Sexismus im Unterhaltungsgeschäft: Die Amazon-Serie "The Marvelous Mrs. Maisel" mit Rachel Brosnahan zeigt auf reizende Weise, dass es so schon immer lief.

Es herrscht Aufruhr im liberalen Entertainment-Geschäft: Dort entdeckt man momentan, dass Sexismus und männliche Machtausnutzung in der Branche noch immer weit verbreitet sind. Besser gesagt: Erstmals werden Verhalten öffentlich gemacht und verurteilt, die zwischen Hollywood und Comedy-Business schon immer Usus waren. Ein Bild von den Zuständen vor Jahrzehnten kann man sich nun, passend zu Louis C.K., Spacey und Co., in einer überaus reizenden Amazon-Serie machen: "The Marvelous Mrs. Maisel" (ab 29. November 2017) erzählt von einer Hausfrau und Mutter, die sich im prüden und patriarchalen Unterhaltungsgeschäft der frühen 60er-Jahre als erste weibliche Komikerin durchschlägt. Dass die Zustände heute zwar besser, aber nicht gut seien, weiß Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan.

Die titelgebende Miriam "Midge" Maisel, liebenswert und mit großem Humortalent von Rachel Brosnahan verkörpert, hat es ja eigentlich ganz gut. Zumindest nach den patriarchalen Standards der späten 50er-Jahre: einen sorgenden Ehemann, zwei liebe Kinder, eine schöne Küche, in der sich die Hausfrau und Mutter einer jüdischen Familie ganz austoben kann.

Doch dann, ebenfalls ein Standard, wird die Comedienne von ihrem Mann Joel (Michael Zegen), der sich nebenher erfolglos als Komiker versucht, verlassen. Betrunken und frustriert marschiert sie in den New Yorker Comedy-Club ihres Ex, und klagt auf der Bühne ihr Leid. Die Zuschauer feiern die zynisch-ironische Art der talentierten Dame. Bis diese von der Polizei abgeführt wird – sie hatte unter dem Ausspruch "Wer würde für die nicht gern abends heimkommen wollen?" ihre Brüste gezeigt.

Mit dieser amüsanten wie kritischen Szenerie endete die erste Folge des Comedy-Dramas "The Marvelous Mrs. Maisel", die Amazon im Rahmen seiner Test-Pilotfolgen bereits im Frühjahr ausstrahlte. Dem Publikum gefiel es. Da auch Amazon laut Brosnahan ohnehin schon vorher gewillt war, die Produktion in Serie gehen zu lassen, geschah genau dies. Die meisten Historienserien werden von Männern über Männer für Männer erzählt, so die Hauptdarstellerin im Interview. Es sei aufregend, heute eine Frau ins Zentrum zu stellen.

Ein grundlegend sexistisches Geschäft

Es war die richtige Entscheidung: Die Comedy-Serie aus der Feder von "Gilmore Girls"-Schöpferin Amy Sherman-Palladino ist ein reizendes Stück zwischen historischem Drama à la "Mad Men", jüdischem Woody-Allen-Humor, kritischer Sexismus-Reflexion und herausragend komischer Hommage an die frühe Comedy New Yorks. Das ist in erster Linie ein Verdienst der in Comedy zuvor gänzlich unerfahrenen Brosnahan, die durch ihre Rolle in "House of Cards" bekannt wurde. Zur Vorbereitung, so die 26-Jährige, schaute sie eine Menge Live-Stand-Up und beschäftigte sich mit weiblichen Comedy-Größen wie Joan Rivers.

Mit Charme und Verve spielt Brosnahan die Rolle der ersten Comedienne, die sich in den 60er-Jahren aus dem engen Korsett der Geschlechterrollen befreit – und sich dabei mit einem grundlegend sexistischen Geschäft herumschlagen muss. Sexismus im Entertainment heute beschäftigt angesichts der aktuellen "MeToo"-Kampagne auch die Hauptdarstellerin. Nach dem öffentlich gewordenen Belästigungsskandal rund um Kevin Spacey sei sie "enttäuscht und bestürzt", so Brosnahan im Gespräch.

Sie selbst habe Spacey am Set zwar kaum gesehen, doch: "Dass es das in unserem Geschäft gibt, ist keine Neuigkeit." Sie freue sich, "dass all diese mutigen Frauen aus dem Schatten treten und wir eine schwierige Diskussion darüber führen". Im Vergleich zu den 60er-Jahren, wie sie in "The Marvelous Mrs. Maisel" dargestellt werden, habe sich zwar viel verbessert, doch für eine wahre Gleichbehandlung von Mann und Frau gäbe es noch einiges zu tun.

"Was es heißt, eine Frau zu sein, ist immer noch eine polarisierende Frage", so Brosnahan. Man müsse endlich den "dauerhaften Wandel angehen, den wir seit langer Zeit dringend brauchen". Die Entertainment-Industrie, die schon immer von "weißen Hetero-Männern geleitet" worden sei, brauche "mehr Diversität in den entscheidenden Positionen mit Einfluss". Eine höhere Anzahl von Frauen in den Writing Rooms und hinter der Kamera führe "zu authentischerem Geschichtenerzählen". Aus diesem Grund hoffe sie, bald auch selbst Projekte produzieren zu können.

Zunächst jedoch ist die US-Amerikanerin in ihrer Hauptrolle als "The Marvelous Mrs. Maisel" in der Amazon-Eigenproduktion zu sehen, die auf Amazon Prime Video ab 29. November 2017 im Original und ab 26. Januar 2018 in der deutschen Synchronfassung abrufbar ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst