"Besondere Schwere der Schuld"

Solo für Götz George

von Bernd Fetsch

In "Besondere Schwere der Schuld" spielt Götz George einen Schwerverbrecher, der nach 30 Jahren in seinen Heimatort zurückkehrt. Doch den Mord, beteuert er, hat er nicht begangen.

3sat
Besondere Schwere der Schuld
Thriller • 10.11.2020 • 20:16 Uhr

Bei der Erstausstrahlung des Films waren 2014 gut 6,9 Millionen Zuschauer dabei – ein großer Erfolg für den großen Charakterdarsteller, der am am 19. Juni 2016 im Alter von 77 Jahren verstarb. "Besondere Schwere der Schuld" war sein vorletzter Film. Nun wird er in 3sat wiederholt.

Verurteilt wurde Joseph Komalschek (George) damals zu Lebenslänglich. Er hatte angeblich eine Nachbarin, eine Tänzerin, und deren kleines Kind um die Ecke gebracht. Er selbst hatte den Mord allerdings nie gestanden, die Leiche der Mutter wurde nie gefunden, und vom Kind blieb nur eine Nabelschnur.

Nun kehrt Komalschek, der Mann im Parka, nach 30 Jahren an den Ort des Geschehens zurück – dorthin, wo man sich noch mit dem "Glück auf!" der Bergleute grüßt und wo die Zwerge in den Vorgärten stehen. Keine Frage: Komalschek will späte Gerechtigkeit, er möchte endlich die wahren Täter an den Pranger stellen, und die alten Leichen finden mitsamt den verräterischen Spuren, die sie tragen.

Anfänglich bastelt Komalschek, dem man das Bein damals bei seiner Verhaftung zerschossen hat, an einer Prothese. Es wirkt, als würde er ein Gewehr präparieren. Doch Komalschek ist kein Zorro oder Django – bloß ein friedliebender Mensch, der nach Gerechtigkeit dürstet. Eine Wunschrolle Georges, so meint man zu verspüren. Einmal nicht den Rabauken geben, sondern den Friedfertigen: Das war wohl der Gedanke.

Bei der Verfertigung dieser grundedlen Außenseiter-Figur kam dem Autor Sascha Arango allerdings ein nachvollziehbarer Plot halbwegs abhanden. Die Geschichte, also der Mordfall von einst, auf dessen Auflösung man lange und geduldig wartet, wird niemals auserzählt. Stattdessen wird tief nach Leichen gegraben und im alten Bergwerk viel symbolisch aufgeladener Suspense geschürt.

Klar, George war einer, der aus heißer Luft ein Feuer machen konnte. Aber bei derart dünnem Stoff wird dieser Möchtegern-Thriller unter der Regie des versierten Kaspar Heidelbach ("Das Wunder von Lengede") doch fast zum Rohrkrepierer. Allzu rudimentär sind die bösen Widersacher von damals porträtiert, Fratzen der Verdrängung – nicht viel mehr. George freilich ist auch hier eine Schau.

Ein Solo also für Schimmi mal wieder, auch wenn er diesmal Komalschek heißt und die Seite gewechselt hat. George als der durchs Dorf getriebene Gerechte, blutend am Ende, weil man nach ihm mit Steinen wirft. Doch gerät diese Figur eines geläuterten Schwerverbrechers leider allzu brav, um wirklich Interesse zu wecken. Vielleicht hätte man dem alten Herrn erst einmal ein paar Banküberfälle und Einbrüche gönnen sollen (und sei es in Rückblenden), zum Beweis seiner beängstigenden Gefährlichkeit. Hier haben es die Zwerge in den Vorgärten dann doch zu leicht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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