Am 4. November 1989 demonstrierten Tausende Menschen am Berliner Alexanderplatz. Unter den Rednern war damals ein junger Jan Josef Liefers. 30 Jahre später blickt er zurück.

Der November 1989 war wettermäßig trist, aber die politische Großwetterlage verhieß mehr als nur einen kleinen Silberstreif am Horizont. Am 4. November fand die erste genehmigte Großdemonstration der DDR-Geschichte auf dem Berliner Alexanderplatz statt. Mittendrin statt nur dabei: der damals 25-jährige Jung-Schauspieler Jan Josef Liefers. Er war auserkoren, eine Rede zu halten – vor geschätzten 800.000 Menschen. In einem Gespräch mit der "Bild"-Zeitung gestand Liefers nun zum 30-Jahre-Jubiläum der Demo: "Die Rede entstand in den Nachtstunden auf den 4. November. Aber geschlafen habe ich in dieser Zeit so gut wie gar nicht."

Um 11.36 Uhr betrat Liefers (direkt nach Schauspielerkollege Ulrich Mühe und vor dem Politiker Gregor Gysi) als vierter von 26 Rednern das Podium. Die Kernsätze seiner vierminütigen Rede lauteten: "Die vorhandenen Strukturen ... lassen Erneuerung nicht zu. Deshalb müssen sie zerstört werden. Neue Strukturen müssen wir entwickeln, für einen demokratischen Sozialismus." Die Tragweite der Demonstration sowie der Aufbruchstimmung im Land wurde Liefers im Laufe der Veranstaltung bewusst, wie er "Bild" gegenüber meinte: "Der ehemals meistgesuchte DDR-Top-Spion Markus Wolf bot mir ganz hemdsärmelig ein Stück Pflaumenkuchen an, was ich für ein untrügliches Zeichen dafür hielt, dass es zu Ende ging mit der DDR."

Liefers: "Klappe aufreißen!"

Was der 4.11.1989 heute für ihn bedeutet? "Es ist der Tag, der mich daran erinnert, dass man für die richtige Sache seine Klappe aufmachen muss, auch wenn man es sich eigentlich noch gar nicht leisten kann, weil man noch ein kleiner 'Nobody' ist." Das ist heute wichtiger denn je. Wenngleich sich die persönlichen Ziele verschoben haben: "Damals wollte ich Reisen machen und ein toller Schauspieler werden, Musik machen, erfolgreich sein und vor allem eines – ich selbst sein! Das Individuum zählte in der DDR nicht soviel wie das Kollektiv. Man könnte sagen, es waren damals recht ichbezogene Wünsche, als ich 24 war. Heute sorge ich mich eher um die Welt, die meine Kinder bewohnen werden. Nicht nur klimatisch, sondern auch politisch."

Die Großdemonstration beschleunigte das Ende der DDR: Fünf Tage später, in der Nacht auf den 10. November 1989 wurde die Mauer, die Deutsch von Deutsch trennte, nach über 28 Jahren ihrer Existenz durchlässig.


Quelle: teleschau – der Mediendienst