfilm-Melodram von Kurt Bernhardt "Die Frau, nach der man sich sehnt" (1929), mit Fritz Kortner und einer männermordenden Dietrich.

Das aufstrebende Hollywood musste dem ehemaligen Fotomodell verlockender erscheinen, als das braune Deutschland. Marlene Dietrich, Tochter des Polizeileutnants Louis Dietrich und seit 1924 Ehefrau des Regie-Assistenten Rudolf Sieber, folgte im Frühjahr 1930 einem Ruf der Paramount und emigrierte, obwohl Hitler sie verehrte. Es soll sogar Versuche gegeben haben, sie zurückzukaufen. Marlene Dietrich - aus der nie geschiedenen Ehe mit Sieber stammt Tochter Maria - muss abgelehnt haben, denn dem deutschen Kino fehlte eine Galionsfigur, zu der sie Josef von Sternberg jetzt in Amerika machen wollte. Unter seiner Regie dreht sie sechs Filme. Der erste, "Marokko" (1930), zeigt sie als junge Kabarettkünstlerin zwischen zwei Männern (Adolphe Menjou, Gary Cooper).

"Entehrt" (1931) ist ganz auf die Hauptdarstellerin zugeschnitten und strapaziert wieder das Bild der femme fatale: Die Dietrich spielt eine österreichische Offzierswitwe, die als Prostituierte in Kontakt mit dem Geheimdienst kommt und als Spionin ihre Reize einsetzt. Auch im "Shanghai-Express" (1932) ist Marlene Dietrich wieder die verführerisch-geheimisvolle Frau mit berüchtigter Vergangenheit, derentwegen Männer ihr Leben riskieren. "Blonde Venus" (1932) erzählt das Schicksal einer Frau, die unfreiwillig zur Prostituierten wird. Der Historienfilm "Die scharlachrote Kaiserin" (1934) besticht durch ästhetische Kompositionen, nicht durch Geschichtstreue. Sternberg wollte seine Hauptdarstellerin in schönes Licht stellen. Erst der Bruch mit diesem Regisseur gibt ihr die Chance, sich in einigen Filmen auch von ihrer komödiantischen Seite zu zeigen: Ernst Lubitschs "Engel" (1937), eine heiter-phantasievolle Dreieckskomödie (mit Herbert Marshall, Melvyn Douglas), George Marshalls "Der große Bluff" (1939) mit James Stewart.

Foto: BR

In dem Actionmelodram "Das Haus der sieben Sünden" (1940) von Tay Garnett spielt Marlene Dietrich an der Seite von John Wayne eine Barsängerin, die auf eine andere Südseeinsel deportiert werden muss, weil sie unter den US-Marineoffizieren erotische Verwirrung stiftet. Billy Wilders "Eine auswärtige Affäre" (1948) erzählt eine frivol-komische Dreicksgeschichte zwischen einer deutschen Nachtclubsängerin, einem US-Besatzungsoffizier und einem spröden Kongressabgeordneten.

1939 erhält Marlene Dietrich die amerikanische Staatsbürgerschaft und geht 1943 für drei Jahre auf Tournee als Truppenbetreuerin vor US-Soldaten. Bis Anfang der Sechzigerjahre folgen danach wieder einige Filmarbeiten, darunter Highlights wie "Zeugin der Anklage" (1957) und Orson-Welles-Klassiker "Im Zeichen des Bösen" (1957). Parallel dazu startet Marlene Dietrich 1953 in Las Vegas eine neue Karriere als Sängerin und Vortragskünstlerin. Sie geht u. a. auf Tournee in die UdSSR (1968) und ist ein gefeierter Star am New Yorker Broadway. Ein Unfall (Oberschenkelhalsbruch) zwingt sie 1975, ihren endgültigen Abschied von der Bühne zu nehmen. Ihr letzter Film "Schöner Gigolo, armer Gigolo" (1979, Regie: David Hemmings) zeigt sie im Rollstuhl. 1979 erscheinen ihre Memoiren. Bis auf einige wenige Interviews - darunter auch für Maximilian Schell und dessen Porträt "Marlene" - lebt sie immer zurückgezogener in Paris, wo sie 1992 stirbt. Ein großer Teil ihres Nachlasses kommt wenige Jahre später in Berlin unter den Hammer.

2000 versuchte Regisseur Joseph Vilmsmaier ebenfalls unter dem Titel "Marlene" ein Bio-Pic - mit einer bemerkenswerten Katja Flint in der Hauptrolle - über die Dietrich zu drehen, verzettelte sich aber zu sehr in fiktiven Momenten.

Weitere Filme mit Marlene Dietrich: "Im Schatten des Glücks" (1919), "So sind die Männer" (1922), "Der Mensch am Wege", "Tragödie der Liebe", "Der Sprung ins Leben" (alle 1923), "Der Mönch von Santaren" (1924), "Der Tänzer meiner Frau" (1925), "Madame wünscht keine Kinder" (ungenannt), "Manon Lescaut", "Kopf hoch, Charly", "Der Juxbaron" (alle 1926), "Eine Dubarry von heute", "Café Elektric", "Sein größter Bluff" (alle 1927), "Prinzessin Olala" (1928), "Ich küsse ihre Hand, Madame", "Das Schiff der verlorenen Menschen", "Gefahren der Brautzeit" (alle 1929), "Das hohe Lied" (1933), "Der Teufel ist eine Frau" (1935), "Perlen zum Glück", "Der Garten Allahs", "I Loved A Soldier" (alle 1936), "Tatjana" (1937), "Die Abenteurerin", "Herzen in Flammen" (beide 1941), "Die Freibeuterin", "Fräulein Mama", "Pittsburgh" (alle 1942), "Follow The Boys", "Kismet" (beide 1944), "Martin Roumagnac" (1946), "Goldene Ohrringe" (1947), "Jigsaw" (1949, ungenannt), "Die rote Lola" (1950), "Die Reise ins Ungewisse" (1951), "Engel der Gejagten" (1952), "In 80 Tagen um die Welt", "Monte Carlo Story" (beide 1956) und "Urteil von Nürnberg" (1961).

Foto: BR

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