Die Peter-Ustinov-Schule in Hannover gilt als Brennpunktschule. Klare Regeln sind hier nötig. Eine sehenswerte Doku zeigt den Alltag aus verschiedenen Perspektiven.

Die Schüler der neunten Klasse der Peter-Ustinov-Schule stehen kurz vor ihrem Abschluss. Die Schule in Ricklingen, einem Stadtteil von Hannover, wird als sogenannte Brennpunktschule bezeichnet. "Wir haben halt den Ruf, dass wir eine Resteschule sind. Wir nehmen die Schüler auf, die eigentlich keine andere Schule mehr haben möchte", erklärt Daniela Hofmann, Lehrerin an der Peter-Ustinov-Schule, gleich zu Beginn der neuen dreiteiligen Dokumentations-Reihe "dreihundertsechzig – Schulhof der Hoffnung". Benjamin Arcioli, Katrin Hafemann, Stefanie Gromes und Julian Amershi haben den Alltag der achten und neunten Klassen über ein Jahr lang mit der Kamera begleitet.

Herausgekommen ist ein höchst sehenswerter Beitrag, der die Geschichten von Schülern, Lehrern, Eltern und Sozialarbeitern konsequent aus deren Perspektiven erzählt – ohne weiteren Kommentartext. Die Reihe zeugt von den vielfältigen Ansätzen, die heutzutage unternommen werden, um die schwierigen Verhältnisse in den Griff zu bekommen – und von den Erfolgen dieses Engagements, aber auch vom Scheitern eben dieser Ansätze. Die erste Folge ("Die letzte Chance") zeigt das NDR-Fernsehen am Mittwoch, 13. November, 23.50 Uhr.

Es ist 8.15 Uhr. Jetzt beginnt der Unterricht an der Peter-Ustinov-Schule in Hannover. Doch als Karin Haller das Klassenzimmer zur Deutschstunde betritt, sind gerade mal drei Schüler der Abschlussklasse da. Das sei sehr bitter, konstatiert die Schulleiterin. Schließlich versuche man die Jugendlichen zum Hauptschulabschluss zu bringen, um ihnen eine Perspektive zu geben. Doch viele der Schüler können diese Perspektive nur schwer einordnen: Navid beispielsweise sagt, er möchte einfach viel Geld verdienen. Es würde ihn nicht unbedingt glücklicher machen, aber "lieber sitze ich heulend im Ferrari, als auf dem Fahrrad", ergänzt er vor laufender Kamera. Durch das Angebot des "BO Büro", einer Berufsorientierung mit Oliver Böhning, einem Mitarbeiter der Agentur für Arbeit, werden die Schüler nach ihren Vorstellungen für ihre Zukunft befragt. Auf dieser Grundlage kann Oliver Böhning einen realistischen Berufswunsch mit den Neuntklässlern ausarbeiten. Was wohl bei Navid dabei herauskommt?

"Es gab eine Zeit, wo fast jeden Tag eine Schlägerei war"

Zum Thema Gewalt vertritt Schulleiterin Haller eine ganz klare Haltung: Wer schlägt, der geht!" – So laute eine ganz klare Regel. Wenn ein Kind Gewalt anwende, werde es sofort nach Hause geschickt. Für viele Schüler, so ist zu erfahren, sind Prügeleien jedoch ganz normal. "Es gab eine Zeit, wo fast jeden Tag eine Schlägerei war", sagt eine von ihnen. Mit dem Sonderprojekt "Anti-Gewalt-Training" wollen Torsten Reinschmitt und Dirk Grünhagen den Jugendlichen einen Weg aufzeigen, ohne Gewalt mit den Provokationen der Mitschüler klarzukommen. Das Ziel sei nicht in erster Linie, den Grund für die Aggressionen zu finden, sondern den Schülern vielmehr eine Handlungsalternative im Team zu bieten, betont Torsten Reinschmitt. Die beiden Anti-Gewalt-Trainer wollen den Abstand der gewalttätigen Jugendlichen zu ihrem Opfer abbauen.

Viele der männlichen Jugendlichen nehmen sich deutsche Rapper zum Vorbild, erklärt Paul Gecks in dem ersten 30 Minüter. Der angehende Lehrer verrät: Viele Schüler glauben, "wenn du eine dicke Karre fährst, macht dich keiner an". Um die Jugend bei einer realistischen Selbstfindung zu unterstützen, veranstaltet die Peter-Ustinov-Schule neben einem Songcontest, Elternabenden und Klassenfahrten auch das Sonderprojekt "Persönlichkeitsentwicklung". Hierbei soll ein "familiäres Verhältnis" entstehen, bestätigt Nina Dittrich, Klassenleitung der 9b. Intention sei, dass sich niemand verstellen müsse: "Uns erzählt man dadurch auch Dinge, die zu Hause nicht angesprochen werden."

Neben all den Aktionen steht für die Schüler der neunten Klassen allerdings auch das wichtigste Unterrichtsziel an: die Abschlussprüfung. Ob die Jugendlichen ihr Abschlusszeugnis entgegennehmen dürfen und inwiefern all die Maßnahmen der Schule fruchten, ist in dem Dreiteiler "dreihundertsechzig – Schulhof der Hoffnung" zu sehen. Die zweite Folge "Auf Klassenfahrt" und die dritte Folge "Die Prüfung" sind nach der Auftaktfolge am 13. November jeweils mittwochs, ebenfalls kurz vor Mitternacht, zu sehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst