BR-Rückblende

30 Jahre Batic und Leitmayr: "Wenn's sein muss, mit dem Rollator"

von Wilfried Geldner

Eigentlich wurde für den Münchner "Tatort" nur ein Kommissar gesucht, am Ende wurden es zwei. Soeben wurde Batic und Leitmayr die Ehre zuteil, mit einer Doppelfolge zusammen mit Dortmund das 50-Jahre-"Tatort"-Jubiläum zu feiern, nun ist im BR-Fernsehen ihr eigenes dran.

BR
30 Jahre Batic und Leitmayr – Die Zwei am Tatort
Reportage • 29.12.2020 • 22:00 Uhr

Die Geschichte ihrer Geburt ist legendär: Eigentlich wurde beim BR ein einzelner neuer "Tatort"-Kommissar gesucht, auch Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl wurden, getrennt voneinanander, zum Biergarten-Casting einbestellt und staunten nicht schlecht beim dortigen Rendezvous. Der Redaktion fiel die Entscheidung schwer, bis sie mutig entschied: Wir nehmen beide. Ein Experiment nahm seinen Lauf, das bis zum heutigen Tage per Handschlag hält – Jahr für Jahr, ein langjähriger Vertrag wurde von Anfang an abgelehnt. Der daraus resultierende dauerhafte Erfolg wird nun im BR-Fernsehen mit dem Abend "30 Jahre Batic und Leitmayr – Die Zwei am Tatort" gewürdigt. Mit einer 45-Minuten-Rückblende (um 22.00 Uhr) und zwei Tatort-Filmen: "Jagdzeit" von 2011 (um 20.15 Uhr) wirft der BR ein Schlaglicht auf die Klassengegensätze in unserer Gesellschaft. Bereits in "Animals" (22.45 Uhr), ihrem allerersten Film von 1991, ging es um einen Skandal, um schreckliche Tierversuche in einer Kosmetikfirma.

"Die Kripo scheint aus sympathischen Dilettanten zu bestehen", urteilte die SZ-Kritik nach ihrem ersten Auftritt kühn. Davon haben sie sich bis heute immer noch einiges bewahrt, der etwas schnöselige Urmünchner Leitmayr und der Ex-"Jugo" Batic, der auch heute noch gern mal den Heißsporn gibt. Irgendwie scheinen sie es ja von Anfang an gewusst zu haben, wie man sein muss, um auf der Langstrecke durchzuhalten: Bloß keine amerikanischen Profiler mit siebtem Sinn imitieren und bloß nicht – wenn, dann auch nur ein wenig – den Schimanski machen.

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Sie sind jedenfalls cool geblieben in all der Zeit, in denen es Höhepunkte wie "Frau Bu lacht" (der 25-Jahre-Jubiläumstatort) oder "Im freien Fall" (Grimmepreis für das gesamte Team) gegeben hat. Allerdings auch nie Schelte – die political correctness wurde eben immer eingehalten. Autor Heiko Rauber kann daher in seiner Reportage problemlos "einen liebenswerten Blick" hinter die Kulissen werfen. Kolleginnen und Kollegen der Münchner Kommissare werden interviewt, der Autor spricht mit Regisseuren und Regisseurinnen und mit allen, die mithalfen, den Münchner "Tatort" zu einem der beliebtesten Krimis im Ersten zu machen.

Ans Aufhören denken die beiden übrigens trotz ihrer weiß gewordenen Haartracht nicht. "Blicke und kleine Gesten" ersetzten inzwischen die früheren Kabbeleien, sagt Nemec. "Es ist selbsverständlicher geworden", pflichtet ihm Wachtveitl bei. Auf Verbrecherfang wollen die beiden "noch lang – wenn's sein muss, mit dem Rollator" gehen. Das haben die Freizeitrocker schon vor Längerem auf der Bühne gesungen. Dem ist nicht zu widersprechen. Beim nächsten "Tatort"-Jubiläum wird es dann aber hoffentlich nicht wieder so ein düsteres Mafia-Drama wie "In der Familie", ein "Requiem", wie es die Regisseurin Pia Strietmann nannte, sein. Und bitte auch nicht den lieben Faber wieder so im Regen stehen lassen – auch Dortmunder sind schließlich Menschen. Servus, bis dann!


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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