Die Bauwirtschaft erlebt einen beispiellosen Boom, gut für das Klima ist dieser nicht. Findige Tüftler haben da eine Idee: "Bauen mit Schutt".

Oft ist es der Flugverkehr, der von den Klimaaktivisten angeprangert wird. Die Flüge sollen für 4,9 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sein. Doch es gib noch ganz andere Klimakiller, solche, an die man nicht auf Anhieb denkt: der Zement beispielsweise. Bei der Produktion des wichtigen Baustoffs entstehen gewaltige Mengen des Klimagases Kohlendioxid. Jüngsten Schätzungen zufolge verursacht die Zementherstellung acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Das ist bestimmt keine Kleinigkeit mehr. Zum Vergleich: Deutschland hat einen Anteil von 2,2 Prozent am globalen CO2-Ausstoß, die USA sind für 16 Prozent verantwortlich.

Findige Tüftler in Europa haben sich vorgenommen, immer weniger Zement einzusetzen. Andrea Ernst stellt einige von ihnen in ihrer Dokumentation, die nun bei 3sat zu sehen ist, vor. Alle eint, dass sie bereits verbaute Stoffen wiederverwenden wollen. "Wir müssen lernen, so zu denken und zu planen, dass beim Abriss oder Rückbau kein Abfall mehr entsteht", sagt Professorin Annette Hillebrandt. Die Architektin und Wissenschaftlerin von der Bergischen Universität in Wuppertal fordert sogar, dass alle Hersteller zur Rücknahme ihrer Produkte gesetzlich verpflichtet würden. Dann wären sortenreinere Stoffe auf dem Markt, die immer wieder verbaut werden könnten.

Dass Hillebrandts Vorschlag keine Utopie ist, unterstreicht der dänische Architekt Anders Lendager. Der Unternehmer hat am Kopenhagener Hafen ein firmeneigenes Recyclinglager aufgebaut. Hier findet er Planungsgrundlage für spektakuläre Neubauten. Ausgebaute Fenster aus renovierten Schulen, Ausschusshölzer, Recyclingbeton und alte Ziegelmodule baut er inzwischen in ganze Straßenzüge ein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst