Die "Hölle von Verdun" forderte im Ersten Weltkrieg vor mehr als 100 Jahren mehr als 300.000 Menschenleben. Militärischen Nutzen brachte das sinnlose Blutvergießen nicht. Eine Doku blickt zurück.

Es beginnt mit einer historischen Szene, für Historiker ist sie noch heute eines der beeindruckendsten Bilder der letzten 50 Jahre in Europa: 1984 besuchte der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl den Gefallenenfriedhof von Verdun. Als in einem Gebiet im Nordosten Frankreichs, das die deutsche Artillerie im Ersten Weltkrieg zunächst in eine Kraterlandschaft verwandelt hatte, die deutsche Nationalhymne gespielt wurde, hatte das bereits Symbolkraft. Mitterand aber nahm Kohl genau bei "Einigkeit und Recht und Freiheit" an die Hand. Der Hass, der hier vor einem Jahrhundert geherrscht hatte, schien überwunden.

Die Schlacht von Verdun, die am 21. Februar 1916 von der fünften Armee des deutschen Heeres mit massiven Artillerie-Feuer entfacht wurde, gilt bis heute als Krieg in seiner schlimmsten Form. Bis zum 20. Dezember 1916 dauerte sie an. Das monatelange äußerst gewaltvolle Aufeinandertreffen zwischen Franzosen und Deutschen kostete mehr als 300.000 Menschen das Leben. Gleichzeitig aber brachte das Blutvergießen keinerlei militärischen Nutzen. Die Schlacht um Festungen wie Fort Douaumont verharrte im Stellungskampf. Starben die vielen jungen Soldaten auf beiden Seiten also umsonst?

Der Dokumentarfilm des französischen Regisseurs Serge de Sampigny folgt zunächst der Chronologie der Ereignisse. Er zeigt die Verbissenheit der damals kaiserlich-deutschen Militärs, die das französische Bollwerk unbedingt einnehmen wollten, um eine große symbolische Bedeutung für das eigene Heer zu erzeugen. Er zeigt aber auch, wie euphorisiert manche deutsche wie französische Soldaten damals in die Schlacht zogen. Das belegt de Sampigny immer wieder mit authentischen Briefen aus jener Zeit. Dass sie in eine "Blutmühle" geraten würden, wussten die jungen Männer nicht.

Nachgestellte Szenen, Computeranimationen über den Verlauf des Kampfgeschehens und vor allem bislang kaum gezeigte Archivbilder belegen in dem sehenswerten Dokumentarfilm alle Schrecken sinnlosen Blutvergießens und unendlichen Leids. Mitterand hatte bei dem historischen Treffen mit Bundeskanzler Kohl einen Vorschlag, wie es nie mehr wieder zu vergleichbarem Hass zwischen unterschiedlichen Völkern kommen könnte. Er sagte damals 1984: "Nationalismus bedeutet Krieg!"


Quelle: teleschau – der Mediendienst