Der Spartensender SPORT1 hat zwar keine Rechte über die Champions League, berichtet aber dennoch live – irgendwie. Der "Fantalk" bekommt in der neuen Saison ein neues Zuhause und zwei neue Experten: Tim Wiese und Celia Sasic.

Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Weil SPORT1, damals DSF, keine Senderechte an der Champions League besaß, entwickelte der Sender 2009 ein geradezu irrsinniges Konzept. Es wurde an den Spieltagen live gesendet aus einer Kneipe, der "11 Freunde Bar" im Essener Stadtteil Rüttenscheid. Ein paar Ex-Fußballer und Experten saßen inmitten des Publikums, redeten und sahen dabei die Live-Spiele bei Sky. Und der TV-Zuseher beobachtete sie dabei, wie sie Fußball schauten, sah selbst aber nichts von den Partien. Will sagen: Menschen schauen anderen Menschen beim Fußballschauen zu.

Absurd? Ja. Und erfolgreich. Sogar an der Millionenmarke wurde schon gekratzt. Jetzt erfährt der "Fantalk" eine Rundumerneuerung. Mit Ex-Profi Tim Wiese und der ehemaligen Nationalspielerin Celia Sasic wurden zwei neue Experten verpflichtet. Gesendet wird nicht mehr aus der eher erdigen Kneipe in Essen, sondern aus der Champions Sportsbar im Münchner Marriott Hotel.

Nach Jahren in der "11 Freunde-Bar" sei es an der Zeit für ein neues Styling gewesen, auch mit Blick auf die nicht immer einfache Logistik in Essen. Das Marriott hat weniger den Stil einer Ruhrpott-Kneipe denn den einer amerikanischen Sports-Bar. Am Ablauf ändert sich jedoch wenig. Die Moderatoren Thomas Helmer und Olli Schwesinger führen im Wechsel durch die Abende. Prominente Gäste plaudern, durchaus unter Einbeziehung des Publikums vor Ort und in den sozialen Medien über den Fußball im Allgemeinen und das laufende Spiel im Besonderen. Die Ex-Fußballerin Valentina Maceri fungiert dabei künftig als "Net-Woman". Tore, die in den deutschen Partien fallen, werden vor Ort ausgiebig beschrieben und bisweilen sogar mal nachgestellt. Zweimal die Woche wird der "Fantalk" laufen, jeweils an den Champions-League-Spieltagen. DAZN oder SKY: Hier erfahren Sie, wo die Spiele der Champions League live übertragen werden.

Mittendrin künftig: Tim Wiese. Ein Mann mit Geschichte. Von Fortuna Köln über Bremen und die Nationalmannschaft bis nach Hoffenheim und dann zum Einmal-Wrestler. Einer, der seit jeher polarisiert, aber eben auch die Sprache vieler Fußball-Fans spricht und versteht. Wie er seine neue Rolle als Experte sieht? "Ich darf sagen, was ich will", kündigt er an. "Ich nehme kein Blatt vor den Mund, so war ich immer. Und wenn der Zuschauer dann mal buhen sollte, komme ich damit schon klar."

Wobei: Leicht, verrät der 36-Jährige, sei es ihm zu aktiven Zeiten selbst nicht immer gefallen, mit Kritik von außen umzugehen. "Natürlich habe ich die immer verflucht, wenn sie mich kritisiert haben. Ausnahme: All jene, die selbst Bundesliga gespielt haben und somit auch wissen, was das bedeutet." Zu Sportjournalisten mag das Verhältnis folglich dann doch ein eher gespaltenes gewesen sein.

Tim Wiese findet die heute Spielergeneration verwöhnt

Der "Fantalk" indes ist per se kein Journalisten-Format wie etwa der "Doppelpass" am Sonntagmorgen bei SPORT1. Mit regelmäßigen Gästen wie Oliver Pocher, Peter Neururer und Mario Basler geht es immer auch um das Entertainment zum einen und um die besonderen Belange der Fans auf der anderen Seite. Stichwort zum Beispiel: die zunehmende Entfremdung von Spielern, Vereinen und Anhängern. Wiese gehört zu jenen, die seine Basis und Herkunft nie verleugneten. Er erinnert sich gerne an die Ascheplätze seiner Anfangsjahre, setzt sich bis heute für die Belange des Amateurfußballs ein.

Die heutige Spielergeneration? "Schon ein bisschen verwöhnt", sagt er. "Die von den großen Vereinen leben wie im Schlaraffenland. Mit 17 haben sie ihren ersten Ausrüstervertrag, dann dicke Autos, ihrer eigenen Friseur, zig Follower bei Instagram und feiern sich selbst tagtäglich in den sozialen Medien. Aber wenn du den ganz großen Sprung schaffen willst, gehört eben viel mehr dazu. Kämpfen, beißen, ständig hart an sich arbeiten und nie zufrieden sein – ohne das geht's nicht." Und: Es gilt, die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen zu können. "Ich sehe immer wieder Jugendspieler, die stellen sich beim Freistoß so hin, als wären sie Ronaldo ..."

Es ist eine interessante Kombination, die sich SPORT1 da ausgedacht hat. Neben dem forschen Tim Wiese wurde mit Celia Sasic eine Frau engagiert, die den Ball eher flach hält. Dabei sind ihre Erfolge riesig: Zweimal Europameisterin, Champions-League-Siegerin mit dem 1. FFC Frankfurt, Deutschlands und Europas Fußballerin des Jahres, 111 Länderspiele. Aber eben noch recht neu im Mediengeschäft. "Ich schaue Fußball nicht, weil es mein Job ist, sondern weil ich es liebe", formuliert sie zum Auftakt markig und bringt damit den Kernansatz des Fantalks auf den Punkt.

Einige öffentliche Auftritte gab es schon. Darunter beim "Doppelpass" und bei "Hart aber fair" mit Frank Plasberg im Ersten, als sie dabei war, während Kollege Mario Basler spottete: "Özils Körpersprache ist die von einem toten Frosch." Die Schlagzeilen waren ihm sicher. "Wir sind vom Naturell her sicher anders", lächelt die 30-Jährige, der es ums Fußballfachliche geht, "ohne den Faktor Entertainment auszublenden. Ich werde sicher keine Statistiken runterpredigen." Dass Celia Sasic zunächst die einzige Frau in der Runde ist, nimmt sie gelassen. "Seitdem ich Kind war, schaue ich Fußball und bin da meist eher von Männern umgeben. Ich bin's gewohnt. Wobei es schon nicht immer leicht ist, sich seinen Redeanteil zu holen – das ist im Fernsehen sicher nicht anders."

Ihren ersten Auftritt haben Celia Sasic und Tim Wiese am Dienstag, 18. September, 20.00 Uhr. Ab 21 Uhr spielt dann Borussia Dortmund in Brügge, Schalke 04 empfängt zeitgleich den FC Porto. Thomas Helmer moderiert, weiter zu Gast sind Hartwig Thöne und Rudi Brückner (beide SPORT1). Am Mittwoch, 19. September, startet den "Fantalk" moderiert von Oliver Schwesinger bereits um 18.45 Uhr. Um 18.55 Uhr beginnt die Partie von Hoffenheim bei Schachtar Donezk, um 21 Uhr folgen die Bayern, die zum Auftakt nach Lissabon zu Benfica reisen. Einig sind sich die neuen Experten bei ihrer Einschätzung der Bayern, denen sie beide da Halbfinale zutrauen. Wieses Titelfavorit: "Juventus Turin". Sasic sagt's anders: "Nicht Real Madrid!"

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Quelle: teleschau – der Mediendienst